150 Jahre Klinikum Gütersloh

Patientenbesuch im Jahr 1928: Im Zimmer 60 des Evangelischen Krankenhauses an der Berliner Straße. Bei der Pflege waren der Diakonissin (rechts) auch Frauen aus der Stadt behilflich. Foto: Klinikum Gütersloh gemeinnützige GmbH

Gütersloh (kgp). Das Klinikum Gütersloh blickt im Oktober 2012 auf eine 150-jährige Geschichte zurück. Gegründet und gebaut als Kranken- und Armenhaus an der Berliner Straße, konnten 1862 die ersten Patienten einziehen. Anlässlich des Jubiläums zeichnet das Klinikum seine Entwicklung auf 13 gestalteten Informationstafeln nach. Im Neubau-Saal, Bettenhaus Süd, ist am 20. und 21. Oktober außerdem eine Ausstellung mit medizinhistorischen Exponaten aus dem Stadtmuseum zu sehen. Geöffnet ist jeweils von 12 bis 16 Uhr, es werden nach Bedarf Führungen angeboten.

Gütersloh hat sich seit seiner Stadterhebung im Jahr 1825 nicht nur zur größten und wirtschaftlich bedeutendsten Stadt des Kreises entwickelt, auch in medizinischer Hinsicht ist das ehemalige Heidedorf ein starker Standort. Die gemeinsam mit Martin Wedeking vom Stadtmuseum Gütersloh konzipierte Ausstellung zeichnet 150 Jahre Gütersloher Krankenhausgeschichte nach – Von den Anfängen des Kranken- und Armenhauses bis zum Klinikum Gütersloh als Schwerpunktversorger der Region. Sie beginnt mit dem Lebensende von Garnhändler Heinrich Eberhard Barth.

Barths Ehe mit Friederike Luise Puwelle war kinderlos geblieben. Und so bestimmte er kurz vor seinem Tod, wie sein Vermögen von 70.000 Talern aufzuteilen und einzusetzen sei. Aus einem Teil dieses Geldes wurde 1861 die „Barthsche Stiftung“ gegründet. 28.000 Taler stellte Barth für Bau, Einrichtung und Unterhaltung eines „Kranken- und Armenhaus für arme evangelische Einwohner der Stadt Gütersloh“ zur Verfügung. Nach einem knappen Jahr Bauzeit konnte das nach den Plänen des Architekten Christian Heyden errichtete erste Gütersloher Krankenhaus am 15. Oktober 1862 offiziell eröffnet werden. Es hatte zunächst 13 Betten. Der überwiegende Teil war mit armen und alten Bürgern, sogenannten „Siechen“ belegt – Das Haus erfüllte zu dieser Zeit also mehr die Funktion eines Altenheims.

Ärzte und heutige Ehrenbürger der Stadt Gütersloh wie Dr. Friedrich Wilhelm Stohlmann, Dr. Carl Zumwinkel und Dr. Leopold Kranefuß prägten die Geschichte des Hauses. Trotz mehrerer An- und Umbauten war das alte Evangelische Krankenhaus an der Berliner Straße Zeit seines Bestehens zu klein gewesen für den wachsenden Bedarf. Schließlich fiel 1919 der Beschluss für einen Neubau an der Reckenberger Straße, der 1931 bezogen werden konnte. Die Schulden des Neubaus konnten jedoch nicht getilgt werden. Um einen Konkurs des Krankenhauses abzuwenden, entschloss sich der Verwaltungsrat 1937 zur Auflösung der Barthschen Stiftung. Nachdem die Evangelische Kirchengemeinde abgelehnt hatte, übernahm die Stadt Gütersloh am 1. Januar 1939 die Trägerschaft. Das Gebäude an der Berliner Straße wurde 1969 abgerissen, an seiner Stelle steht dort seit 1973 das Hermann-Geibel-Haus.

Das seit 1939 als städtischer Eigenbetrieb geführte Städtische Klinikum Gütersloh wurde 2009 nach über fünf Jahre währender Diskussion durch Ratsbeschluss in eine gemeinnützige GmbH überführt. Dem folgte auch ein erneuter Namenswechsel in „Klinikum Gütersloh“. Die medizinische Versorgung hat sich seit 150 Jahren stetig weiterentwickelt und orientiert sich am aktuellen Stand der Wissenschaft. Heute ist das Klinikum ein Haus der Schwerpunktversorgung und genießt mit seinen 13 Fachabteilungen auch überregional einen sehr guten Ruf.

Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite www.klinikum-guetersloh.de. Der Besuch der Ausstellung ist kostenlos.