IHK-Informationsveranstaltung zum Thema: Betriebliche Resilienz.
Bielefeld. Geopolitische Spannungen, hybride Bedrohungen, Cyberangriffe und neue regulatorische Vorgaben. Unternehmen bewegen sich heute in einem Umfeld, das komplexer und unsicherer ist als noch vor wenigen Jahren. Vor diesem Hintergrund lud die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK) am 9. April zur Informationsveranstaltung „Betriebliche Resilienz: Vorsorge für den Fall der Fälle“ ein. Ziel war es, insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) dafür zu sensibilisieren, Risiken frühzeitig zu erkennen und ihre Widerstands- und Anpassungsfähigkeit systematisch zu stärken.
Schon in der Begrüßung durch IHK-Hauptgeschäftsführerin Petra Pigerl-Radtke wurde deutlich: Resilienz ist längst kein abstrakter Managementbegriff mehr, sondern ein entscheidender Standortfaktor, auch und gerade für die wirtschaftlich starke Region Ostwestfalen-Lippe (OWL).
„Nicht mehr ganz Frieden“
Einen sicherheitspolitischen Rahmen setzte Henning Voß, Spezialist für Wirtschafts- und Geheimschutz im NRW-Innenministerium (Verfassungsschutz). Seine Einschätzung machte die Dringlichkeit deutlich: Die Realität hybrider Bedrohungen, also Einflussnahmen unterhalb der Schwelle eines offenen militärischen Konflikts wie Cyberangriffe, Spionage, Sabotage oder gezielte Desinformation, ist längst in OWL angekommen.
Gerade mittelständische Unternehmen geraten zunehmend ins Visier. Sie verfügen über spezialisiertes Know-how, innovative Technologien und stabile Marktpositionen, verfügen jedoch häufig nicht über die Sicherheitsstrukturen großer Konzerne. In Zeiten fortschreitender Digitalisierung wachsen damit auch die Angriffsflächen. Wirtschaftsspionage kann dazu führen, dass strategisch relevantes Wissen ins Ausland abfließt. Angriffe auf IT-Systeme können Lieferketten unterbrechen, Produktionsprozesse lahmlegen oder sensible Daten kompromittieren.
Die zentrale Botschaft: Ein Cyberangriff ist keine theoretische Möglichkeit mehr, sondern eine Frage der Zeit.
Resilienz als Führungsaufgabe
Doch was bedeutet „betriebliche Resilienz“ konkret? Resilienz beschreibt die Fähigkeit eines Unternehmens, Krisen nicht nur zu überstehen, sondern sich an veränderte Bedingungen anzupassen und gestärkt aus ihnen hervorzugehen. Dazu gehört, Risiken systematisch zu analysieren, Abhängigkeiten zu reduzieren und Vorsorgestrukturen aufzubauen – sowohl organisatorisch als auch technisch und personell
Daniel Gal, Geschäftsführer der Gal Digital GmbH, stellte praxisnahe Resilienz-Checks und Instrumente der Krisenvorsorge vor. Unternehmen sollten regelmäßig prüfen, wie widerstandsfähig ihre IT-Systeme, Kommunikationswege und Entscheidungsstrukturen tatsächlich sind. Notfallpläne, klare Verantwortlichkeiten und regelmäßige Schulungen seien dabei ebenso entscheidend wie technische Schutzmaßnahmen.
Ein zentraler Punkt der Veranstaltung: Cybersecurity ist Chefsache. Die Verantwortung kann nicht allein an die IT-Abteilung delegiert werden. Strategische Sicherheitsfragen betreffen die gesamte Unternehmensführung, von Investitionsentscheidungen bis hin zur Unternehmenskultur.
Regulierung als Chance
Mit Blick auf neue gesetzliche Anforderungen, wie etwa durch NIS2-, BSI- oder KRITIS-Vorgaben, zeigte Ali C. Gülerman, Cybersecurity-Experte der ATD GmbH, auf, dass Regulierung nicht nur eine zusätzliche Belastung darstellt. Richtig umgesetzt könne sie zum Wettbewerbsvorteil werden. Wer frühzeitig in Sicherheitsstrukturen investiere, erhöhe nicht nur den Schutz vor Schäden, sondern stärke auch das Vertrauen von Kunden und Geschäftspartnern.
„Prävention ist günstiger als Schadensbegrenzung“, lautete eine der Kernaussagen. Die Kosten eines erfolgreichen Angriffs – Produktionsausfälle, Reputationsschäden, rechtliche Folgen – übersteigen präventive Investitionen in der Regel deutlich. Zudem lasse sich der Grad der Sicherheitsreife inzwischen wirtschaftlich messen und strategisch weiterentwickeln.
Vernetzung als Schlüssel
Neben fachlichen Impulsen bot die Veranstaltung vor allem Raum für Austausch. Denn Resilienz entsteht nicht im Alleingang. Der Dialog und die Vernetzung innerhalb der regionalen Wirtschaft sind wesentliche Bausteine, um voneinander zu lernen, Best Practices zu teilen und im Ernstfall handlungsfähig zu bleiben. Gerade in einer exportstarken Region wie OWL sind Unternehmen vielfältigen internationalen Abhängigkeiten ausgesetzt. Politische Unsicherheiten und globale Krisen wirken sich unmittelbar auf lokale Betriebe aus. Umso wichtiger ist es, sich dieser Abhängigkeiten bewusst zu werden und strategisch gegenzusteuern.
Sicherheit als Wettbewerbsfaktor
Die Veranstaltung machte deutlich: Betriebliche Resilienz ist kein kurzfristiges Projekt, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Sie beginnt mit einem realistischen Blick auf die eigene Verwundbarkeit und mündet in einer Unternehmenskultur, die Sicherheit als selbstverständlichen Bestandteil wirtschaftlichen Handelns versteht.
Für den Mittelstand bedeutet das einen Perspektivwechsel. Sicherheitsmaßnahmen sind kein reiner Kostenfaktor, sondern Investition in Zukunftsfähigkeit. Unternehmen, die ihre Daten, Prozesse und Lieferketten wirksam schützen, stärken nicht nur sich selbst, sondern auch den Wirtschaftsstandort insgesamt. Eine Checkliste für die Stärkung der eigenen betrieblichen Resilienz findet sich auf der Website der IHK: Ihre IHK – IHK Ostwestfale
Wie es während der Vorträge mehrfach anklang: Resilienz von heute entscheidet über die Stabilität von morgen.
(Artikel von Emily Pfaffenbauer)






