Johanneswerk unterstützt Kampagne „An die Pflege denken“

Renate Gamp (v.l. DEVAP), Dr. Bodo de Vries (Ev. Johanneswerk) und Karl-Josef Laumann (CDU) mit der “To-do-Liste für die Bundestagswahl 2013” zum Thema “An die Pflege denken”. Foto: Sarah Jonek

Renate Gamp (v.l. DEVAP), Dr. Bodo de Vries (Ev. Johanneswerk) und Karl-Josef Laumann (CDU) mit der “To-do-Liste für die Bundestagswahl 2013” zum Thema “An die Pflege denken”. Foto: Sarah Jonek

Bielefeld (JW). „An die Pflege denken“ – diese eindringliche Forderung brachte Renate Gamp, Vorsitzende des Deutschen Evangelischen Verbandes für Altenarbeit und Pflege (DEVAP) mit ihrer neuen Kampagne nach Bielefeld. Im Johanneswerk war sie zusammen mit Karl-Josef Laumann, Vorsitzender der CDU-Fraktion im NRW-Landtag, zu Gast, um mit Dr. Bodo de Vries, Vorstand des Ev. Johanneswerks, das drängende Thema zu diskutieren.

„Wir brauchen einen neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff“ fordert Renate Gamp von der Bundesregierung, „In dieser Legislaturperiode hat es nicht geklappt, jetzt setzen wir auf die nächste!“. Laut Dr. Bodo de Vries, machen die Alten- und Pflegeheime zur Zeit einen Funktionswandel durch: „Das sind nicht mehr die Häuser, in denen man seinen Lebensabend verbringt. Hier geht es mehr und mehr um gerontopsychologische Versorgung von Menschen mit Demenz und Palliativpflege.“ Die Verweildauer in Pflegeheimen wird indes immer kürzer, 47 % der Bewohner versterben sogar innerhalb des ersten Jahres. „Und diese steigenden Anforderungen müssen wir mit einem Personalschlüssel von 1996 bewältigen“, kritisiert de Vries das Pflegesystem.

„Was die ambulante Versorgung angeht, haben wir eine Erfolgsstory geschrieben: 70% aller pflegebedürftigen Menschen in Deutschland werden ambulant versorgt, da gibt es vielfältige Hilfen. Was aber zu kurz gekommen ist, sind die Heime“, erläutert Karl-Josef Laumann. „Auf Dauer wird eine Erhöhung des Pflegeversicherungsbeitrages unumgänglich sein.“

Die Experten de Vries und Gamp sind sich einig in den Forderungen, die sie an die Politik stellen: Eine Hinwendung zur Quartiersgestaltung. Dort müssen die Netzwerke gestärktund die ambulanten Angebote erweitert werden. Die Quartiere müssen so gestaltet werden, dass Menschen auch im Alter dort wohnen bleiben können. „Die Frage ist nicht, ob wir Alternativen zum Pflegeheim brauchen, sondern wie diese aussehen“, macht de Vries auf die Dringlichkeit des Problems aufmerksam.

„Natürlich muss aber jeder Pflegebedürftige, dessen häusliche Versorgungsnetzwerke versagen, ein stationäres Angebot bekommen“, so de Vries weiter.Das werde auch in Zukunft der Fall sein, da die aktuellen Leerstände in Pflegeheimen dafür sprächen, dass auch in den kommenden Jahren genügend stationäre Pflegeplätze vorhanden seien.

Initiiert wurde die Kampagne „An die Pflege denken“ von Diakonie und DEVAP. Gemeinsam haben sie detaillierte Forderungen entwickelt, die die Situation von Pflegebedürftigen, pflegenden Angehörigen und Beschäftigten in der Pflege verbessern sollen.