Herforder Brauerei soll schließen – Verkauf in Paderborn geplant

Nach Angaben der NGG sind knapp 100 Arbeitsplätze in Herford und 120 in Paderborn betroffen. Die Gewerkschaft kritisiert die Haus-Cramer-Gruppe scharf und fordert einen Sozialplan.

Herford/Paderborn. Nach Angaben der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) steht den Beschäftigten zweier bekannter NRW-Brauereien eine einschneidende Veränderung bevor: Die Herforder

Dunkle Wolken ziehen über die Herforder Brauerei. Foto © NGG

Dunkle Wolken ziehen über die Herforder Brauerei. Foto © NGG

Brauerei soll Ende August geschlossen werden, die Paderborner Brauerei soll noch im Laufe dieses Jahres verkauft werden. Betroffen seien in Herford knapp 100 und in Paderborn 120 Arbeitsplätze.

Mohamed Boudih, nordrhein-westfälischer Landeschef der Brauerei-Gewerkschaft NGG, bezeichnete die Nachricht als „Katastrophen-Tag für das Bier-Land Nordrhein-Westfalen“. Es sei ein „schwarzer Tag fürs Bier“, ein „Horror-Tag für die Brauerei-Städte Herford und Paderborn“ und vor allem ein „Schock-Tag für alle, die in Herford und Paderborn vom und für das Bierbrauen leben“.

Nach Darstellung der NGG wurde die Nachricht den Belegschaften am Donnerstagmittag bei Mitarbeiterversammlungen in Herford und Paderborn mitgeteilt. Boudih sprach von einer „Hiobsbotschaft“ der Geschäftsführung, die „eingeschlagen wie ein Blitz aus heiterem Himmel“ sei. „Das hat die Belegschaften eiskalt erwischt. Und für Ostwestfalen stirbt damit ein Stück Bier-Tradition“, sagte er.

Mohamed Boudih, nordrhein-westfälischer Landeschef der Brauerei-Gewerkschaft NGG, bezeichnete die Nachricht als „Katastrophen-Tag für das Bier-Land Nordrhein-Westfalen“. Foto © NGG

Mohamed Boudih, nordrhein-westfälischer Landeschef der Brauerei-Gewerkschaft NGG, bezeichnete die Nachricht als „Katastrophen-Tag für das Bier-Land Nordrhein-Westfalen“. Foto © NGG

Die NGG erhebt in diesem Zusammenhang schwere Vorwürfe gegen die Haus-Cramer-Gruppe, zu der auch die Warsteiner Brauerei sowie die Herforder und die Paderborner Brauereien gehören. Boudih erklärte, allen sei klar gewesen, dass die gesamte Gruppe gegen schlechte Bilanzen kämpfe und wirtschaftlich auf wackeligen Füßen stehe. Dass die Geschäftsführung Herford und Paderborn nun fallen lasse, sei jedoch ein Eklat.

Hintergrund ist nach Angaben der Gewerkschaft ein Zukunftssicherungsvertrag, der eine Sicherung der Standorte Herford und Paderborn bis Ende 2028 vorgesehen habe. Die Beschäftigten hätten dafür bereits ab Mitte 2021 auf Tariferhöhungen, Urlaubsgeld und Teile des Weihnachtsgeldes verzichtet. Im Gegenzug habe die Haus-Cramer-Gruppe versprochen, die Brauereien weiter zu betreiben. „Das Wort hat die Geschäftsleitung jetzt gebrochen“, so Boudih.

Besonders scharf kritisiert die NGG das Tempo der angekündigten Schritte. In Herford hätten knapp 100 Menschen erfahren, dass sie in gut drei Monaten keinen Job mehr hätten. „So geht man nicht mit Beschäftigten um, die seit Jahren oder sogar Jahrzehnten treu, mit Fleiß und hoher Verbundenheit für die Brauerei gearbeitet haben“, sagte Boudih.

Die NGG Nordrhein-Westfalen kündigte an, es werde „keine stille Brauerei-Beerdigung in Ostwestfalen“ geben. Gemeinsam mit den Betriebsräten wolle die Gewerkschaft die Haus-Cramer-Gruppe für ihre Entscheidung gegen die Brauereien in Herford und Paderborn zur Verantwortung ziehen. Auch der Betriebsrat der Warsteiner Brauerei solle eingebunden werden.

Aus Sicht der Gewerkschaft müsse die Haus-Cramer-Gruppe als Familienunternehmen nun Verantwortung übernehmen. In den kommenden Wochen gehe es daher vor allem um einen Sozialplan für die Belegschaften in Herford und Paderborn. „Gerade als Familienunternehmen sollte die Haus-Cramer-Gruppe den Anstand haben und es als ihre Pflicht verstehen, die Beschäftigten jetzt sozial aufzufangen“, sagte Boudih.