Borchener DKMS-Registrierungsaktion zeigt Wirkung

dkms-malteser-Hövelhof/Borchen. 582 Menschen hatten sich am 28. Mai 2014 in der Borchener Gemeindehalle als potenzielle Stammzellspender registrieren lassen. Organisiert wurde die Aktion von dem Malteser Hilfsdienst, weil ein Kollege an Blutkrebs erkrankt war. Nun ist eine erste Stammzellspenderin aus der Aktion hervorgegangen: Die 19jährige Laura Coners aus Paderborn ermöglichte einer Frau mit Blutkrebs die lebensnotwendige Transplantation. Auch für den erkrankten Rettungsassistenten Uli konnte ein ‘genetischer Zwilling‘ gefunden werden. Der 47-jährige Familienvater aus Hövelhof ist gesundheitlich auf dem Weg der Besserung.

Im Mai dieses Jahres organisierte der Malteser Hilfsdienst Borchen gemeinsam mit der DKMS Deutsche Knochenmarkspenderdatei gemeinnützige Gesellschaft eine Registrierungsaktion, weil ein Kollege an Blutkrebs erkrankt war. Landrat Manfred Müller übernahm erneut die Schirmherrschaft. Noch vor dem eigentlichen Aktionstag kam die die erlösende Nachricht: Es wurde ein ‚‘genetischer Zwilling‘ für den 47-jährigen Rettungsassistenten gefunden. „Zu diesem Zeitpunkt liefen die Vorbereitungen bereits auf Hochtouren. Wir waren alle sehr froh und erleichtert, dass ein Spender für Uli gefunden wurde“, erinnert sich Holger Freitag, Geschäftsführer des Malteser Hilfsdienst e.V. der Ortsgliederung Borchen. „Weil wir aber auch wissen, dass viele Patienten weltweit ebenfalls auf einen Lebensretter angewiesen sind, wollten wir die Aktion auf jeden Fall durchzuführen.“ Die Öffentlichkeit wurde darüber informiert und die Resonanz übertraf die Erwartungen: Insgesamt 582 Menschen ließen sich am 28. Mai 2014 in der Gemeindehalle Kirchborchen in die DKMS aufnehmen. Als Uli davon erfuhr, sei er sehr berührt gewesen: „Dass so viele Menschen bereit sind, anderen zu helfen, hat mir enorm viel Kraft gegeben und Mut für die bevorstehende Transplantation gemacht. Jetzt zu erfahren, dass sogar schon eine erste Spenderin aus der Aktion hervorgegangen ist, erfüllt mich mit tiefer Freude.“

Als Laura Coners nur wenige Wochen nach der Aktion erfuhr, dass sie als ‘genetischer Zwilling‘ für einen Patienten in Frage komme, sei sie sehr aufgeregt gewesen: „Ich habe mich riesig gefreut! Es war ein glücklicher Zufall, dass ich überhaupt bei der Aktion mitmachen konnte, da ich an dem Tag eigentlich gar keine Zeit hatte“, erinnert sich die Jura-Studentin. Als ich dann doch früher als vermutet wieder zu Hause war, packte ich die Gelegenheit beim Schopfe und fuhr kurzentschlossen hin.“ Das sei ihr sehr wichtig gewesen, denn als Gruppenleiterin der Malteser-Jugend habe sie natürlich von dem Schicksal des an Blutkrebs erkrankten Kollegen Uli erfahren und bei den Vorbereitungen für die Aktion mitgeholfen. Nun ist Laura die Erste, die tatsächlich einem Menschen die Chance auf Überleben ermöglichen konnte. Dafür überreichten Landrat Manfred Müller und die Teamleiterin Spenderneugewinnung der DKMS Deutsche Knochenmarkspenderdatei, Ingrid Seipolt, im Paderborner Kreishaus als Anerkennung eine Urkunde. „Ich finde das ganz großartig, dass Sie sich so einsetzen“, dankte Landrat Manfred Müller der jungen Studentin. Hier würden „Zeichen der Mitmenschlichkeit“ gesetzt: „Sie machen jedem Erkrankten Mut, dass auch für ihn oder sie ein Lebensretter gefunden werden kann“, betonte Müller.

„Ich finde es großartig, dass bereits eine erste Stammzellspenderin aus unserer Registrierungsaktion hervorgegangen ist“, freut sich Freitag. „Alle, die hier in irgendeiner Form an der Aktion beteiligt waren oder sich registrieren ließen, können nun ganz konkret spüren: Es ist gut und wichtig, was wir hier gemacht haben! Irgendwo auf der Welt gibt es einen Menschen, der dadurch nun die Chance erhält, zu überleben! Da kriege ich Gänsehaut!“

Es gibt zwei Entnahmeverfahren, um an die für Patienten überlebensnotwendigen Stammzellen heranzukommen. Welche Methode angewendet wird, hängt von der Art der Erkrankung des Patienten ab. Die weitaus häufigere Stammzellentnahme wird heutzutage in 80 Prozent aller Fälle durchgeführt. Nach einer umfassenden Voruntersuchung in der Entnahmeklinik erhält der Spender ein Medikament, welches er sich fünf Tage lang unter die Haut spritzt. Dieser körpereigene hormonähnliche Stoff, der vom Körper zum Beispiel auch bei fieberhaften Infekten produziert wird, stimuliert die Produktion der Stammzellen und bewirkt, dass sich vermehrt Stammzellen im fließenden Blut befinden. Diese können dann über ein spezielles Verfahren aus dem Blut gesammelt werden. Bei Laura allerdings wurde die seltenere Methode angewendet: Die Knochenmarkentnahme. Unter Vollnarkose wurde ihr Blut-Stammzellgemisch aus dem Beckenkamm entnommen. Es bildet sich jedoch innerhalb von zwei Wochen vollständig nach. „Ich wurde sehr sorgfältig aufgeklärt und gut betreut. Zwei Tage lang hatte ich ein leichtes Druckgefühl an den Einstichstellen, spätestens nach zehn Tagen habe ich absolut nichts mehr gemerkt. Nach der Spende erfuhr ich, dass ich einer 40-jährigen Frau aus den USA helfen konnte. Es ist ein gutes Gefühl und ich hoffe, dass es ihr bald besser geht! Ich würde jederzeit erneut Stammzellen spenden!“

Hintergrund

Alle 16 Minuten erkrankt in Deutschland ein Mensch an Blutkrebs, darunter viele Kinder und Jugendliche. Für viele Patienten, so wie für Uli, ist die Übertragung gesunder Stammzellen die einzige Überlebenschance. Die DKMS-Family ist mit über 4.700.000 registrierten Stammzellspendern der weltweit größte Dateienverbund. Täglich spenden durchschnittlich 17 DKMS-Spender Stammzellen. Dennoch kann für zahlreiche Patienten kein geeigneter Spender gefunden werden. Deshalb ist es wichtig, dass sich möglichst viele Menschen in die Datei aufnehmen lassen. Mitmachen kann grundsätzlich jeder gesunde Mensch zwischen 18 und 55 Jahren. Infos unter www.dkms.de

BU-1: (Foto der Veranstaltung) Urkundenübergabe an die Lebensretterin vor dem Paderborner Kreishaus – von links nach rechts – Ingrid Seipolt von der DKMS, Laura Coners, Landrat Manfred Müller und Holger Freitag, Geschäftsführer des Malteser Hilfsdienst e.V. der Ortsgliederung Borchen