Imker besorgt über Folgen zunehmender Biogasanlagen

Imker und Bund Lemgo besorgt wegen zunehmender Biogasanlagen

Ursula Beckmann und Waldemar Bierbaum in ihrer eigens angepflanzten Bienenweide mit Phacelia und Sonnenblumen.

Lemgo. Imker Waldemar Bierbaum aus Bad Salzuflen, aktiver Verfechter des Konzepts von Lippequalität, macht sich zunehmend Sorgen über die Entwicklung in der Landwirtschaft in Lippe. Für die Imkerei wird es immer schwieriger, beklagt er. Brachflächen, Feldraine, Hecken und Streuobstwiesen werden immer weniger. Auch in den Privatgärten finden Bienen kaum noch Nahrung, denn statt Nutzgarten und Mischhecke gibt es jetzt Rasen, Kirschlorbeer und Thuja.

Waldemar Bierbaum: „Wir haben zwar noch den Raps für die Bienen, aber nach der Blüte fallen sie in ein Loch. Sie benötigen ein Trachtenband, das ihnen vom März bis in den Oktober genügend Nahrung liefert.“
Besonders beklagt er auch die Folgen der Biogasanlagenförderung. Maismonokulturen bieten Bienen keine Nahrung. Die Pachtpreise für Ackerland sind sprunghaft gestiegen und die Anlage spezieller Bienenweiden mit Phacelia oder Sonnenblumen ist nicht mehr finanzierbar. Kritik zur Entwicklung gibt es auch von Willi Hennebrüder vom BUND Lemgo. „Hier läuft etwas aus dem Ruder, was unbedingt korrigiert werden muss“, so seine Aussage. Eine Resteverwertung in Biogasanlagen macht nach Auffassung des BUND Lemgo Sinn, aber Maismonokulturen sind der falsche Weg. Da ist das Artensterben vorprogrammiert.

Für Willi Hennebrüder ist unverständlich, dass die Bundesregierung sich zwar auf internationaler Ebene verpflichtet hat die Artenvielfalt zu erhalten, dann aber mit der Förderung der Biogasanlagen Maismonokulturen begünstigt. Dabei gibt es genügend andere Möglichkeiten, so seine Aussage. Die Bayerische Landesanstalt für Wein- und Gartenbau hat im Rahmen eines Pilotprojekts festgestellt, dass wildartenreiche Saatgutmischungen eine echte Alternative sind, die genügend Biomasse liefern. Für eine weitere Alternative wirbt Waldemar Bierbaum. Statt Mais empfiehlt er die durchwachsende Silphie, eine uralte Heil- und Gemüsepflanze. Als ausdauernde Pflanze kann sie 10 und mehr Jahre geerntet werden. Sie liefert ab dem zweiten Jahr zwischen 13 und 20 Tonnen Biomasse pro Hektar. Sie ist aber nicht nur als Energiepflanze zu nutzen. Sie ist eine ausgezeichnete Bienenweide, für viele Insekten interessant und eignet sich hervorragend als Grünfutter für Haustiere.

Zur Unterstützung der Imker und zur Förderung der regionalen Vermarktung von Honig bietet der BUND Lemgo den Imkern die kostenfreie Aufnahme auf den Internetseiten des BUND Lemgo in einem gesonderten Imkerverzeichnis an. Dort gibt es auch weitere Informationen zum Thema alternative Energiepflanzen inkl. Forschungsberichte und einen Link zu einem Filmbeitrag über die Alternative Silphie. In Kooperation mit Imker Bierbaum hat der BUND Lemgo zudem eine Übersicht über Bienennährpflanzen erstellt, ergänzt um Informationen, ob die Pflanzen als Vogelschutz- und Vogelnährgehölz geeignet sind und ob sie Wildfrüchte zum Verzehr oder zur Verarbeitung liefern. Dies ist auch als Hilfe für die private Gartengestaltung gedacht. Die Hinweise findet man im Internet unter: www.bund-lemgo.de

Foto: Bund Lemgo