„Dalheimer Sommer“ im Zeichen Luthers

Konzerte und Kammerspiel im Kloster/Premiere für neugegründetes Festspielensemble

Lichtenau-Dalheim (lwl). 500 Jahre nach dem legendären Thesenanschlag Martin Luthers widmet sich das westfälische Kulturfestival „Dalheimer Sommer“ den weitreichenden Auswirkungen der Reformation auf Musik und Dichtung in Europa.

Dalheimer-SommerUnter dem Motto „Ein göttliches Geschenk. Klang und Wort seit Luther“ laden insgesamt elf Veranstaltungen vom 28. Juli bis 20. August zu hochkarätigem Kulturgenuss in das ehemalige Kloster Dalheim (Kreis Paderborn), heute LWL-Landesmuseum für Klosterkultur, ein. Sie begleiten die aktuelle Sonderausstellung „Luther. 1917 bis heute“.

Auf dem Festival-Programm stehen hochkarätige Konzerte, ein „durchtriebenes Kammerspiel“ und eine Lesung mit Musik im Spannungsfeld von Reformation und Gegenreformation. Höhepunkt ist die Premiere des neu gegründeten Festspielensembles „Capella Dalheimensis“, das zum 450. Geburtstag Monteverdis dessen Oper „L`Orfeo“ in konzertanter Fassung aufführt. Das Picknickkonzert in den Klostergärten – 2017 erstmals gestaltet von einem Jazz-Ensemble – lädt auch im Lutherjahr zu einer gemütlichen Landpartie nach Dalheim ein.

Die 21. Festival-Spielzeit steht unter der Intendanz des bundesweit renommierten Musikers Arno Paduch. Veranstalter sind die Stiftung Kloster Dalheim und der Verein der Freunde des Klosters Dalheim e.V.

Der Kartenvorverkauf für den „Dalheimer Sommer“ läuft ab sofort.

Volle Bandbreite der Reformation
„Die Reformation hatte nicht nur weitreichende Auswirkungen auf die Welt des Glaubens, sondern auch auf die Welt der Dichtung und der Musik“ erläutert Museumsdirektor Dr. Ingo Grabowsky. „Es lag also nahe, im aktuellen Luther-Jahr auch mit dem ‚Dalheimer Sommer‘ an das 500. Reformationsgedenken anzuknüpfen.“

Neben der großen Sonderausstellung „Luther. 1917 bis heute“, der Schau im Grünen „Luthers Garten“ (ab 10.6.), der Studio-Ausstellung „Martin war hier! Luthers Leben in Playmobil“ (ab 29.7.) sowie einer Vortragsreihe präsentiert das LWL-Landesmuseum mit dem „Dalheimer Sommer“ einen weiteren Höhepunkt zum 500. Reformationsgedenken: „Das Wechselspiel zwischen Ausstellungen, Wissenschaft und Kulturerlebnis vervollständigt das vielseitige Angebot unseres Hauses in diesem so bedeutenden Jahr“, freut sich Dr. Ingo Grabowsky.

Er erinnert auch an die besondere Beziehung des Reformators zur Musik, der diese als „göttliches Geschenk“ bezeichnete: Nichts auf Erden sei „kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“

Dalheimer-Sommer-IntendantMusik, Dichtung und Schauspiel zum Luther-Jahr
„Klang und Wort seit Luther“ setzt vor allem die Auswirkungen der Reformation auf Sprache und Musikgeschichte nach Martin Luther in Szene. „Dabei spielen Ereignisse wie der Dreißigjährige Krieg, das erneuerte Bewusstsein für den christlichen Glauben, aber auch die Gegenreformation und die Epoche des Barocks eine tragende Rolle“ resümiert Arno Paduch. Der Intendant des „Dalheimer Sommers“ freut sich gemeinsam mit Dr. Grabowsky und Hans-Dieter Seidensticker, dem Vorsitzenden des Vereins der Freunde des Klosters Dalheim e.V., auf „vier Wochen erstklassiger Musik, Dichtung und Schauspiel aus einer Zeit voller Umbrüche und Gegensätze“.

