Vom coolen DJ zum Mechatroniker für Kältetechnik

Detmold. „Wir haben einen DJ der gerne Mechatroniker für Kältetechnik werden möchte“, so die Kurzfassung des Anrufs von Dirk von Zastrow, Vermittler im Arbeitgeber-Service der Detmolder Arbeitsagentur, bei Stefanie Klaas, Ausbildungsleiterin bei Firma Remko in Lage. Stefanie Klaas schmunzelt heute darüber, dass sie zugegebenermaßen zunächst ein wenig perplex war. „Wir erhalten immer tolle Vermittlungsvorschläge von der Arbeitsagentur, aber diesen fand ich spontan doch etwas kühn. Dabei war der Vorschlag – wie sich schnell zeigen sollte – goldrichtig!“ Sascha Mulder ist inzwischen seit Oktober 2017 Umschüler im Betrieb und schon schwer im Einsatz, sei es in der Werkstatt oder bei Remko-Kunden im Außendienst. Der 36-Jährige schwärmt „Der Bereich Kältetechnik lässt mich natürliche physikalische Phänomene verstehen und fordert mein ganzes handwerkliches Geschick. Ich bin im richtigen Beruf angekommen.“

Foto (von links): Thorsten Schomacher, Dirk von Zastrow (beide Agentur für Arbeit Detmold; Stefanie Klaas, Sascha Mulder (beide Firma Remko)

Bu: Foto (von links): Thorsten Schomacher, Dirk von Zastrow (beide Agentur für Arbeit Detmold; Stefanie Klaas, Sascha Mulder (beide Firma Remko)

Sascha Mulder, der in seinen Zwanzigern als Musikproduzent und DJ unter dem Künstlernamen „Adam von Garrel“ Elektro-Pop unter die feiernden Massen brachte und vor allem durch Russland und Japan tourte, merkte mit Anfang 30, dass die Euphorie für den eigenen Lebensstil nachließ. „Du lebst einfach asynchron zu deiner Familie und deinen Freunden, die ihren nine-to-five-Job haben. Ich fing an, mich auch danach zu sehnen: Geregelte Arbeitszeiten, festes Gehalt, die Basis, um vielleicht einmal eine Familie gründen zu können.“
Also wurde die Musik in die Freizeit verbannt und ein Job gesucht. Bei einem Bekannten in der Industrielackierung ging es los. „Für den Einstieg in das geregelte Berufsleben mit festen Arbeitszeiten war das sehr hilfreich“, so Sascha Mulder, der auf jeden Fall eine Ausbildung im Handwerk anstrebte. „Was genau, konnte ich noch nicht sagen, weshalb ich zur Detmolder Arbeitsagentur gegangen bin. Von da an lief alles wie am Schnürchen.“

Vermittler Thorsten Schomacher weiß, dass manche Berufe einfach gar nicht im Blickfeld sind, weil man sie schlechtweg nicht kennt. „So ein Schattendasein führt auch der Beruf Mechatroniker für Kältetechnik, weil es nur wenige Betriebe in Lippe gibt, die in diesem Bereich ausbilden. Kennenlernen lässt sich ein Beruf natürlich in einem Praktikum.“

Nach acht Wochen finanziell von der Arbeitsagentur geförderter Probearbeit stand für Remko und Mulder fest, dass man die gemeinsame zweieinhalbjährige Umschulung angehen wollte. Sascha Mulder: „Der Weg von den Vermittlern ist super bereitet worden, er war logisch, fühlte sich gut an und bietet extrem gute Perspektiven für die berufliche Zukunft.“

Die Branche boomt in der Tat und fragt unablässig nach ausgebildeten Fachkräften insbesondere der Kältetechnik nach. Stefanie Klaas betont deshalb, dass die eigene Ausbildung im Unternehmen sehr wichtig ist. „Wir sind ständig auf der Suche nach interessierten und geeigneten Auszubildenden und freuen uns, mit der ersten von der Arbeitsagentur geförderten Umschulung neue Wege gegangen zu sein.“

Dass seine Umschulung am Anfang auch spöttisch beurteilt wurde, amüsiert Sascha Mulder. „Damals hast du die Hallen vollgemacht, heute fegst du sie“, war nur ein Kommentar, den der Musiker zu hören bekam. Mulder: „Jeder sollte einfach seinen eigenen beruflichen Plan umsetzen, unabhängig von allen Unkenrufen.“
Übrigens, auch Remko profitiert von der Vorkarriere des „Adam von Garrel“. Ausbildungsleiterin Stefanie Klaas: „Sascha ist schon jetzt als DJ für das nächste Betriebsfest eingeplant.“

Foto: Tanja Liebke (Agentur für Arbeit Detmold)

horizonte_zingst_2018