Ein Montag für die Frankreich-Leidenschaft

„Fronkreich, Fronkreich“ – in Text, Bild und Musik: Teilnehmerinnen des Kurses „un lundi par moi“ (ein Montag für mich) mit Kursleiterin Hélène Boisseau (r.). v.l. Beate-Gabriele Zahle, Gerlinde Wehmeier, Britta Eberhard und Wiltrud Heitmann. Foto: Stadt Gütersloh

„Fronkreich, Fronkreich“ – in Text, Bild und Musik: Teilnehmerinnen des Kurses „un lundi par moi“ (ein Montag für mich) mit Kursleiterin Hélène Boisseau (r.). v.l. Beate-Gabriele Zahle, Gerlinde Wehmeier, Britta Eberhard und Wiltrud Heitmann. Foto: Stadt Gütersloh

Gütersloh (gpr). „Un lundi par moi“ – ein Montag für mich. Genauer gesagt: ein Montagabend, einmal im Monat von halb sieben bis acht Uhr abends. So viel Zeit muss sein für die Pflege einer Leidenschaft, die gern mit dem Fachbegriff „Frankophilie“ beschrieben wird. „Vive la France“ ist der Leitspruch der kleinen Gemeinschaft, die teilweise bereits seit über zehn Jahren „Conversation“ auf Französisch im Haus der Volkshochschule an der Hohenzollernstraße pflegt. Aber im Grunde ist es mehr, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer – neben der spürbaren Verbesserung der Sprachkenntnisse – in der sehr entspannten Runde zusammenhält: die Liebe zu Land und Leuten, das Interesse am europäischen Nachbarland, das immer auch ein wenig Sehnsuchtsort geblieben ist. 

 „Savoir vivre“, „Laissez-faire“ – nicht umsonst haben sich französische Bezeichnungen wie diese fest in unseren Sprachgebrauch eingenistet. Weiß man jenseits des Rheins tatsächlich besser „zu leben“? Auch das ist Gegenstand der unterhaltsamen Abende, die im Wechsel von Hélène und Georges Boisseau geleitet werden. Die Geschwister, in Paris geboren, kennen beide Mentalitäten, Georges lebt seit mehreren Jahrzehnten in Gütersloh, Hélène seit fünf Jahren. Sie entspricht ganz dem Bild, das uns Deutschen gemeinhin von einer Französin vorschwebt: „très charmant“, temperamentvoll, mit dieser feinen Aussprache, die eher an ein Chanson als an die Vermittlung von sprachlichem Lernstoff erinnert. Ihre typischen Gesten untermalen ihre Worte und fordern förmlich zur Nachahmung auf. Der Effekt ist sichtbar: Sprache, Mimik und Gestik vereinen sich auch bei den Teilnehmern zu einer sympathischen Einheit – absolut unwestfälisch, möchte man feststellen und erliegt mal wieder einem Klischee

So entwickelt sich in kürzester Zeit ein lebhafter Dialog zu einem aktuellen Thema, das jeweils im Mittelpunkt eines Abends steht – beispielsweise über die Essgewohnheiten im Ländervergleich. Und auch hier gilt es, Klischees zu hinterfragen: Lebt der Franzose tatsächlich fürs Essen oder isst er einfach nur für sein Leben gern? Ist der Deutsche ein Schnellesser, oder ist nicht vielleicht er der unterschätzte Genießer? Anhand eines – durchaus anspruchsvollen – Textes aus einem französischen Magazin gibt Hélène Boisseau den nötigen Input, nicht ohne ein paar persönliche Eindrücke zu vermitteln: zum Beispiel, dass sie – die gebürtige Pariserin – die Metropole Paris für eine kleine Servicewüste hält. Erfahrungen bringen auch die Teilnehmerinnen (an diesem Abend sind es vier) in die Runde mit ein: Restaurant-Scheck für die Mittagspause, der lange, reich gedeckte Tisch, an dem man diskutierend den Abend verbringt, die Hochzeitsfeier, bei der Tanz, Ansprache, Gesang und andere Programmelemente in ein Menü integriert werden, dessen Anzahl der Gänge am Ende niemand mehr zählen kann. „Fronkreich, Fronkreich“ – wie im Film und alles ohne Untertitel!

Denn es gibt e i n e feste Regel in dieser munteren Gesprächsrunde: alles „en français“ – keine deutsche Hilfskonstruktion verirrt sich in den Dialog. Das fordert die grauen Zellen und die Konzentration. Aber quasi „en passant“ ergeben sich Lernerfolge, wo das Schulwissen Defizite zu Tage fördert. So erfährt man beispielsweise, dass der Besuch in einem Sternerestaurant gegebenenfalls mit dem Seufzer „Ça coûte un bras“ – das kostet einen Arm – zu quittieren wäre. Will sagen: „schweineteuer.“  Das steht natürlich in keinem Wörterbuch.

Die Teilnehmerinnen nehmen den Ball gern auf und steuern weitere deutsche und französische Sprach-Eigenheiten im Vergleich bei. Einige von ihnen pflegen langjährige Freundschaften im Nachbarland, andere verbringen so gut wie jeden Urlaub in einer französischen Region, wieder andere haben Kontakte zu Güterslohs Partnerstadt Châteauroux. Daraus wiederum ist ein Reiseprojekt entstanden, das Wolfgang Hellmeier, ebenfalls langjähriger Teilnehmer der Montagsrunde, zusammen mit der VHS für das kommende Jahr plant: „Châteauroux pour tous“ sozusagen – Châteauroux für alle, mit vier Themenabenden zur Stadt in Westfrankreich, die nicht nur gemütliche Restaurants, exquisiten Ziegenkäse und namhafte Schlösser in der Region zu bieten hat. „Savoir vivre“ heisst auch hier die Devise – und Gastfreundschaft gehört dazu.

Der „Montag“ geht nun in die Sommerpause. Die Gruppe freut sich immer über neue Mitglieder, Voraussetzung: flüssiges Schulfranzösisch und Freude an der Sprache. Nächster Termin: Montag, 7. Oktober. Weitere Informationen dazu und zur Châteauroux-Reise bei der VHS unter www.vhs-gt.de oder bei Henrike Dulisch 82 29 20.