Premiere für das Dalheimer Festspielensemble
Erstmalig tritt 2017 die „Capella Dalheimensis“ an namensgebender Stätte auf. Das neugegründete Festspielensemble des „Dalheimer Sommers“ widmet ein ganzes Wochenende „il divino“, „dem göttlichen“ Claudio Monteverdi, für den 2017 ebenfalls ein Jubiläumsjahr ist (450. Geburtstag). Für ihre Premiere haben die 25 Musiker -Musik-Profis aus ganz Deutschland sowie Studenten und junge Absolventen der Hochschulen Detmold, Kassel, Leipzig und Bydgoszcz/Polen – unter der Leitung von Arno Paduch Monteverdis „L`Orfeo“ in konzertanter Fassung einstudiert. An zwei Terminen in der Musikscheune Neuer Schafstall (11. und 12. August) nimmt die erste Oper der Musikgeschichte die Zuschauer mit in das antike Griechenland und erzählt die Sage um den Sänger Orpheus, der seine geliebte Eurydike kraft der Kunst seines Gesanges vom Tod zurückholt. Gekrönt wird das Monteverdi-Wochenende von dessen „Vespro della beata vergine“ (13. August): „Ein Glanzstück alter Musik, das hier in Dalheim zur traditionellen Marienvesper gespielt wird“, berichtet Paduch.

Dalheimer-Sommer-BarockKonzertreihe
In der Tradition der vergangenen Jahre präsentiert die Konzertreihe eine Folge erstklassiger Ensembles: Den Auftakt macht das „Cölner Barockorchester“ rund um zehn junge Musiker der Kölner Hochschule für Musik und Tanz. Es folgen ein Klavierabend mit Gerhard Vielhaber sowie Gastspiele des „Streichtrio des Netherlands Symphony Orchestra“ und des „Teatro del mondo“ unter der Leitung von Andreas Küppers.

Das Spannungsfeld zwischen Reformation und Gegenreformation spiegelt sich dabei in der dargebotenen musikalischen Bandbreite wider: Sie reicht von Vokal- zur Instrumentalmusik, von Werken für kleine Besetzungen bis hin zum Kammerorchester, präsentiert geleichermaßen charakteristische Werken katholischer und protestantischer Komponisten wie Johann Sebastian Bach, Antonio Vivaldi, Georg Friedrich Händel, Georg Philipp Telemann oder Heinrich Schütz.

Den Bogen zur Dichtung schlägt Dr. Wolfgang Kühnhold. Gemeinsam mit dem Schauspieler Stefan Cordes und dem international renommierten Cellisten Dmitry Sokolov gestaltet der Gründungsintendant des Dalheimer Kulturfestivals die diesjährige Lesung mit Musik. Unter dem Titel „Luther und die Folgen“ nimmt das Trio die Zuschauer mit in die turbulente Zeit von der Reformation bis zum Dreißigjährigen Krieg.

Dalheimer-Sommer-ShakespeareDurchtriebenes Kammerspiel nach Shakespeare
Mit der Aufführung von Shakespeares Sommernachtstraum durch das Holzhausen-Quartett erwartet die Festivalbesucher nach der umjubelten Händel-Oper „Der Liebeswahn“ im vergangenen „Dalheimer Sommer“ erneut die außergewöhnliche Interpretation eines Klassikers: Sabine Fischmann und Till Krabbe erzählen die berühmte Geschichte vom Elfenkönigspaar Oberon und Titania, von Puck und der Zauberblume und den verrückten Liebespaaren aus William Shakespeares „Sommernachtstraum“ in pointierter Gegenwartssprache und verbinden diese mit den Shakespeares Versen. Sie spielen und singen alle 26 Rollen, für die Markus Neumeyer Songs, Ensembles und Intermezzi komponiert hat. Seine Musik wird kontrastiert durch Lieder der Shakespeare-Zeit, gesungen von dem Bariton Berthold Possemeyer. Paduch: „Das Ergebnis ist ein ‚durchtriebenes Kammerspiel‘ voller Tempo, Witz und Poesie.“ Museumsdirektor Grabowsky: „Das Festival bleibt damit seinem 2016 begründetem Anspruch treu, in Sachen Theater unkonventionelle Wege zu beschreiten. Dieser völlig neue Zugang zu einem solchen Klassiker der Weltliteratur wird uns sicher wieder viel Freude bereiten.“

Picknickkonzert mit Jazz
Das Picknickkonzert im Konventgarten – 2017 erstmals gestaltet von einem Jazz-Ensemble – lädt auch im Lutherjahr zu einer gemütlichen Landpartie nach Dalheim ein. Besucher kommen mit Picknickdecken und -körben, mit Gartentischen und Klappstühlen und genießen mit der Bläsermusik der Kölner „Talking Horns“ einen Dalheimer-Sommer-Jazzunbeschwerten Nachmittag unter freiem Himmel. Kurzentschlossene werden im Klosterwirtshaus am Ort mit dem kulinarischen Angebot von Familie Brand verwöhnt. Bei schlechtem Wetter zieht das Konzert in die Musikscheune „Neuer Schafstall“ um. Kinder und Jugendliche erhalten auch in diesem Jahr ermäßigten Eintritt (5 Euro, regulärer Preis: 20 Euro, ermäßigt 17 Euro) – ein Angebot auch für Familien.

