Industrie zeigt bei Umsatz und Beschäftigung relative Stärke, während Handel und Teile der Wirtschaft weiter unter Druck stehen.

Präsentierten heute die Ergebnisse der IHK-Frühjahrskonjunkturumfrage für den Kreis Herford (von links): IHK-Vollversammlungsmitglied Brigitte Schnieder, IHK-GeschäftsführerGötz Dörmann, die IHK-Vollversammlungsmitglieder Dr. Stella Ahlers,Rainer Döring und Jan Ottensmeyer, IHK-Vizepräsidentin AlexandraAltmann, die IHK-Vollversammlungsmitglieder Peter Becker und GuidoMöhlmann sowie IHK-Referatsleiter Marco Rieso.Foto: IHK Ostwestfalen
Herford Die wirtschaftliche Lage im Kreis Herford bleibt angespannt. Das zeigt die jetzt vorgelegte Frühjahrskonjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld. Während sich die Dienstleistungswirtschaft vergleichsweise stabil entwickelt, steht die Industrie weiter unter Druck, und der Handel kämpft mit einer verhaltenen Konsumnachfrage. Gleichzeitig weist der Kreis Herford bei wichtigen industriellen Kennziffern wie Umsatz und Beschäftigung eine relative Stärke gegenüber Ostwestfalen, Nordrhein-Westfalen und dem Bund auf.
„Zwar erkennen wir leichte Verbesserungen, doch Kostendruck, schwache Inlandsnachfrage und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen bremsen die Unternehmen weiterhin spürbar aus“, sagt IHK-Vizepräsidentin Alexandra Altmann. „Die aktuellen geopolitischen Entwicklungen verstärken diese Belastungen zusätzlich – das gilt vor allem für den Nahost-Konflikt. Dessen Auswirkungen auf die Konjunktur hängen insbesondere von der Dauer des Konflikts sowie der Entwicklung der Energiepreise ab.“
An der Umfrage beteiligten sich im Kreisgebiet von Mitte Januar bis Mitte Februar 268 Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistung mit insgesamt fast 10.000 Beschäftigten. Der Konjunkturklimaindikator für die gewerbliche Wirtschaft im Wittekindskreis, der aus der Bewertung der aktuellen Lage und den Erwartungen ermittelt wird, ist gegenüber dem Frühjahr 2025 zwar von 76 auf 91 Punkte gestiegen. Er liegt damit aber weiterhin deutlich unter dem Wert von 100 Punkten, der eine ausgeglichene Stimmung markiert.
Zum Vergleich: Für Ostwestfalen insgesamt ist der Wert auf 105 Punkte gestiegen und hat damit erstmals seit vier Jahren wieder den positiven Bereich erreicht. Die erst kurz nach Abschluss der Umfrage aufgetretenen neuen Risiken im transatlantischen Handel, Stichwort Trumps Zollpolitik, sowie die Eskalation im Nahen Osten sind in den Zahlen noch nicht berücksichtigt.
Die Industriebetriebe im Kreis Herford beurteilen ihre Geschäftslage weiterhin skeptisch. 35 Prozent melden eine schlechte Lage, nur 13 Prozent eine gute, und gut jeder zweite Betrieb bezeichnet sie als befriedigend. Die Auslastung der Produktionskapazitäten bleibt häufig unter dem Normalniveau, und auch die Ertragslage ist angespannt. Für die kommenden Monate rechnen 15 Prozent der Betriebe mit einer Verbesserung, 18 Prozent mit einer Verschlechterung.
Besonders kritisch bleibt die Lage im Handel im Kreis Herford. Lediglich 8 Prozent der Unternehmen sprechen von einer guten Geschäftslage, 41 Prozent von einer schlechten. Der Großhandel spürt die schwache Industriekonjunktur besonders deutlich, im Einzelhandel belastet die anhaltende Kaufzurückhaltung die Umsätze. Auch die Erträge entwickeln sich überwiegend negativ. Die Erwartungen für die kommenden Monate bleiben gedämpft und liegen deutlich unter den Werten der Vorjahre.
