Apotheken in Westfalen-Lippe warnen vor neuer Honorarkürzung

Der AVWL begrüßt die vom Bundeskabinett beschlossene Honorarerhöhung nach 13 Jahren Stillstand, sieht die wohnortnahe Versorgung aber durch neue Sparvorgaben weiter gefährdet.

Münster. Apotheken in Westfalen-Lippe begrüßen die vom Bundeskabinett beschlossene leichte Erhöhung ihrer Vergütung, warnen jedoch vor einer erneuten Kürzung über einen höheren Zwangsrabatt. Nach 13 Jahren Stillstand bei der Pauschale sei dieser Schritt überfällig, teilt der Apothekerverband Westfalen-Lippe e. V. (AVWL) mit.

Thomas Rochell, Vorstandsvorsitzender des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe (AVWL), begrüßt die Erhöhung des Apothekenhonorars und warnt zugleich vor einer geplanten erneuten Kürzung. (Foto: AVWL/Tronquet)

Thomas Rochell, Vorstandsvorsitzender des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe (AVWL), begrüßt die Erhöhung des Apothekenhonorars und warnt zugleich vor einer geplanten erneuten Kürzung. (Foto: AVWL/Tronquet)

„Wir begrüßen sehr, dass die Bundesregierung nach über einem Jahr im Amt endlich die Zusage aus dem Koalitionsvertrag einlöst. Dieser Schritt ist überfällig und zwingend erforderlich, um die Zahl der Apothekenschließungen zu senken und die flächendeckende Versorgung der Menschen zu sichern“, kommentiert Thomas Rochell, Vorstandsvorsitzender des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe, den Kabinettsbeschluss.

Rochell verweist dabei auf die Unterstützung der Beschäftigten in den Apotheken sowie der Bürgerinnen und Bürger. „Wir haben diesen Erfolg zum einen unseren Mitarbeitern zu verdanken, die sich für den Erhalt ihrer Betriebe massiv engagiert haben. Und zum anderen den Bürgerinnen und Bürgern, die unsere Forderungen und unsere Proteste unterstützt haben, weil sie wissen, wie wichtig das wohnortnahe Apothekennetz ist“, so Rochell. Zugleich dankt er Bundes-, Landes- und Kommunalpolitikern, die sich in den vergangenen Monaten für den Erhalt einer sicheren und flächendeckenden Arzneimittelversorgung eingesetzt hätten.

Rettung kommt für einige Apotheken zu spät

Trotz der beschlossenen Honorarerhöhung sieht der AVWL die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe weiterhin kritisch. Mit der Anhebung werde der Verlust, den die Apotheken durch die Stagnation in den vergangenen 13 Jahren erlitten hätten, nicht annähernd ausgeglichen. Während die Packungspauschale seit 2013 unverändert geblieben sei, seien die Betriebskosten im gleichen Zeitraum um 65 Prozent gestiegen.

Nach Angaben des Verbandes seien mittlerweile 7 Prozent der Apotheken defizitär; insgesamt sei ein Drittel wirtschaftlich gefährdet. „Die nun beschlossene Anhebung des Honorars wird für einige zu spät kommen oder zu niedrig sein“, erklärt Thomas Rochell.

Besonders kritisch bewertet der AVWL das politische Vorhaben, die beschlossene Honorarerhöhung durch neue Sparmaßnahmen teilweise wieder abzuschmelzen. Im Entwurf eines Gesetzes zur Stabilisierung der Krankenkassenbeiträge sei vorgesehen, dass ab Januar der Zwangsrabatt erhöht wird, den Apotheken pro abgegebener Arzneimittelpackung an die Krankenkassen zahlen müssen.

„Dies bedeutet für uns nichts anderes als eine erneute Honorarkürzung“, so Rochell. In Verbindung mit der anstehenden Mindestlohnerhöhung sowie möglichen Tarifsteigerungen werde die heute beschlossene Honorarerhöhung nahezu komplett aufgezehrt. „Aus der linken Tasche zu nehmen, was man gerade in die rechte Tasche gesteckt hat, ist unsinnig.“

Den Apotheken sei bewusst, dass alle Bereiche im Gesundheitswesen ihren Sparbeitrag leisten müssten. „Wir Apotheken aber haben diesen Sparbeitrag in den vergangenen 13 Jahren bereits übererfüllt: Während unsere Vergütung in dieser Zeit stagnierte, sind die Honorare in anderen Bereichen deutlich gestiegen. Deshalb werden wir uns vehement gegen diese Kürzung wehren – im Sinne der wohnortnahen Versorgung unserer Patienten.“

Der Apothekerverband Westfalen-Lippe e. V. vertritt die Interessen von rund 1.200 Apothekeninhabern mit 1.600 Haupt- und Filialapotheken. Die Apotheken in Westfalen-Lippe versorgen die Bevölkerung mit lebenswichtigen Arzneimitteln, beraten die Menschen kompetent und vertraulich und erbringen wohnortnah pharmazeutische Dienstleistungen. Der AVWL versteht sich als Zweckverband für die wirtschaftlichen, rechtlichen und berufspolitischen Interessen seiner Mitglieder. Weitere Informationen gibt es unter www.apothekerverband.de.

Quelle: Apothekerverband Westfalen-Lippe e. V.