Zehnjährige nach Beißvorfall in Bielefeld schwer verletzt

Zehnjährige nach Beißvorfall in Bielefeld schwer verletzt: Polizei sucht Hund und Halterin – PETA fordert Hundeführerschein in Nordrhein-Westfalen

Nachweis kann schwere Unfälle verhindern und ermöglicht Hunden ein tiergerechteres Leben

Bielefeld / Stuttgart. Verantwortungslose Hundehaltung: Gestern griff ein unangeleinter Hund – mutmaßlich ein Staffordshire Terrier – auf einem Spielplatz in Bielefeld ein Mädchen an. Die Zehnjährige spielte einem Medienbericht zufolge auf einem Klettergerüst, als der Hund sie zwei Mal in das rechte Bein biss und so schwer verletzte, dass sie in ein Krankenhaus gebracht werden musste. Die Hundehalterin soll sich dem Bericht zufolge nach dem Vorfall mit ihrer Begleitung entfernt haben und wird nun polizeilich gesucht. PETA weist darauf hin, dass Vorkommnisse wie diese kein Einzelfall sind: Erst am Sonntag wurde eine Vierjährige in Solingen von einem Hund ins Gesicht gebissen. Angesichts dieser Vorfälle fordert die Tierrechtsorganisation nun erneut umgehend die Einführung eines Hundeführerscheins in Nordrhein-Westfalen.

„Meist liegt das Problem nicht beim Hund, sondern am anderen Ende der Leine. Dass der Hund in die Nähe des Mädchens gelangen und sie so schwer verletzen konnte, war verantwortungslos“, so Jana Hoger, Fachreferentin für tierische Mitbewohner bei PETA. „Viele Halter können das Verhalten, die Signale und die Körpersprache ihres Vierbeiners nicht richtig deuten und einschätzen. Somit ist die wahre Ursache für Beißattacken bei ihnen zu suchen – nicht beim Tier. Jeder Hund, der falsch gehalten oder behandelt wird, kann zu einer Gefahr für Mensch und Tier werden – unabhängig davon, ob er einer ‚Rasse‘ angehört oder ein ‚Mix’ ist.“

Der Hundeführerschein sieht vor, dass künftige Halter bereits vor Aufnahme eines Hundes einen Theoriekurs absolvieren, in dem sie das notwendige Fachwissen über eine tiergerechte Haltung und Aspekte wie Kommunikation und Bedürfnisse von Hunden erwerben. Anschließend folgt für Halter und Hund ein gemeinsames obligatorisches Praxisseminar in einer Hundeschule. Ein solcher Nachweis kann sicherstellen, dass Hundehalter sachkundig mit dem Tier umgehen und die Signale des Vierbeiners richtig deuten. Eine funktionierende Kommunikation zwischen Hund und Halter ist unerlässlich, um Beißvorfälle zu verhindern.

Als erstes deutsches Bundesland hat Niedersachsen einen Sachkundenachweis für Hundehalter beschlossen – seit Juli 2013 ist der allgemeine Hundeführerschein verpflichtend [1]. Dort ereigneten sich nach drei Jahren nachweislich weniger Vorfälle [2]. Wer in Berlin seit dem 1. Januar 2017 einen Hund neu aufgenommen hat, ist ebenfalls dazu aufgefordert, sich die notwendige Sachkunde anzueignen. Einer repräsentativen Umfrage aus dem Jahr 2016 zufolge spricht sich mit 65 Prozent eine deutliche Mehrheit der Deutschen für einen Sachkundenachweis für Hundehalter aus [3]. Einige Städte belohnen verantwortungsbewusste Halter: Wer in München nach dem 1. Mai 2014 einen Hundeführerschein absolviert hat, kann sich ein Jahr lang von der Hundesteuer befreien lassen. In Mannheim gilt eine zweijährige Steuerbefreiung für alle Hunde, deren Halter den Hundeführerschein nach dem 1. Januar 2016 erworben haben. 

Ein verpflichtender Hundeführerschein hat einen weiteren Vorteil: Er kann Menschen, die sich noch nicht ausführlich mit der Hundehaltung auseinandergesetzt haben, von einem eventuellen Impulskauf abhalten. Jedes Jahr landen 80.000 Hunde in deutschen Tierheimen, darunter sehr viele Tiere, die unüberlegt „angeschafft“ wurden.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.

 

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