IHK-Umfrage: Konjunkturaussichten im Kreis Gütersloh verschlechtert

Keine wirtschaftlichen Steigerungen zu erwarten

Kreis Gütersloh. Geopolitische Spannungen, Inflation, steigende Zinsen und hohe Energiekosten prägen die momentane Lage für die Unternehmen: „Leider haben wir weniger gute Nachrichten zu verkünden. Die aktuelle Geschäftslage hat seit dem Frühjahr stark nachgegeben“, sagt Dr. Markus Miele, Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK), bei der heutigen (11. September) Vorstellung der IHK-Herbstkonjunkturumfrage 2023 für den Kreis Gütersloh. An der Erhebung haben sich insgesamt 377 Unternehmen mit knapp 41.000 Beschäftigten aus den Bereichen Industrie, Handel und Dienstleistung beteiligt. Darunter waren 86 Industriebetriebe mit gut 28.100 Beschäftigten.

Der IHK-Klimaindex für die gesamte Wirtschaft im Kreis Gütersloh ist vom Frühjahr zum Herbst recht deutlich unter die 100er-Linie gerutscht, von 113 auf 82 Punkte. Die 100er-Linie steht dabei für eine ausgeglichene Stimmung, bei der sich Optimisten und Pessimisten die Waage halten. Trotz der angespannten konjunkturellen Situation ist der Kreis Gütersloh nach wie vor der industriestärkste Kreis im IHK-Bezirk.

Industrie mit schlehcten Aussichten

Die Zahl der Industriebetriebe, die ihre aktuelle Geschäftslage mit „gut“ bewerten, liegt nur noch bei 24 Prozent (IHK-Frühjahrskonjunkturumfrage: 37 Prozent). Die „schlecht“-Bewertungen haben sich im Gegenzug mehr als versechsfacht, von sieben auf aktuell 43 Prozent. Die wenig zufriedenstellende Geschäftslage wirkt sich auch auf das Investitionsverhalten aus: Nur zehn Prozent der Betriebe hat mehr als im Vorjahreszeitraum investiert, fast jedes dritte Unternehmen hingegen weniger. Die Auslastung der Produktionskapazitäten ist besonders stark rückläufig, lediglich elf Prozent der Unternehmen geben an, dass sie zu über 95 Prozent (Frühjahr: gut 43 Prozent) ausgelastet sind.

Auch der Ausblick auf die kommenden zwölf Monate ist eher trüb. So gehen sieben Prozent der befragten Industrieunternehmen von einer günstigeren Geschäftslage aus, 28 Prozent erwarten eine Verschlechterung. Immerhin fast zwei Drittel der Betriebe gehen von einer gleichbleibenden Entwicklung aus.

Bei den Umsätzen rechnen die Industriebetriebe weder im In- noch im Ausland mit großen Impulsen: So erwarten 51 Prozent steigende Inlandsumsätze, 37 Prozent fallende Umsätze. Bei den Auslandsumsätzen rechnen 42 Prozent mit einer Steigerung, 26 Prozent geht von fallenden Umsätzen aus.

Für die kommenden zwölf Monate erwarten 33 Prozent der Unternehmen sinkende Erträge, sieben Prozent gehen von einer Verbesserung aus. „Gewinne oder zumindest Gewinnerwartungen sind aber eine wichtige Grundvoraussetzung für Investitionen. Dementsprechend sind die Investitionsplanungen für die Industrie sehr verhalten und fließen nur zu einem geringen Teil in Kapazitätserweiterungen“, sagt Miele. So wollen nur noch acht Prozent in den kommenden Monaten mehr investieren (Frühjahr: 14 Prozent). Lediglich elf Prozent der Unternehmen geben an, ihre Kapazitäten auszubauen (Frühjahr: rund 43 Prozent).

Auch Handel pessimisstisch

Im Handel haben sich weder die aktuelle Geschäftslage noch die Erwartungen verbessert. 26 Prozent der Einzel- und Großhändler sprechen von einer guten aktuellen Geschäftslage, insgesamt 19 Prozent bezeichnen ihre Geschäftslage als „schlecht“. Beim Ausblick auf die kommenden zwölf Monate erwarten
zwölf Prozent Verbesserungen, 34 Prozent eine Verschlechterung. Etwas mehr als jeder zweite Betrieb erwartet keine Veränderung.

Dienstleister etwas optimistischer

Die aktuelle Geschäftslage der Dienstleister bleibt insgesamt auf einem sehr soliden Niveau – 30 Prozent bezeichnen sie als „gut“, 14 Prozent als „schlecht“. Allerdings haben sich die Aussichten ebenfalls verdüstert: 19 Prozent erwarten eine Verbesserung, 24 eine Verschlechterung. Sowohl in der Industrie, im Handel als auch in der Dienstleistungsbranche sind angesichts der gedämpften Erwartungen keine Beschäftigungsimpulse zu erwarten.

Politik keine große Hilfe

In einer Sonderumfrage, die die IHK Anfang September veröffentlicht hat, beklagte die große Mehrheit der Unternehmen im Kreis Gütersloh die mangelnde Unterstützung durch die aktuelle Wirtschaftspolitik. So beurteilen mehr als die Hälfte der Betriebe die Wirtschaftspolitik als „schädlich“, oder „sehr schädlich“ (26 Prozent). „Diese Wertungen zeigen, wie wichtig es war, dass sich das Bundeskabinett in Meseberg mit Impulsen für die Wirtschaft und Wachstum zumindest beschäftigt hat“, sagt Miele.

„Zur richtigen Einordnung der Konjunkturergebnisse müssen wir aber auch festhalten, dass die Wirtschaft im Kreis Gütersloh in weiten Teilen von einem sehr hohen Niveau kommt“, so Dr. Christoph von der Heiden, IHK-Geschäftsführer. Die Gesamtumsätze des Verarbeitenden Gewerbes im Kreis
Gütersloh in Betrieben ab 50 Beschäftigte sind im ersten Halbjahr dieses Jahres um 14,5 Prozent auf knapp 12,6 Milliarden Euro gestiegen. „Das ist ein neuer Rekordwert, aber nach wie vor müssen wir die nominale Umsatzentwicklung aber relativieren, da hier erhebliche Preissteigerungen enthalten
sind“, erläutert von der Heiden. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erhöhten sich die Inlandsumsätze um 12,2 Prozent auf gut 7,1 Milliarden Euro. Die Auslandsumsätze erreichten 5,4 Milliarden (+17,6 Prozent). Die Exportquote beträgt damit aktuell 43,5 Prozent. Damit liegt die Industrie im Kreis Gütersloh
bei den Umsatzzuwächsen vor Ostwestfalen (Gesamtumsätze +7,6 Prozent), NRW (+2,1 Prozent) und Bund (+5,2 Prozent).

Im Durchschnitt der ersten sechs Monate waren in der heimischen Industrie insgesamt 65.093 Mitarbeitende beschäftigt. Das sind 2,2 Prozent mehr als im Vorjahresvergleichszeitraum. Bei der Beschäftigung steht der Kreis Gütersloh ebenfalls etwas besser da als das Land NRW (1,2 Prozent) und der Bund (1,4
Prozent).