Hörster Modell soll Bauwirtschaft und Wohneigentum stärken

Stefan Habighorst vom Hörster Betonwerk schlägt eine Bauzinssenkung auf zwei Prozent vor, um Wohnungsbau, Wohneigentum und Binnenwirtschaft anzukurbeln.

Luftbild: Die Hörster Betonwerk GmbH steht seit über 150 Jahren im Dienst der Bauwirtschaft. Foto: Thorsten Ulonska

Luftbild: Die Hörster Betonwerk GmbH steht seit über 150 Jahren im Dienst der Bauwirtschaft. Foto: Thorsten Ulonska

Bielefeld / Halle-Hörste. Mit dem Hörster Modell will Stefan Habighorst, Inhaber der familiengeführten Hörster Betonwerk GmbH in Halle, einen Vorschlag zur Wohneigentumsförderung durch niedrigere Bauzinsen in die politische Debatte einbringen. Das Modell sieht vor, Bau oder Erwerb einer Wohnimmobilie für Menschen ohne Wohneigentum über ein Darlehen zu zwei Prozent Zinsen zu erleichtern.

Hintergrund sind nach Habighorsts Darstellung die gestiegenen Baukosten und Bauzinsen seit dem Ukrainekrieg. Während die Bauzinsen hierzulande von einem auf vier Prozent gestiegen seien, habe sich die Annuität eines Baudarlehens bei einer Anfangstilgung von üblichen zwei Prozent von vormals drei Prozent auf derzeit sechs Prozent erhöht. „Das macht es vielen unmöglich zu bauen oder Wohneigentum zu erwerben“, sagt der Geschäftsführer des Hörster Betonwerks.

Banken würden derzeit kaum noch Baudarlehen gewähren, da sie nach ihrer Einschätzung davon ausgingen, dass viele Antragsteller die Kredite nicht zurückzahlen könnten. „Gerade für junge Familien ist der Erwerb von Wohneigentum in weite Ferne gerückt“, betont Habighorst. Zugleich gebe es in der Bauwirtschaft Umsatzrückgänge von bis zu 50 Prozent. Der Diplom-Ingenieur und Diplom-Wirtschaftsingenieur warnt: „Firmen reduzieren ihre Mitarbeiterzahlen oder schließen ganz. Ihre Fachkräfte wandern ab. Wenn nicht bald eine Belebung einsetzt, können die Bauaufgaben der Zukunft wegen Personalmangels in Planung und Ausführung nicht mehr bewältigt werden. Es ist Eile geboten.“

Sein nach eigener Einschätzung „einfach und schnell umsetzbarer“ Vorschlag richte sich an alle Bundesbürger ohne Wohneigentum. Jeder kreditwürdige Bürger, der bisher kein Wohneigentum besitzt, solle einmalig im Leben ein Darlehen für den Bau oder Erwerb einer Wohnimmobilie zu einem Zinssatz von zwei Prozent erhalten können.

Das Hörster Modell könne, so Habighorst, „vollkommen unabhängig von weltweiten Konflikten, Wirrungen und Zöllen“ sofort starten. „Der Wohnungsbau würde innerhalb weniger Wochen anspringen. Viele Projekte liegen auf Eis und warten nur auf den Startschuss. Der Hochbau und die nachfolgenden Gewerke würden aufgrund des hohen Bedarfs an Wohnungen dauerhaft belebt.“ Innerhalb eines Jahres entstünde dadurch Nachfrage in der gesamten Binnenwirtschaft. „Somit würde die große Wohnungsnot in unserem Land zur starken Triebfeder für einen dauerhaften wirtschaftlichen Aufschwung in ganz Deutschland“, so der Unternehmer.

Langfristig sieht Habighorst mehrere gesellschaftliche Nebeneffekte:

  • Mietwucher würde aus seiner Sicht nicht durch Gesetze verboten, sondern durch ein ausreichendes Wohnungsangebot unmöglich.
  • Altersarmut könne wirksam bekämpft werden, weil mietfreies Wohnen im Rentenalter wirtschaftliche Unabhängigkeit schaffe und dem Staat Sozialleistungen ersparen könne.
  • Das an die Mitte der Gesellschaft adressierte Hörster Modell solle Zukunftssorgen mit unkompliziertem und wirkungsvollem Handeln begegnen.

Stefan Habighorst ist überzeugt, dass sich mit dieser einen Stellschraube vieles lösen lasse: „Wir könnten mit diesem einfachen Modell die Wirtschaftskrise aus eigener Kraft sehr schnell und lang anhaltend überwinden und zudem nebenbei die gesellschaftlichen Herausforderungen der Zukunft angehen.“

Seine Strategie lautet, die Politik auf die Notwendigkeit einer Bauzinssenkung zur Wohneigentumsförderung aufmerksam zu machen. Deshalb informiert der Bau- und Wirtschaftsingenieur auf der Internetseite seines Unternehmens über das Hörster Modell. Dort stellt er auch Musterbriefe zum Herunterladen bereit, mit denen Bürger die zuständigen Ministerien anschreiben können. „Nur wenn sich viele Bürger dafür stark machen und viele Briefe schreiben, wird die Politik reagieren“, sagt Habighorst.

Text/PM: © Martina Bauer