Gute Chancen für Frauen in Männerberufen

Kreis Lippe. „Der Stadtverkehr Detmold ist sehr anspruchsvoll. Das bedeutet für unsere Busfahrer höchste Konzentration“, erklärt Sven Oehlmann, Geschäftsführer von Karl Köhne Omnibusbetriebe GmbH. Besonders sogenannte Gelenkbusse sind aufgrund ihrer Länge in den teilweisen engen Straßen und dem dichten Verkehr schwer zu steuern. 

Nicht ohne Fahrkarte - Klaus Januszweski hat Alma Iseni die neue Stelle vermittelt.

Für Neueinsteiger in den Busfahrerberuf, wie Alma Iseni, bedeutet dieses Fahrzeug daher eine besondere Herausforderung, die sie nur mit zusätzlichen Schulungen während der Einarbeitungszeit meistern können. Damit Betriebe Neulingen trotzdem eine Chance geben, fördert das Jobcenter Lippe Arbeitgeber finanziell.

Alma Iseni (44) ist sehr glücklich mit ihrer neuen Arbeit: „Ich arbeite gerne mit Menschen und als Fahrerin treffe ich täglich die verschiedensten Typen.“ Ohne eine in Deutschland anerkannte Berufsausbildung konnte sie in den vergangenen Jahren immer nur Helfertätigkeiten nachgehen. In Hoffnung auf einen beruflichen Neuanfang machte sie den Omnibusführerschein, fand aber zunächst nur eine 400-Euro-Stelle. Als das Jobcenter Lippe ihr von einer freien Stelle bei der Firma Köhne erzählte, war sie sofort interessiert. „Noch am selben Tag hat Frau Iseni ihre Bewerbung eingereicht“, erzählt Klaus Januszweski vom Arbeitgeberservice des Jobcenters.

Im letzten Jahr ist der Bedarf an Kraftfahrzeugführern stark gestiegen. Doch noch profitieren hauptsächlich Männer von diesem Trend. Über 162.000 Männer arbeiten NRW-weit in diesem Beruf. Ihnen gegenüber stehen nur rund 8.000 Frauen.* Dabei haben sie gute Chancen. „Wir ermutigen Frauen bei der Beratung im Jobcenter immer, sich nicht nur auf die klassischen Frauenberufe zu konzentrieren“, sagt Januszweski. Viele Betriebe würden gerne Frauen in ihre Belegschaft aufnehmen – in Voll- und auch in Teilzeit.

Eine Einschätzung, die Sven Oehlmann bestätigt: „Wenn Frauen sich bei uns bewerben, haben sie die gleichen Chancen wie Männer, es müssten sich nur mehr Frauen trauen.“ Momentan sind von den 140 Fahrern der Firma Köhne, die unter anderem den Stadtverkehr in Bad Salzuflen, Detmold und Lemgo betreibt, 25 weiblich – mit steigender Tendenz. Alma Iseni ist dabei nicht die einzige, deren Einstellung vom Jobcenter Lippe gefördert wurde. „Gerade bei beruflichen Quereinsteigern stecken wir mehr Zeit und Geld in die Einarbeitung und Qualifizierung und brauchen daher die Förderung als Ausgleich“, so Oehlmann. Er hat dabei gute Erfahrung in der Zusammenarbeit mit dem Jobcenter gemacht. „Jeder Fall wird individuell bearbeitet und geschaut, welche Voraussetzungen der einzelne Bewerber mitbringt.“

Bei Alma Iseni fehlte zunächst die Berufserfahrung im Linienverkehr und beim Fahren von Gelenkbussen. Doch noch einem vierwöchigen, vom Jobcenter finanzierten, Praktikum und einer intensiven Einarbeitung ist davon nichts mehr zu merken. „Sie hat sich wunderbar in unser Team integriert und kommt auch bei den Fahrgästen gut an“, freut sich Sven Oehlmann.

Das Jobcenter Lippe hat auf die gesteigerte Nachfrage im Bereich Personennahverkehr reagiert und bildet Arbeitslosengeld-II-Empfänger zu Berufskraftfahrern aus. In diesem Jahr wird erstmals ein Kurs nur für Frauen angeboten. Da hier die Ausbildung in Teilzeit durchgeführt wird, ist sie besonders für Mütter geeignet. Arbeitgeber, die Fahrer suchen, können sich beim Arbeitgeberservice des Jobcenters Lippe melden unter: 05231/4599-460.

Foto: Jobcenter Lippe