Eleganter Athlet

Es ist immer gut, wenn man das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden kann. Das bedeutet in diesem Fall, auf dem Weg zu einer Pressekonferenz den neuen Suzuki Kizashi 2.4 einmal auf Herz und Nieren testen zu können. Auf den Straßen durch die bergige Region Ostwestfalen-Lippes soll der japanische Mix aus Limousine und Sportler zeigen, was in ihm steckt. Den Wagen holen wir, das sind zunächst der Chefredakteur und ich, vom Bielefelder Autohaus POHLMANN an der Detmolder Straße ab. Wir bekommen ein vollgetanktes, frisch gewaschen und poliertes, silbernes 2011er Modell, das ruhig auf dem Hof vor sich hin glänzend auf uns wartet. Von außen macht er einen guten Eindruck. Sportliche 235/45er Bereifung auf 18 Zoll Alufelgen, zwei eingefasste Auspuffrohre und die leicht verbreiterten Radkästen und Seitenschweller verpassen dem Wagen ein muskulöses Aussehen und wecken Assoziationen an einen DTM Wagen. Die dezente, geschwungene Linienführung und die kräftigen Chromleisten erinnern dagegen an eine Limousine. Insgesamt wirkt er kompakt, kernig und wie aus einem Guss – ein Design, das spontan irgendwie an eine Pistolenkugel erinnert.  Das Heck sieht massiv aus, ich gehe einmal drum herum zur Front des Kizashi, zum Gesicht, oder wie auch immer das in der Designer-Fachsprache heißen mag. Es dominiert eine Bewegung aus dem Zentrum nach oben, fast wie ein Lächeln. Er kommt irgendwie neckisch, schelmisch, fast herausfordernd daher.

Ich bekomme leicht Lust dieses Auto zu fahren und werfe einen Blick auf seine Leistungsdaten: 2.4 Liter Hubraum, 16V, fast 180 PS, von 0 auf 100 in acht Sekunden. Für einen PKW mit immerhin knapp 1500KG Leergewicht kann sich das sehen lassen.

Die Türen öffnen mit voluminösem Klang, der Einstieg ist großzügig dimensioniert und trotz der nur 14cm Bodenfreiheit hat man das Gefühl, man steigt in eine Limousine. Ein Eindruck, der sich im Inneren fortsetzt. Wir nehmen in den ledernen Sportsitzen Platz, die sich angenehm fest an den Rücken schmiegen, mir aber (180cm, 80KG, normale Statur), einen winzigen Tuck zu breit sind. Nichtsdestotrotz bieten sie auch mir genügend Halt. Das Termometer zählt inzwischen gefühlte 30°C und ich bin gespannt, wie sich meine abseitige Partie nach der etwa 90 minütigen Hinfahrt anfühlt. Intuitiv greife ich kurz ans Sportlenkrad – sehr kompakt – und mache mich daran Innen- und Außenspiegel einzustellen. Sie sind groß, viel übersichtlicher, als es von außen den Eindruck macht. Aber das müssen sie auch sein, da dem sportlichen Heckdesign ein allzufreier Blick nach hinten geopfert worden ist.

Das Interieur macht einen wertigen Eindruck. Die Armaturen sind in Lederoptik gehalten. Mich stören ein wenig die schnittigen silbernen Rahmungen, die zwar sportlich wirken aber einfach nicht mein Ding sind. Wohl geordnet, so kann man die Cockpit-Gestaltung beschreiben, ich finde mich problemlos zurecht. Die Regler für Car-Hifi, Belüftung und Temperaturregulation liegen in Reichweite und sind übersichtlich platziert. Neben dem Zigarettenanzünder entdecke ich einen USB-Port. Dummerweise habe aber meinen mp3-Player nicht dabei, den wir sonst via Bluetooth ans Radio anschliessen könnten, belehrt mich mein Beifahrer, als er aus dem Benutzerhandbuch aufblickt. Toll!

Am, im, um das Lenkrad herum starren mich zahllose Knöpfe an, die für philanthropische Funktionen wie Blinken, praktische wie eine variable Lichteinstellung, unnütze wie den Bordcomputer oder gar feige bis knausrige wie für die integrierte Freisprecheinrichtung gedacht sind. Gut zu wissen, aber jetzt wird erstmal gestartet.
Im Kizashi übernimmt das nicht der Zündschlüssel, sondern ein Engine-Button. Der Motor brummt auf. Wir lassen die Scheiben herunter gleiten, um ganz genau hin zu hören. Ein leichtes Brummseln und Grollen lässt sich vernehmen was sich verheißungsvoll steigert, wenn man den Motor mit dem Gaspedal anspricht, aber wir belassen es vorerst beim Brummeln, unter dem wir sanft vom Hof rollen. Vorerst.
Das erste, was uns auf dem Weg aus der Stadt begegnet, ist eine lang gezogene Baustelle – einladend ideal für eine Art Elchtest, zu dem wir als Testfahrer schließlich selbstredend verpflichtet sind. Gekonnt aber bewusst etwas abrupter umkurven wir mit etwa 50km/h mühelos die abwechselnd an den Straßenseiten aufgestellten Absperrungen und hoffen, dass der Händler jetzt nicht noch aus dem Fenster hinter uns her sieht. Die Servolenkung ist wunderbar leichtgängig und präzise, und auch das Fahrwerk hinterlässt schon einen sehr guten Eindruck. Kaum merkliches Schwimmen oder Schaukeln – der Wagen liegt fest aber nicht brettartig auf der Straße. Wir beenden den Parkour, holen einen dritten Mitarbeiter ab und begeben uns auf die Autobahn, dahin also, wo sich der bequeme PS-Bolide am wohlsten fühlen sollte.

