Neugründungen in Ostwestfalen auf höchstem Stand seit 2010

IHK-Gründungsreport 2026 weist 11.955 Gewerbeanmeldungen und einen positiven Gründungssaldo von 4.012 aus

Gemeinsamer Blick in den Gründungsreport (von rechts): IHK-Hauptgeschäftsführerin Petra Pigerl-Radtke, Kathrin Teschke, Referentin für Existenzgründung bei der IHK, sowie das Gründerpaar Christina und Björn Schindler. Foto: Oliver Horst/IHK Ostwestfalen

Gemeinsamer Blick in den Gründungsreport (von rechts): IHK-Hauptgeschäftsführerin Petra Pigerl-Radtke, Kathrin Teschke, Referentin für Existenzgründung bei der IHK, sowie das Gründerpaar Christina und Björn Schindler.
Foto: Oliver Horst/IHK Ostwestfalen

Ostwestfalen. Die Gründungsdynamik in Ostwestfalen hat im Jahr 2025 deutlich zugelegt. In der Region wurden insgesamt 11.955 Gewerbe angemeldet. Das entspricht einem Anstieg von 9,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr und dem höchsten Wert seit 2010. Gleichzeitig sank die Zahl der Gewerbeabmeldungen auf 7.943. Der positive Gründungssaldo erhöhte sich damit auf 4.012 Netto-Gründungen. Das geht aus dem neuen Gründungsreport Ostwestfalen 2026 der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld hervor.

„Angesichts des weiterhin anspruchsvollen wirtschaftlichen Umfelds ist diese Entwicklung ein starkes Signal für die Stabilität und Attraktivität des Gründungs- und Wirtschaftsstandorts Ostwestfalen“, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführerin Petra Pigerl-Radtke. Firmengründungen seien ein wichtiger Indikator für die wirtschaftliche Dynamik und Innovationskraft einer Region. Umso erfreulicher sei es, dass die Zahl der Neugründungen in Ostwestfalen wieder deutlich steige.

Zuwächse in allen Teilregionen

Zu der positiven Entwicklung trugen alle Teilregionen des IHK-Bezirks bei. Die stärksten Zuwächse gegenüber dem Vorjahr verzeichneten die Kreise Herford mit 51,3 Prozent, Paderborn mit 7,9 Prozent und Höxter mit 7,8 Prozent. Auch in den Kreisen Minden-Lübbecke mit 5,5 Prozent und Gütersloh mit 2,1 Prozent sowie in der Stadt Bielefeld mit 1,5 Prozent stiegen die Gründungszahlen.

Nebenerwerbsgründungen treiben die Entwicklung

Nach Angaben von Kathrin Teschke, Referentin für Existenzgründung bei der IHK, geht der deutliche Anstieg vor allem auf Gründungen im Nebenerwerb zurück. Viele Menschen nutzten diese Möglichkeit, um ihre Geschäftsidee zunächst mit einem überschaubaren Risiko neben ihrem Beruf zu erproben. Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten ermögliche diese Form der Selbstständigkeit einen niedrigschwelligen Einstieg in das Unternehmertum und den Aufbau eines zweiten Standbeins.

Die Zahl der Nebenerwerbsgründungen stieg gegenüber dem Vorjahr um 31,2 Prozent. Erstmals seit 2021 übertraf sie damit wieder die Zahl der Haupterwerbsgründungen. Besonders stark ausgeprägt war dieser Trend bei jungen Menschen. Den größten Beitrag zum Anstieg leisteten die 25- bis 34-Jährigen. Bei den unter 25-Jährigen nahm der Anteil der Nebenerwerbsgründungen mit rund 40 Prozent am stärksten zu.

Nach Einschätzung der IHK lohnt sich jedoch ein differenzierter Blick auf das Gründungsgeschehen. Während die Nebenerwerbsgründungen insbesondere im Kleingewerbe zunehmen, legten die stärker auf Wachstum, Investitionen und Beschäftigung ausgerichteten Handelsregisterunternehmen sowohl im Haupt- als auch im Nebenerwerb um jeweils rund zehn Prozent zu.