Wichtiger kultureller Faktor in Westfalen
Seit 21 Jahren ist das Kulturfestival fester Bestandteil der jüngeren Geschichte des Klosters Dalheim. „In dieser Zeit setzten Schauspiel, Konzerte, Lesungen und Gesang immer wieder kulturelle Akzente in der Region Ostwestfalen“, konstatiert Hans-Dieter Seidensticker für den Verein der Freunde des Klosters Dalheim, der das Festival seinerzeit ins Leben rief: „Das authentische Erleben von Dichtung, Musik und Schauspiel an historischer Stätte ist ein Garant für kulturellen Hochgenuss“, sagte Seidensticker.

Förderer und Sponsoren
Gemeinsam mit Hans-Dieter Seidensticker bedankte sich Dr. Ingo Grabowsky insbesondere bei den Sponsoren des „Dalheimer Sommers“: „Ohne ihr Engagement wäre ein Festival dieser Qualität und Größenordnung in Dalheim nicht möglich.“ Unterstützt werden die Festivalmacher von den Volksbanken im Kreis Paderborn, der Kirchenmusikstiftung Ziegler, dem Kreis Paderborn, der Stadt Lichtenau, dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe und Veranstaltungstechnik event:ware.

Karten und Vorverkauf
Konzert- und Theaterkarten für den „Dalheimer Sommer“ kosten je nach Kategorie 25, 20 oder 15 Euro (ermäßigt: 22, 17,12 Euro). Sonderpreise gelten für die Karten der Marienvesper (13.8.), des Eröffnungskonzerts (28.7) und des Abschlusskonzerts (20.8). Sie kosten je nach Kategorie 30, 25 oder 20 Euro (ermäßigt: 27, 22, 17 Euro). Die Karten für das Picknickkonzert (5.8.) kosten 20 Euro (ermäßigt: 17 Euro).

Familienfreundlich: Sonderpreise für Kinder- und Jugendliche
Für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre gilt eine Ermäßigung von 50 Prozent für alle Veranstaltungen und alle Plätze. Ausnahme ist das Picknickkonzert: Hier zahlen Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre nur 5 Euro.

Vorteil für Festival-Besucher
Mit ihrer „Dalheimer Sommer“-Eintrittskarte erhalten Festivalbesucher am Veranstaltungstag freien Eintritt in das Museum und die Klostergärten. „So haben unsere Gäste die Möglichkeit, den Kulturabend im Kloster Dalheim mit einem Besuch der drei parallel laufenden Luther-Ausstellungen im Museum zu verknüpfen“, lädt Grabowsky zu einem Tagesausflug ins Kloster Dalheim ein.

Der Kartenvorverkauf läuft ab sofort unter www.dalheimer-sommer.de oder telefonisch unter 05292 . 9319-224 (Mo-Fr von 9 bis 17 Uhr, an Veranstaltungstagen von 10 bis 18 Uhr).

Spielplan

28. Juli, Fr 19 Uhr
Eröffnungskonzert in der Klosterkirche
Cölner Barockorchester – Der reformatorische Traum

30. Juli, So 16 Uhr
Lesung mit Musik im Neuen Schafstall
Wolfgang Kühnhold und Ensemble – Luther und die Folgen

4. August, Fr 19 Uhr
Klavierabend im Neuen Schafstall
Gerhard Vielhaber – Seelenverwandtschaft

5. August, Sa 16 Uhr
Picknickkonzert im Konventgarten (Schlechtwetter: Neuer Schafstall)
Talking Horns

6. August, So 16 Uhr
Konzert im Neuen Schafstall
Streichtrio des Netherlands Symphony Orchestra – Kammermusik um Luther und Bach