Die Autobahnauffahrt macht schon mal richtig Spaß. Etwa bis 120km/h bringt der 16V-Motor des Suzuki ein wirklich anregendes Drehmoment auf die Straße. Wir fahren zunächst gemächlich weiter und gemächlich fährt sich der Wagen sehr angenehm, unmerkliche Fahrgeräusche, der Wagen gleitet über die Bahn – Zeit die 16 Ventile etwas zu öffnen. Der Motor brüllt wunderbar sportlich, als ich den Kizashi, wie man so schön sagt, trete und bringt uns locker auf 180km/h. Das Drehmoment presst uns drei zwar nicht porschelike in die Sitze, ist aber deutlich spürbar. Für eine Limousine ist es allerdings sehr ordentlich, sind wir drei uns einig, und  selbst bei 190 Km/h ist es noch nicht verschwunden.
Auch jetzt macht der Wagen keinerlei Anstalten seine souveräne Straßenlage aufzugeben, er liegt wunderbar fest und stabil auf der Bahn und vermittelt mir ein Gefühl der Sicherheit.

Als wir auf die Ausfahrt zusteuern, teste ich vorsichtig die Bremsen ein wenig mehr als nötig,  ABS, ESP und der Bremsassistent arbeiten vorzügliche zusammen, der Wagen bleibt sicher in der Spur, ich bin zufrieden, nur meine Mitfahrer kucken noch ein wenig entgeistert. Vermutlich danken sie den Wagenerbauern gerade für die vielen Airbags, die aus allen möglichen Richtungen uns Insassen schützen. Und den Seitenaufprallschutz. Und die Dreipunktsicherheitsgurte. Püh – ich schaue wieder auf die Straße.

In Paderborn holen wir einen weiteren Mitarbeiter am Bahnhof ab, was uns in einer engen Gasse dort zu einem komplizierten Wendemanöver zwingt. Hier offenbart sich eine kleine Schwäche des Kizashi. Das stylisch-hohe Heck verhindert eine wirklich gute Sicht nach hinten, sodass wir tatsächlich mit dem Kopf aus dem Fenster navigieren müssen. Aber auch nur, weil uns die piepende elektronische Einparkhilfe nicht behagt. Wer ohne Wendemanöver auskommt oder das Piepen erstmal versteht, den sollte das allerdings nicht stören, für den Stadt- und Autobahnverkehr reicht die Sicht völlig aus. Hatte ich erwähnt, dass die hinteren und die Heckscheiben serienmässig getönt sind? Nein? Sie sind.

Weiter geht die Reise ins bergige Hinterland zur Wewelsburg. Im smoothen Gleiten überland hat der Wagen seine Stärke, wir öffnen Fenster, natürlich elektronisch, und Sonnendach, dummerweise per Hand, und genießen Fahrt und Fahrtwind im brusselnd vorwärts strebenden Kizashi. Im Ort geht es steil bergauf, aber das merkt man selbst mit vier ausgewachsenen Personen eigentlich nicht und in den Ortschaften ertappe ich mich beständig dabei, zu schnell zu sein – hm, muss am Auto liegen.

Die beiden Mitarbeiter im Fond (1,83m und 1,64m) bestätigen auf Anfrage, dass ihre Beine ausreichend Platz haben und sie bequem sitzen. Apropos sitzen, es ist zwar warm, aber dank der gelochten Sportledersitze klebt man nicht am Sitz – nur an seiner Hose. Da hilft auch nicht die regulierbare Klimaanlage. Irgendwie bin ich versucht, meinem Nachbarn die Sitzheizung einzuschalten, komme aber zu meinem Neck nicht mehr, weil wir bereits am  Ziel der Fahrt angekommen sind.

Zeit ein Wort über den Spritverbrauch zu verlieren, denn der ist nicht gering.  Der Spritverbrauch ist mit etwa 11 Litern außerorts und 6 Litern innerorts angegeben. Die Angabe können wir in etwa bestätigen. Wir haben auf unserer knapp 90Km langen Fahrt über Stadt, Land und Autobahn vollbesetzt etwa 11 Liter Super Bleifrei verfahren. Das entspricht hochgerechnet einem Verbrauch von 12 Litern auf 100 Kilometern und ist im Rahmen. Der CO²-Ausstoß liegt dabei nach Hersteller Angaben bei 183g/km was vergleichsweise hoch ist.

Fazit: Wer auf ein sportliches aber gleichzeitig elegantes Fahrzeug wert legt, ist beim Suzuki Kizashi gut aufgehoben. Der Motor ist durchzugsstark und verspielt genug, um das Kind im Manne zu beglücken, aber dennoch stark und ruhig wie Pappa (sein sollte). Für lange Fahrten prädestiniert ihn sein recht hoher Fahrkomfort. Wir haben an diesem Tag auch nach insgesamt fast 4 Stunden Hin- und Rückfahrt kein Unbehagen in den Knochen. Die Rundumsicht ist gut, das hohe Heck beschränkt allerdings ein wenig die Sicht nach hinten. Gehobenen Anspruch genügt auch die Innenausstattung, die sowohl qualitativ wie auch strukturell überzeugt, einzig ein elektrisch steuerbares Sonnendach hätten wir uns gewünscht. Weil er relativ geräumig ist, und eine spezielle Kindersitzsicherung eingebaut ist, kann der Kizashi auch jungen Familien empfohlen werden. Negativ ist der hohe CO²-Ausstoß aufgefallen, der Spritverbrauch ist gemessen an der Leistung dagegen ok. Auch der Preis gefällt. Für 27.000 Euro bekommt man ein Fahrzeug, das bereits serienmässig mit allem ausgestattet ist, was man erwarten kann.