„Der Handel im Kreis Herford steht unter massivem Druck. Konsumzurückhaltung, hohe Kosten und unsichere politische Rahmenbedingungen belasten viele Betriebe spürbar“, erklärt Rainer Döring, Vorsitzender des IHK-Handelsausschusses.
Stabilisierend wirkt hingegen die Dienstleistungswirtschaft: 34 Prozent der Unternehmen melden eine gute aktuelle Geschäftslage, 17 Prozent eine schlechte. Die Umsätze sind im Saldo positiv, auch wenn die Erwartungen zurückhaltend bleiben. „Die Dienstleistungswirtschaft zeigt sich robust, doch ohne neue Wachstumsimpulse stoßen auch diese Unternehmen an Grenzen. Unsere Wirtschaft braucht jetzt mehr Planbarkeit und spürbare Entlastungen“, so Döring.
„Eine bemerkenswerte relative Stärke der Wirtschaft im Kreis Herford zeichnet indes die amtliche Statistik“, sagt Götz Dörmann, Geschäftsführer und Regionalbetreuer der IHK für den Kreis Herford. „Wir sehen für das zurückliegende Jahr geringere Umsatzrückgänge, gegen den Trend leicht steigende Auslandsumsätze und einen moderateren Beschäftigungsrückgang als in Ostwestfalen, NRW und dem Bund. Herford bleibt damit ein industrieller Kernstandort unserer Region.“
Demnach ist der Gesamtumsatz der Industriebetriebe mit mindestens 50 Beschäftigten im Kreis Herford 2025 lediglich um 0,2 Prozent auf 6,93 Milliarden Euro gesunken – und damit spürbar weniger als im IHK-Bezirk Ostwestfalen mit minus 2,8 Prozent, in Nordrhein-Westfalen mit minus 2,4 Prozent und im Bund mit minus 1,1 Prozent. Bei den Auslandsumsätzen legte der Kreis Herford um 0,2 Prozent auf 2,68 Milliarden Euro zu, während auf den anderen Ebenen durchweg Rückgänge verzeichnet wurden.
Die Zahl der Industriebeschäftigten sank mit 1,3 Prozent von 24.504 auf 24.178 ebenfalls moderater als in Ostwestfalen mit minus 2,7 Prozent, in Nordrhein-Westfalen mit minus 2,2 Prozent und im Bund mit minus 2,0 Prozent. Mit einem Industrieanteil an der Beschäftigung von 38,5 Prozent bleibt der Wittekindskreis diesbezüglich nach dem Kreis Gütersloh der zweitstärkste Industriekreis in Ostwestfalen. Beim Umsatz liegt er knapp hinter dem Kreis Minden-Lübbecke auf Rang drei.
Insgesamt zeigt sich damit ein gespaltenes Bild: Industrie und Handel stehen im Kreis Herford weiterhin unter erheblichem Druck, während die Dienstleister die Wirtschaft stabilisieren und die Daten zu Umsatz und Beschäftigung die industrielle Substanz und Widerstandsfähigkeit des Kreises unterstreichen.
„Für eine positive Entwicklung hin zu einem Aufschwung müssen jetzt die wirtschaftspolitischen Weichen richtig gestellt werden – mit schnelleren Genehmigungsverfahren, weniger Bürokratie und verlässlichen Rahmenbedingungen für Investitionen“, sagt Alexandra Altmann. „Ebenso entscheidend sind wettbewerbsfähige Energie- und Arbeitskosten, auch durch notwendige Strukturreformen. Gerade die Energiepreise bleiben ein massiver Standortnachteil. Die Senkung der Stromsteuer für alle Unternehmen und Haushalte wäre ein wichtiges Signal, das sofort und unbürokratisch Entlastung in der Breite schaffen würde.“





