krz informiert über sichere IT-Infrastruktur für OWL

Lippe. Der Brand in einer von bundesweit 80 Vermittlungsstellen im Januar 2013 in Siegen zeigte erschreckende Auswirkungen: Für mehrere Stunden war keinerlei elektronische Kommunikation möglich, auch die Verbindung mehrerer kommunaler Datenzentralen zu den angeschlossenen Rat- und Kreishäusern war unterbrochen. Eine halbe Million Menschen waren betroffen, die Notrufe waren nicht erreichbar, sogar das interne Netz zwischen den Regierungsstellen war lahmgelegt, auch Geldauszahlungen an Automaten waren nicht möglich. Das Kommunale Rechenzentrum Minden – Ravensberg /Lippe (krz) nahm jetzt diesen Vorfall zum Anlass, die Hauptverwaltungsbeamten und Leitstellenverantwortlichen in OWL einzuladen, um über Konsequenzen in der Region zu diskutieren, damit sich ein derartiger Vorfall hier nicht wiederholt.

Aus den Kreisen Minden-Lübbecke, Lippe, Paderborn, Gütersloh, Höxter und Herford, aus der Stadt Bielefeld sowie von der Bezirksregierung in Detmold konnte krz-Geschäftsführer Reinhold Harnisch die Vertreter der Ordnungsverwaltungen sowie Verantwortliche der jeweiligen Leitstellen und der Berufsfeuerwehren begrüßen. Er führte am Beispiel des Serviceproviders, der seit 2007 nach den strengen Kriterien des Bundesamtes für die Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in der höchsten Sicherheitsklasse zertifiziert ist, auf, welche Vorsorgemaßnahmen sein Haus bereits getroffen hat. Gleichwohl sei man von der technischen Infrastruktur der Telekommunikationsanbieter abhängig und deshalb sehr daran interessiert, hier gemeinsam mit der Deutschen Telekom die Ausfallsicherheit weiter zu erhöhen.

Manfred Bader, Leiter Kundenbetreuung NRW Public Sector & Healthcare der T-Systems International GmbH, stellte die differenzierte Infrastruktur vor, die das Unternehmen seit Jahrzehnten aufgebaut hat, um bestmöglichen Service für Städte und Gemeinden sowie die Sicherheitseinrichtungen zu gewährleisten. Er berichtete insbesondere von den außerordentlichen Anstrengungen des führenden Anbieters, nach dem Ausfall schnellstmöglich wieder eine funktionsfähige Infrastruktur herzustellen. Gemeinsam mit weiteren Experten aus seinem Haus diskutierten die Sicherheitsfachleute aus OWL dann Maßnahmen, die ergriffen werden können, um Vorfälle wie in Siegen zu verhindern. So hat das krz beispielsweise nicht nur den Anschluss an eine Vermittlungsstelle, sondern kann im Störfall über eine gesonderte Leitung auf eine andere Vermittlungsstelle zugreifen.

Einig waren sich alle Teilnehmer, unter denen auch Vertreter einiger anderer kommunaler Rechenzentren in OWL waren, dass Sicherheit nicht zum Nulltarif zu bekommen ist. Wolfgang Scherer, stellv. Geschäftsführer des krz, fasste abschließend zusammen: „Hier sind alle beteiligten Einrichtungen, ob Verwaltung oder Leitstellen, aufgefordert, jetzt kritisch die eigenen Infrastrukturen in Zusammenarbeit mit der Telekom zu überprüfen.“ Er regte an, hier auch über gemeinsame Backup-Netze nachzudenken. Einhellige Zustimmung fand der Vorschlag, das krz mit der Koordination dieser Bestandsaufnahme zu beauftragen.

Auch das diesjährige krz-Forum am 11.Juni befasst sich ausführlich mit diesem wichtigen Thema. Unter anderem wird die Geschäftsleitung der kommunalen Datenzentrale in Siegen berichten über „Nutzen und Grenzen eigener Netze.“ Franz-Reinhard Habbel, Sprecher des Deutschen Städte- und Gemeindebundes referiert über „Sicherheit als Standortfaktor für Gesellschaft, Wirtschaft und Verwaltung“ und Ortwin Neuschwander, Leiter Verbindungsbüro Politik und Wirtschaft, vom Fraunhofer Institut FOKUS erörtert „Vernetzte Sicherheit“.

Neben dem Rollout bei weiteren Kunden sind Erweiterung für die Abgabe von Änderungsmitteilungen und Einkommensnachweisen, geplant sowie die Etablierung von Online-Services für andere Fachbereiche. Das Bürgerkonto mit dem Service ‚Elternbeiträge Online‘ kann auch für die Festsetzung von Elternbeiträgen zur Offenen Ganztagsschule genutzt werden und ist daher nicht nur für Jugendämter interessant.