„Der Erfolg in Halle fehlt mir noch“ – Nadal im Gespräch

Rom/HalleWestfalen. Er hat eins der beeindruckendsten Comebacks der jüngeren Tennisgeschichte geschafft. Und genau mit der Entschlossenheit, mit der er wieder seinen Platz in der absoluten Weltspitze behauptet und schon fünf Titel in dieser Saison gewonnen hat, will Rafael Nadal nun auch die Mission Titelgewinn in HalleWestfalen angehen. „Ich will meine gute Form auch in Halle bestätigen und freue mich sehr auf ein Wiedersehen mit den Fans“, sagte Nadal bei einem Pressegespräch am Rande des ATP Masters in Rom. Der elfmalige Grand Slam-Champion sprach gegenüber Journalisten von „tollen Erinnerungen“ an Deutschlands bestbesuchtes Tennisturnier.

„Ich werde alles daran setzen, das Turnier zum ersten Mal in meiner Karriere zu gewinnen“, sagte der 26-jährige Spanier dem Pressedienst der GERRY WEBER OPEN in der italienischen Metropole. Nadal, der im vergangenen Jahr im Viertelfinale an Philipp Kohlschreiber gescheitert war, sieht bei der 21. Turnierauflage wesentlich bessere Siegaussichten für sich: „2012 war ich durch meine Knieverletzung schon belastet. Da konnte ich nicht mein ganzes Potenzial ausspielen“, so Nadal, „ich denke, dass ich jetzt in einer viel besseren körperlichen und spielerischen Verfassung sein werde.“

Lebhaft erinnerte sich Nadal noch an seine Auftritte im letzten Jahr im GERRY WEBER STADION, an den Jubel und die Begeisterung der Fans, an spannende Matches und an eine „Stimmung, die einfach jeden mitreißen muss“. „Ich komme immer wieder gern an Plätze zurück, wo ich weiß: Da verstehen die Fans eine Menge von meinem Sport“, erklärte Nadal, „denn die Atmosphäre in dieser Arena ist einfach fantastisch. Was da in den vergangenen zwei Jahrzehnten von den Familien Weber, die ich auch ab und zu in meiner mallorquinischen Heimat treffe, entstanden ist, das ist wirklich großartig fürs Tennis.“ So zuversichtlich Nadal auch die Herausforderung in HalleWestfalen angehen will, so sicher erwartet der unerbittliche Fighter allerdings auch eine „extrem harte Auseinandersetzung“ um den Turniersieg. Und zwar ganz einfach deshalb, „weil das Teilnehmerfeld voll ist mit Topspielern“: „Man darf sicher nicht den Fehler machen, nur auf Federer und mich zu blicken. Da sind bestimmt fünf, sechs Spieler im Turnier, die im engeren Favoritenkreis sind. Dies gilt besonders für Tommy Haas.“

Den Titelverteidiger Haas bezeichnet Rafael Nadal als „eine Inspiration für alle Spieler auf der Tour“, aber auch ganz besonders für ihn selbst: „Ich bewundere, wie Tommy sich nach all diesen Verletzungen immer wieder zurückgekämpft hat. Das ist wirklich vorbildlich, das ist eine ganz großartige Leistung.“ Haas könne sicher noch „weitere gute Jahre“ im Tenniscircuit haben, so Nadal: „Er ist als Tennisspieler jünger als es sein eigentliches Alter ausdrückt. Durch die vielen Zwangspausen hat er körperlich noch viel Substanz übrig.“ Nadal hob auch hervor, dass das deutsche Herrentennis „bestimmt nicht in einer Krise“ sei: „Mit Philipp Kohlschreiber gibt es einen Spieler, der starke Leistungen bringt und auch bei den Gerry Weber Open zu den Siegkandidaten zählt.“ Man dürfe nicht den Fehler machen, Spieler wie Kohlschreiber oder auch Florian Mayer oder Philipp Petzschner ständig an „Boris Becker oder Michael Stich zu messen“: „Das bringt keinem etwas.“

Bei dem Mediengespräch in Rom sagte Nadal auch, dass er in dieser Saison nicht permanent auf die Weltrangliste, auf die Veränderungen „um einen Platz nach oben oder nach unten“: „Mein oberstes Ziel ist, gesund und wettbewerbsfähig zu bleiben. Das ist die allererste Priorität. Alles weitere kommt dann wie von selbst.“ Sein Comeback im Februar nach einer siebenmonatigen Verletzungspause bezeichnete der spanische Superstar „als einzigen Traum“: „Ich kann selbst kaum fassen, wie gut mir diese Rückkehr geglückt ist.“ Nadal hat seit dem ersten Start bei kleineren, südamerikanischen Turnieren im Februar fünf Turnierpokale gewonnen, darunter auch die beiden 1000er-Tour Wettbewerbe im amerikanischen Indian Wells (Hartplatz) sowie auf Sand in Spaniens Metropole Madrid beim Tiriac-Event. In Rom steht Nadal derzeit im Halbfinale und trifft am heutigen Samstag auf den Tschechen Tomas Berdych.

Die Zwangspause nach Wimbledon 2012 bis hinein in die aktuelle Saison nannte Rafael Nadal „eine harte Prüfung“: „Ich habe Tag für Tag meine Rückkehr herbeigesehnt. Ich bin auch nicht der geduldigste Mensch der Welt.“ Es sei aber richtig und konsequent gewesen, den ersten Turnierauftritt nach der Verletzung auch noch einmal Anfang 2013 verschoben zu haben. „Ich war gesundheitlich noch nicht soweit, um die Australian Open zu spielen. Im Februar hatte ich zwar noch nicht das selbstbewusste Gefühl, gleich jeden Topspieler schlagen zu können. Aber dann habe ich das Comeback doch gewagt – und habe mich selbst überrascht.“

Für die kommenden French Open glaubt der Roland Garros-Rekordchampion, der seit seinem ersten Erfolg 2005 nur ein einziges Spiel in Paris verloren hat, an einen Titelkampf mit bestimmt sieben bis zehn Sieganwärtern: „Ich gehe selbst niemals in ein Turnier und sage: Ich bin hier der Topfavorit und gewinne das. Dafür habe ich grundsätzlich viel zu viel Respekt vor meinen Kollegen.“ Doch bei der Verabschiedung der Medienvertreter im römischen 5-Sterne Hotel >Parco dei principi< machte Nadal eines deutlich: „Der Erfolg auf Rasen in Halle fehlt mir noch. Und den will ich mir holen. Am besten schon in diesem Jahr.“

Bild: GERRY WEBER OPEN