Vortrag in Lemgo über Füchse, Fuchsjagd und Schliefenanlagen

Dr. Martin Steverding und Gabi Joormann vom Netzwerk Fuchs informierten beim BUND Lippe über Lebensweise, Bejagung und Haltung von Füchsen in Schliefenanlagen.

Lemgo. Der Vortrag „Das Leben der Füchse“ von Dr. Martin Steverding am 7. Mai im Lemgoer Lokal „anno 1578“ hat bei vielen der rund 30 Besucherinnen und Besucher Betroffenheit ausgelöst. Eingeladen hatte der BUND Lippe. Neben der Lebensweise der Füchse standen auch die Bejagung des Fuchses und – mit Blick nach Lemgo-Voßheide – sogenannte Schliefenanlagen im Mittelpunkt.

Fürsprecher und Fürsprecherinnen des Fuchses: Gabi Joormann und Dr. Martin Steverding (beide Netzwerk Fuchs), die den Vortrag hielten, sowie Stephan Culemann, Claudia Viotto und Petra Kuhfus vom BUND Lippe im anno 1578 (v. l.). Foto: Florian Winter

Fürsprecher und Fürsprecherinnen des Fuchses: Gabi Joormann und Dr. Martin Steverding (beide Netzwerk Fuchs), die den Vortrag hielten, sowie Stephan Culemann, Claudia Viotto und Petra Kuhfus vom BUND Lippe im anno 1578 (v. l.). Foto: Florian Winter

Der Biologe aus Rhede im Kreis Borken weckte zunächst Interesse und Sympathie für das Tier mit dem grazilen Körperbau. Füchse riechen nach seinen Angaben 400 Mal besser als Menschen und verfügen sowohl über ein sehr gutes Gehör als auch über ein gutes Sehvermögen. Bei keinem der drei Sinne seien Füchse im Vergleich mit anderen Tieren Spitzenreiter, doch bei allen drei Sinnen zugleich rangierten sie so weit oben wie kaum eine andere Art. Ihre Intelligenz komme der von Schimpansen gleich.

Steverding stellte Füchse zudem als soziale Familienwesen vor. Sie seien keine Einzelgänger, sondern jagten lediglich allein. Der angeborene Mäusesprung, bei dem ein Fuchs im hohen Bogen mit allen Vieren auf der Maus lande, sei „sehr schön anzusehen“, sagte Steverding. Bilder und Videos wildlebender Füchse sowie herumtollender Welpen, die „schokoladenbraun“ geboren werden, sorgten im Publikum für Staunen und Entzücken.

Im weiteren Verlauf sprach Dr. Martin Steverding, Gründungsmitglied des Netzwerk Fuchs, die Realität der Füchse deutlich an. „Füchse werden von vielen Jägern behandelt wie der letzte Dreck“, sagte er. Er stellte verschiedene Methoden und Mittel der Fuchsjagd vor, darunter Luderplätze, Mäuseburgen und die Schleppjagd. Außerdem informierte er über die Fallenjagd, unterschieden nach Totschlag- und Lebendfallen, etwa Betonrohrfallen und Kofferfallen.

Besonders kritisch bewertete Steverding die Baujagd. Diese sei „neben dem Abschlachten von Welpen eigentlich das Schlimmste“ und eine „reine Spaßjagd“, sagte er. „Das ist Nervenkitzel, sonst nichts.“

Ein weiterer Schwerpunkt war die Funktion von Schliefenanlagen und die Frage, inwiefern diese tierschutzrechtlich nicht akzeptabel seien. Thematisiert wurde auch die Schliefenanlage in Lemgo-Voßheide mit Gehege, Tunnelsystem und Kessel, in dem Füchse eingesperrt und vom Jagdhund verbellt werden. Gezeigte Filme dokumentierten nach Angaben der Referierenden unzureichende Haltungsbedingungen und deren Folgen, darunter Bewegungsstereotypien.

Steverding kam zu dem Schluss, dass die Haltung in allen Schliefenanlagen unzureichend und nicht artgerecht sei. Jedem Schliefenanlagen-Fuchs gehe es „richtig dreckig“. Zugleich sei die Fuchsjagd ökologisch nicht nötig und nicht einmal im jagdlichen Sinne wirksam. Durch Bejagung reduziere sich die Population nicht, vielmehr könne sich die Reproduktion erhöhen.

Als mögliches Vorbild für Deutschland wurde Luxemburg genannt. Dort ist die Fuchsjagd seit 2015 verboten. Nach Darstellung der Referierenden habe sich der Bestand dort nicht erhöht; zugleich sei der Befall mit dem Fuchsbandwurm massiv gesunken.

Gabi Joormann vom Netzwerk Fuchs erläuterte, wie wichtig das Spielen für das Aufwachsen aller Säugetiere sei. Fehle dieses, könne die Bindung gestört werden, die wiederum Voraussetzung für eine gute Beziehung sei. Füchse fühlten sich durch Bejagung ständig bedroht. Von vier bis fünf Welpen kämen nur ein bis zwei durch. Im Kreis Borken würden nach ihren Angaben 70 bis 80 Prozent der Füchse durch Jagd getötet.

Die Folge sei, dass Füchse ihre Nahrungssuche vollständig in die Nachtstunden verlagerten. Dadurch entstünden Stress und weniger Zeit, mit dem Nachwuchs zu spielen, was sich negativ auf das Sozialverhalten auswirke. Joormann berichtete außerdem von positiven Erfahrungen aus anderen Ländern, in denen Schliefenanlagen oder einzelne Methoden der Fuchsjagd verboten sind. In Dänemark habe sich als Alternative zu Schliefenanlagen-Füchsen ein Fuchsroboter bewährt.

Ein Ende der Fuchsjagd hätte aus Sicht der Referierenden mehrere Vorteile: Füchse könnten wieder sichtbarer und weniger scheu werden, Menschen könnten sie häufiger erleben, und Füchse könnten ihre ökologische Funktion bei der Regulierung von Mäuse- und Rattenbeständen stärker wahrnehmen.

Zwar gehe die Zahl der Schliefenanlagen in Deutschland aufgrund öffentlichen Drucks zurück, allerdings nur langsam. In der Fragerunde äußerten Besucherinnen und Besucher ihre Betroffenheit und den Wunsch, sich gegen Fuchsjagd zu engagieren. Das Netzwerk Fuchs setzt sich für ein Verbot von Schliefenanlagen und für ein Ende der Fuchsjagd ein. Dafür sprachen sich auch Claudia Viotto vom BUND Lippe, Willi Hennebrüder vom BUND Lemgo sowie Matthias Schütz vom BUND Bielefeld aus.

Einen Überblick über bestehende Schliefenanlagen gibt es unter www.schliefenanlagen.info. Die BUND-Kreisgruppe Lippe hat am 7. Mai 2026 zudem ein Info-Blatt über die Schliefenanlage Lemgo-Voßheide herausgegeben. Weitere Informationen gibt es unter www.bund-lippe.de.