„Die Zahlen zeigen, dass nicht nur mehr Menschen gründen. Auch die wirtschaftliche Substanz des Gründungsgeschehens bleibt hoch“, betont Teschke.

Dienstleistungen und Handel prägen das Gründungsgeschehen

Rund zwei Drittel der Gründerinnen und Gründer machten sich im Jahr 2025 im Dienstleistungssektor selbstständig. Den größten Anteil innerhalb dieses Bereichs bildeten mit 21,8 Prozent die unternehmensbezogenen Dienstleistungen. Weitere 25,6 Prozent der Gründungen entfielen auf den Handel. Zugleich gewinnen digitale Geschäftsmodelle weiter an Bedeutung.

Der Gründungsreport zeigt außerdem, dass Frauen weiterhin deutlich seltener gründen als Männer. Ihr Anteil lag bei 29,3 Prozent. Frauen entschieden sich zugleich häufiger für eine Selbstständigkeit im Nebenerwerb.

Die Förderung von Gründerinnen und Gründern sei eine wichtige Zukunftsaufgabe, unterstreicht Petra Pigerl-Radtke. Innovative Gründungen schafften Wertschöpfung, Wachstum sowie neue Arbeits- und Ausbildungsplätze und leisteten einen entscheidenden Beitrag zur Zukunftsfähigkeit der Region. Dafür seien gute Rahmenbedingungen, starke Netzwerke und möglichst einfache Gründungsprozesse erforderlich. Die IHK begrüßt deshalb auch die angekündigten Maßnahmen für unbürokratischere und schnellere Gewerbeanmeldungen.

Gründerpaar aus Vlotho entwickelt Heuentstauber

Ergänzt wird der Gründungsreport im Posterformat, der die wichtigsten Kennzahlen und Entwicklungen des regionalen Gründungsgeschehens zusammenfasst, durch einen Podcast mit Gründerinnen und Gründern. Als Beispiel wird das Gründerpaar Christina und Björn Schindler vorgestellt. Mit seiner German Horse Tech GmbH in Vlotho entwickelte das Paar aus einem Problem im eigenen Reitsportalltag eine innovative Lösung für die Pferdegesundheit.

Ausgangspunkt für die Geschäftsidee war die Asthmaerkrankung des eigenen Pferdes. Nach Angaben der Gründer leiden rund 80 Prozent aller Pferde an Atemwegserkrankungen. Viele Pferdehalter setzen deshalb auf eine möglichst staubarme Fütterung. Häufig wird dafür Heu bedampft, was jedoch aufwendig und energieintensiv ist.

Der Ingenieur Björn Schindler und seine Frau Christina, die zuvor im Vertriebsaußendienst eines Pferdesportausrüsters tätig war, suchten deshalb nach einer praktikableren Lösung. Innerhalb von nur zehn Monaten brachten sie einen kompakten Heuentstauber zur Marktreife und sicherten die Entwicklung durch ein Patent ab. Produziert werden die Geräte gemeinsam mit einem Maschinenbauer aus Paderborn.

Bereits kurz nach der Unternehmensgründung präsentierte das Paar seine Entwicklung im März 2025 auf der Pferdesportmesse Equitana. Dort habe sich bestätigt, dass es einen Markt für das Gerät gebe. Aktuell arbeiten die Gründer an einer größeren Variante für gewerbliche Pferdebetriebe.

Unterstützt wurden und werden Christina und Björn Schindler durch die Gründungsberatung und den Mentoringservice der IHK Ostwestfalen sowie durch das Gründungsstipendium NRW. Inzwischen haben beide ihre bisherigen Berufe aufgegeben und sich vollständig selbstständig gemacht.

Gründungsreport online verfügbar

Der Gründungsreport Ostwestfalen 2026 kann bei der IHK bestellt und online unter www.ostwestfalen.ihk.de/gruendungsreport abgerufen werden.