11. August, Fr 19 UhrDalheimer Sommer Piano
Premiere des Festspielensembles
des Dalheimer Sommers im Neuen Schafstall
Capella Dalheimensis – Claudio Monteverdi: L`Orfeo
Oper in konzertanter Fassung

12. August, Sa 16 Uhr
Festspielensemble im Neuen Schafstall
Capella Dalheimensis – Claudio Monteverdi: L`Orfeo
Oper in konzertanter Fassung

13. August, So 19 Uhr
Marienvesper in der Klosterkirche
Capella Dalheimensis – Claudio Monteverdi: Marienvesper (1610)

18. August, Fr 19 Uhr
Durchtriebenes Kammerspiel im Neuen Schafstall
Holzhausen-Quartett – Ein Sommernachtstraum
Nach William Shakespeare

19. August, Sa 16 Uhr
Durchtriebenes Kammerspiel im Neuen Schafstall
Holzhausen-Quartett – Ein Sommernachtstraum
nach William Shakespeare

20. August, So 19 Uhr
Abschlusskonzert in der Klosterkirche
Teatro del mondo – Himmelwärts: Motetten und Choräle

Hintergrund: Das Reformationsjahr im Kloster Dalheim
Neben der großen Sonderausstellungen „Luther. 1917 bis heute“, die sich der Rezeption des Reformators in der jüngeren Geschichte widmet, begleiten gleich mehrere Veranstaltungen des LWL-Landesmuseums das 500. Reformationsgedenken in diesem Jahr:
Ab dem 10. Juni lädt „Luthers Garten“ auf eine Entdeckungstour im Grünen ein. An ausgewählten Stationen in den Dalheimer Klostergärten erinnern Texttafeln an den Privatmann Luther, der mit seiner Frau Käthe den Garten des ehemaligen Wittenberger Klosters zu einem großen Nutzgarten umgestaltete.

Die Studio-Ausstellung „Martin war hier! Luthers Leben in Playmobil“ lädt dazu ein, die maßgeblichen Stationen aus dem Leben des Reformators in einem neuen Format zu entdecken. Ob das Gewitter bei Stotternheim, der Reichstag zu Worms oder der legendäre Thesenanschlag – vom 29.Juli bis 10. September geben insgesamt sieben Schauplätze Einblicke in die große kleine Welt von Martin Luther als 7,5 Zentimeter große Playmobil©-Spielfigur.

Begleitet wird das Reformationsjubiläum von einer Reihe wissenschaftlicher Vorträge die sich unterschiedlichen Aspekten Luthers widmen. Am 18. Juni referiert Prof. Dr. Harald Schroeter-Wittke in seinem Vortrag „Luther und die Kirchenmusik“ anhand von Luthers Liedern über die Grundfragen der Reformation. Die Geschichte der Reformation und der katholischen Gegenreformation vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart sind am 17. September Thema von Dr. Volker Jakob. Unter dem Titel „Luther, die Reformation und Westfalen: Eine Bilanz“ arbeitet der westfälische Historiker die religiösen und mentalen Unterschiede beider Konfessionen heraus.

Bild 1: Ein Sommer voller Kultur: Auf Musik und Dichtung im Zeichen Luthers freuen sich (v.l.) der Vorsitzende des Vereins der Freunde des Klosters Daheim e.V. Hans-Dieter Seidensticker, der Intendant des „Dalheimer Sommers“ Arno Paduch und Museumsdirektor Dr. Ingo Grabowsky © LWL/Alexandra Buterus

Bild 2: Intendant: Arno Paduch leitet auch das Festspielensemble © privat

Bild 3: Cölner Barockorchester: Gemäß dem Festivalmotto „Klang und Wort seit Luther“ präsentieren die zehn jungen Musiker „Barockmusik zwischen Einheit und Zwietracht“ © Ensemble

Bild 4: Tempo, Witz und Poesie: Das Holzhausen-Quartett präsentiert seine Interpretation von William Shakespeares „Sommernachtstraum“ als durchtriebenes Kammerspiel © Ensemble

Bild 5: Jazz im Garten: Die Talking Horns aus Köln gestalten erstmals ein Dalheimer Picknick-Konzert mit Jazz © Michael Wiegmann

Bild 6: Preisgekrönter Pianist: Zum wiederholten Mal gastiert Gerhard Vielhaber beim Dalheimer Sommer 2017 mit einem Programm auf den Spuren Johann Sebastian Bachs © Vielhaber