Wirtschaft etwas verhaltener

lightbox

von links: Harald Grefe (stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK und Leiter des Bereichs International, Verkehr und Handel), Dr. Christoph von der Heiden (IHK-Geschäftsführer des Bereichs Industrie, Öffentlichkeitsarbeit, Volkswirtschaft), Thomas Niehoff (Hauptgeschäftsführer der IHK) und Ortwin Goldbeck (Präsident der IHK)

Bielefeld (rsc). „Die hiesige Wirtschaft erweist sich im bisherigen Verlauf der Euroschuldenkrise als robust, allerdings nicht als immun“, erklärt Ortwin Goldbeck, Präsident der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld, zur Herbstkonjunkturumfrage am heutigen Mittwoch.
An der Umfrage beteiligten sich 1 932 Unternehmen mit 152 362 Beschäftigten aus den Branchen Industrie, Handel und Dienstleitung aus der Region. Die Klimaindices aller dieser Branchen sank im Verhältnis zum Vorjahr um einige Punkte. Das Konjunkturklima sei im Abwärtstrend begriffen, allerdings lägen die aktuellen Werte noch immer oberhalb des Durchschnitts der letzten Jahre. 30 Prozent der Industriebetriebe bezeichnen ihre momentane Geschäftslage als gut, 7 Prozent als schlecht. Das seien fast exakt die gleichen Einschätzungen wie im Frühjahr. Betreffs der Kapazitätsauslastung, der Investitionen sowie der Erträge ließe sich sagen, dass die ostwestfälische Industrie immer noch auf einem guten Niveau angesiedelt ist.
Jedoch erwarten die meisten Betriebe in Ostwestfalen eine Verschlechterung der Umsatzzahlen in den nächsten Monaten und Jahren. Etwa die Hälfte der Unternehmen gehen von verhaltener steigenden Umsätzen aus, 11 Prozent erwarten einen Rückgang.
Die industriellen Beschäftigungsaussichten geben Anlass zur Freude. Ein Drittel der befragten Unternehmen denken über Beschäftigungsaufbau nach, Abbau planen nur 11 Prozent. Das größte Risiko für Unternehmen läge in der Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise, betonte Goldbeck. Insgesamt ließe sich sagen, dass die Entwicklung der ostwestfälischen Wirtschaft leicht schwächelt und die Erwartungen an die Zukunft kleiner geworden sind. Allerdings gäbe es keine Anzeichen für eine Krise.

Inwiefern sich das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes für den Eurorettungsschirm auf die Wirtschaft in Ostwestfalen auswirken wird, kann noch nicht gut prognostiziert werden. „Wir haben dem Euro viel zu verdanken, gerade die deutsche Exportwirtschaft. Wir müssen um ihn kämpfen, denn er bildet eine stabile Währung“, mahnte Goldbeck an und appellierte gleichzeitig an die Politik in diesen Zeiten sprudelnder Steuereinnahmen mehr zu sparen.
„Auch wenn die Unternehmen nicht mehr so optimistisch in die Zukunft blicken, richtig schlecht sind die Erwartungen keineswegs“, erklärte Goldbeck.

Foto: René Scharton