Wirtschaft behauptet sich erfolgreich trotz globaler Krisen

Gütersloh. Die Konjunktur im Kreis Gütersloh erweist sich weiterhin als stabil. Zu diesem Ergebnis kommt die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK) in ihrer Frühjahrskonjunkturumfrage, an der sich im Kreis Gütersloh 369 Unternehmen mit 45.539 Beschäftigten aus Industrie, Handel und Dienstleistungen beteiligten. „Angesichts der globalen Krisenherde und der in Teilen von Europa weiter schwachen Konjunktur behauptet sich die Wirtschaft im Kreis Gütersloh erfolgreich“, betonte IHK-Vizepräsident Dr. Markus Miele heute (27.02.2015) bei der Vorstellung der Ergebnisse. Der Konjunkturklimaindikator, der die Einschätzungen der momentanen Lage und die Zukunftserwartungen gleichermaßen berücksichtigt, ist für die gesamte Wirtschaft im Kreisgebiet gegenüber dem Herbst von 121 auf 122 Punkte gestiegen. Damit liegt der Wert deutlich über der 100er-Linie, die die Grenze zwischen einer insgesamt positiven oder negativen Stimmung markiert.

53 Prozent der Industriebetriebe bezeichnen ihre aktuelle Geschäftslage als gut, ebenso wie im Herbst, 16 Prozent als schlecht (Herbst: 14 Prozent). Leicht gestiegen sind die Erwartungen: 23 Prozent rechnen aktuell mit einer weiteren Verbesserung der Geschäftslage (Herbst: 20 Prozent), von einer Verschlechterung gehen lediglich 16 Prozent aus (Herbst: 18 Prozent). Zufriedenstellend ist auch die Auslastung der Produktionskapazitäten. Zu über 95 Prozent ausgelastet sind laut IHK-Umfrage aktuell 28 Prozent der Betriebe, zu unter 80 Prozent ausgelastet nur neun Prozent. Aktuell schätzen auch wieder mehr Betriebe (26 Prozent) ihre Ertragslage als gut ein (Herbst: 18 Prozent). Dagegen stufen 13 Prozent der Unternehmen ihre Ertragslage als schlecht ein (Herbst: 6 Prozent).
Größtes Risiko bleibt wie im Herbst die Auslandsnachfrage mit 57 Prozent. „Ukraine/Russland, der Nahe Osten, das weiterhin geringe Wachstum der Eurozone und eine schwächere wirtschaftliche Entwicklung in einigen Schwellenländern: All dies lässt die Auslandsnachfrage das größte Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung bleiben – trotz der ‚Sonderfaktoren‘ niedriger Ölpreis und schwacher Euro“, erläuterte der IHK-Vizepräsident. Deutlich gestiegen – bereits zum dritten Mal in Folge – ist das Risiko durch die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. „Ursprünglich war die Bundesregierung angetreten, um Bürokratie abzubauen. Die Umsetzung des Mindestlohns und eine neu geplante Arbeitsstättenverordnung lassen jedoch daran zweifeln. In einer Hoch-Zeit unseres Erfolges versäumen wir es, die Weichen für die Sicherung unserer Wettbewerbsfähigkeit wieder neu zu stellen. Ich halte das für sehr gefährlich, denn damit sinkt die Bereitschaft zu Reformen und wirtschaftsorientierten Investitionen“, warnte Miele.
Im Einzel- sowie Großhandel, der konjunkturell unmittelbarer von der Industrie abhängt, ist die Stimmung gegenüber dem Herbst unverändert gut geblieben (Großhandel: 38 Prozent „gut“-, 16 Prozent „schlecht“-Nennungen; Einzelhandel: 45 Prozent „gut“-, 7 Prozent „schlecht“-Nennungen). Mit besseren Geschäftserwartungen rechnen im Großhandel 32 Prozent und im Einzelhandel 29 Prozent. Bei den Dienstleistern ist die Stimmung weiterhin überwiegend gut: 39 Prozent der Unternehmen bewerten ihre momentane Geschäftslage als „gut“ und nur 7 Prozent als „schlecht“. Bei den Erwartungen gehen 29 Prozent der Unternehmen von einer verbesserten Geschäftslage aus, 14 Prozent rechnen mit einer ungünstigeren Geschäftsentwicklung.
Nach Angaben von IHK-Geschäftsführer Dr. Christoph von der Heiden bleibt der Kreis Gütersloh mit großem Abstand das industrielle Schwergewicht in Ostwestfalen: 27 Prozent der ostwestfälischen Betriebe sind im Kreis ansässig, ein Drittel aller Industriebeschäftigten sind hier tätig und erwirtschaften 42 Prozent des ostwestfälischen Industrieumsatzes. So stiegen die Gesamtumsätze des Verarbeitenden Gewerbes im Kreis auf 16,6 Milliarden Euro (+1,2 Prozent zu 2013). Dabei erzielten die Auslandsumsätze einen Rekord von 6,8 Milliarden Euro (+2,2 Prozent, Exportquote: 41 Prozent). Die Zahl der Beschäftigten in der Industrie im Kreis blieb mit 49.785 stabil.