„OWL braucht Gewerbeflächen – Airport wichtige, landesbedeutsame Infrastruktur“

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Der Paderborn-Lippstadt Airport war Tagungsort der zweiten Wirtschaftskonferenz OWL

Paderborn. Unter dem Titel „Neue Wege für OWL“ diskutierten über 120 Vertreter aus Politik und Wirtschaft auf der 2. Wirtschaftskonferenz OWL gemeinsam mit NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin am Paderborn-Lippstadt Airport über die Zukunft der Region. Investitionen in die verkehrliche Infrastruktur, schnelles Internet und eine intelligente Flächennutzung, die wirtschaftliche Entwicklung zulässt und gleichzeitig der zunehmenden Flächenversiegelung entgegenwirkt, standen im Fokus der Vorträge und Podiumsdiskussionen.

Immer wieder blitzte zudem der Begriff „Industrie 4.0“ auf. Doch im Gegensatz zu allen vorangegangenen drei industriellen Revolutionen soll diesmal von Anfang an die Rolle des Menschen beleuchtet werden. Was die Technik zu leisten vermag, sei die eine Seite der Medaille. Berücksichtigt werden müsse gleichermaßen, was das für die Arbeitsinhalte und Qualifizierung der Menschen bedeute. Als Gefahr gewertet wurde auch die sich abzeichnende Ausblutung des ländlichen Raums. So könne es nicht sein, dass der städtische Wohnraum immer teurer werde, während gleichzeitig immer mehr Häuser auf dem Lande leer stehen würden. Als bedrohlich gewertet wurde zudem die fehlende Ansiedelung von jungen Familien. Dass es junge Menschen in die Stadt ziehe, sei nicht neu. Aber dass sie dort blieben und nicht zurückkehrten, sei ein neues Phänomen und existenzbedrohend für den ländlichen Raum.

Landrat Manfred Müller nutzte die Anwesenheit des NRW-Wirtschaftsministers, um die Sorge der Region wegen der möglichen Einschränkungen der Gewerbeflächenentwicklung durch den Landesentwicklungsplan vorzutragen. Darüber hinaus dürfe im LEP auch der Flughafen Paderborn-Lippstadt nicht nur als regional bedeutsam, sondern als „landesbedeutsam“ eingestuft werden. Es sei ein Unding, dass Paderborn sich Münster-Osnabrück anpassen und evtl. sogar unterordnen müsse, obwohl Münster praktisch gleich viele Passagiere, aber nahezu fünf Mal so hohe Verluste habe. Insofern war auch der Tagungsort vom Paderborner Landrat nicht zufällig ausgewählt. Minister Duin räumte ein, dass der derzeitige Entwurf des LEP die Flughäfen ungleich behandele. Er sagte zu, die Kriterien für die Abstufung noch einmal zu überprüfen.. Gleichzeitig betonte er jedoch, dass das Land alle Standorte im Blick haben müsse.

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Im Gespräch – von links nach rechts:  Minister Garrelt Duin und Landrat Manfred Müller

Garrelt Duin versprach, dass der LEP „aus dem Verfahren nicht so herauskommen werde, wie er hinein gegangen sei“. Nirgendwo zuvor hatte ein Vertreter der Landesregierung so deutlich Verbesserungen zum LEP angekündigt. Er sparte ansonsten nicht mit Lob für die Region. Mit „It`s OWL“ bestellten Wirtschaft und Forschung bereits die Märkte der Zukunft. Innovation müsse vor Ort geschehen. Man dürfe sich da nicht nur auf die große Politik verlassen. „OWL ist ein Aushängeschild von Nordrhein-Westfalen“ sagte der Minister wörtlich. Er wisse nicht, ob das der Region so bewusst sei. Aber Düsseldorf habe OWL immer mit im Gepäck. Diese Sympathie für OWL kam rüber: Harald Grefe, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Ostwestfalen, bescheinigte dem Minister eine herausragende Präsenz in der Region. „Ich habe nicht einen Wirtschaftsminister erlebt, der so oft den Weg nach Ostwestfalen-Lippe gefunden hat“, sagte Grefe wörtlich.

Deutlich wurde in den Diskussionen auch die Sorge über die Pläne der Landesregierung, den Verbrauch für Siedlungs- und Verkehrsflächen zu reduzieren. Der Minister betonte, dass durch die zunehmende Versiegelung von Flächen beispielsweise auch die Gefahr von Hochwasser steige. Denn irgendwohin müsse das Wasser ja abfließen können. Statt Kirchturmdenken müsse hier ein Flächenmanagement für ganz OWL geschaffen werden. Gleichzeitig betonte der Minister, dass der LEP ja erst im Entwurf vorliege und derzeit eine Überarbeitung erfolge.

Wie neue Wege, nicht nur in OWL, aussehen könnten, zeigte Professor Dr. Michael Henke von der TU Dortmund und dem Frauenhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML unter den Stichworten „Industrie 4.0“ und „Logistik 4.0“ auf. Die Technik erlaube es, zunehmend Prozesse zu automatisieren. Industrieunternehmen würden ihre Betriebskomponenten künftig weltweit vernetzten. Sowohl Logistik als auch Produktion würden sich dadurch grundlegend ändern. Nicht Intuition und Erfahrung, sondern Multiagentsysteme, mathematische Modelle und Geschwindigkeit würden über zukünftige Geschäftserfolge entscheiden.

Letztlich geht es darum, künstliche und menschliche Intelligenz so effizient wie möglich einzusetzen. Industrie 4.0 kann ohne erstklassig ausgebildete Fachkräfte nicht stattfinden. Matthias Günther vom ISP Eduard Pestel Institut für Systemforschung e.V. in Hannover warnte davor, dass OWL diese Fachkräfte, überhaupt die Menschen verlieren könnte. Durch die Akademisierung der Ausbildung müssten diese zunehmend in die Städte ziehen. Neu jedoch sei, dass sie nicht zurückkehrten. Viele bekämen lediglich Zeitverträge oder schlecht bezahlte Arbeitsplätze, müssten deshalb dem nächsten Job hinterherziehen. Und das sei nicht die Basis, um ein Häuschen auf dem Lande zu bauen und eine Familie zu gründen.

Veranstalter dieser zweiten Wirtschaftskonferenz war die Arbeitsgemeinschaft der regionalen Wirtschafsförderer in Ostwestfalen- Lippe, diesjähriger Ausrichter der Kreis Paderborn.

Fotos: Der Veranstalter