„Himmlisches Marktvergnügen“ auf Europas größtem Klostermarkt

Kloster Dalheim lockt mit Warenvielfalt und familienfreundlichem Rahmenprogramm / Sonderbusse aus Richtung Paderborn

Rund 40 Ordensgemeinschaften sind auf dem Dalheimer Klostermarkt vertreten. Foto: LWL/Jana Künder

Rund 40 Ordensgemeinschaften sind auf dem Dalheimer Klostermarkt vertreten. Foto: LWL/Jana Künder

Lichtenau-Dalheim (lwl). Wenn Bruder Philipp den Kochlöffel schwingt, Schwester Thekla Schätze aus ihrem Weinkeller verkosten lässt, Pater Gerhard sein Kräuterwissen teilt und ganz Westfalen sich im Kloster Dalheim trifft, dann ist es wieder Zeit für den Dalheimer Klostermarkt.

Am Wochenende (26.8. und 27.8.) kommen Ordensschwestern und -brüder aus rund 40 Abteien, Stiften und Klöstern in Österreich, Tschechien, Polen und dem gesamten Bundesgebiet in das westfälische Kloster Dalheim, heute Stiftung Kloster Dalheim. LWL-Landesmuseum für Klosterkultur (Kreis Paderborn), um auf dem weitläufigen Klostergelände ihre Waren an 300 Metern Standfläche anzubieten. Ordensgemeinschaften aus der Region sind ebenso vertreten wie prominente Standorte aus ganz Deutschland und Europa. Jeweils von 10 bis 18 Uhr zeigen sie, was in ihren Küchen, Kellern und Werkstätten in wertvoller Handarbeit an Produkten entsteht.

„Auf inspirierende und kurzweilige Weise gibt der Klostermarkt dem Publikum die Gelegenheit, die ganze Vielfalt klösterlicher Kultur zu entdecken. Marktgäste können sich in offenherzigen Gesprächen mit den Ordensleuten über Gott und die Welt austauschen oder einfach nur über das Gelände bummeln und sich von der bunten Fülle an Waren überraschen lassen“, sagt die Kulturdezernentin des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und Vorsitzende des Stiftungsvorstandes, Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger. „Die Kombination aus Marktgeschehen und persönlicher Begegnung macht den Dalheimer Klostermarkt zu einem außergewöhnlichen Erlebnis.“

Ob Bier und Limonaden aus der klostereigenen Brauerei im niederbayerischen Mallersdorf, Badezusätze aus der ökumenischen Abtei in Kaufbeuren oder Senf von den Trappisten in Tschechien: „Das Warenangebot auf dem Dalheimer Klostermarkt ist ebenso vielfältig wie die vertretenen Ordensgemeinschaften“, berichtet Museumsdirektor Dr. Ingo Grabowsky. „Dabei stehen die Erzeugnisse in der Tradition der Klöster für achtsame Herstellung, außergewöhnliche Qualität, Nachhaltigkeit und Naturnähe.“

Plattform unterschiedlichster klösterlicher Lebenskulturen

Zum 21. Mal heißt das LWL-Landesmuseum die zahlreich vertretenen Ordensgemeinschaften willkommen. „Die Aussteller aus den verschiedensten Ordensgemeinschaften sorgen für eine lebendige Atmosphäre“, erläutert Organisatorin Eva Beyerstedt. „Sie sind der Kern des Dalheimer Klostermarkts. Ihr Wissensschatz, ihre Erfahrungen und ihre Persönlichkeiten sind ein Gewinn für uns alle.“

Neben Benediktinerinnen, Augustinern und Franziskanerinnen sind auch Prämonstratenser, Trappisten und orthodoxe Ordensleute auf dem Markt vertreten. Darunter sind viele Stammgäste, die schon seit dem ersten Klostermarkt 2002 dabei sind. „Auf dem Dalheimer Klostermarkt können nicht nur die Gäste ihren Horizont erweitern, auch die Ordensleute tun das vielfach in persönlichen Gesprächen.“

Markt mit Tradition

Seit über 20 Jahren findet der Klostermarkt inzwischen im ehemaligen Kloster Dalheim statt. Einst ist die Veranstaltung mit nur wenigen Verkaufsständen gestartet, heute erstrecken sich über 300 Meter Standfläche auf dem weitläufigen Klostergelände. 2023 sind weitere „Novizen“ beim Markt: Erstmals dabei sind die Benediktiner aus dem ältesten Kloster Polens in Tyniec.

Auch im Angebot zeigen sich einige Neuerungen: Bei den Schwestern der Heiligen Maria Magdalena Postel gibt es erstmals regional produziertes Bio-Eis. Mit zehn verschiedenen Eissorten wollen die Schwestern das kulinarische Angebot auf dem Markt erweitern. „Klostermarkt in Dalheim heißt für mich Sommerzeit – Auszeit – Freizeit, und dieses Mal auch Eis-Zeit. Aber besonders freuen wir uns immer über die Menschen, die uns bereits seit vielen Jahren immer wieder an unserem Stand besuchen“, sagt Schwester Laetitia. Dem Leitspruch „Die Jugend bilden, die Armen unterstützen und nach Kräften Not lindern“ folgend sind die Schwestern in der Bildung und Erziehung, in der Senioren- und Gesundheitshilfe sowie in Form von karitativen Diensten tätig. Beim Klostermarkt informieren sie seit 2007 über ihre Arbeit und ihre Lebensform.

„Hinter den Klostermauern betreiben viele Ordensgemeinschaften seit Jahrhunderten florierende Wirtschaftsbetriebe. Was häufig für uns im Verborgenen stattfindet, macht der Dalheimer Klostermarkt seit über 20 Jahren sichtbar“, würdigt Rüschoff-Parzinger das jahrelange Engagement. In den vergangenen Jahren kamen mehr als 15.000 Gäste zum Klostermarkt ins Kloster Dalheim.

Echte „Geheimtipps“

Unter den Waren gibt es immer wieder Geheimtipps. Beispielsweise Afrika-Waren von den Missionsschwestern vom Kostbaren Blut aus Neuenbeken. Beliebt sind auch die Lebensmittel aus der Abtei Königsmünster. Die Benediktiner aus dem Sauerland betreiben handwerkliche und landwirtschaftliche Betriebe und bieten beim Klostermarkt unter anderem Gebäck, Kaffee, Käse, Kuchen und Marmeladen an.

Schätze aus den Klostergärten

Auf die Marktgäste warten insbesondere Produkte aus den Klostergärten und -apotheken: Dinkelprodukte, Tee und Klosterlikör in der Tradition nach Hildegard von Bingen bringen die Schwestern von St. Hildegard aus Rüdesheim und die Vertreter des österreichischen Augustiner-Chorherrenstifts Reichersberg mit nach Dalheim. Die Jakobusschwestern aus Paderborn bieten Kräuter- und Dinkelkissen an. Kekse und Weihrauch gibt es bei der deutsch-orthodoxen Mönchsgemeinschaft aus Buchhagen. Die Maristenbrüder aus Furth machen sich die Wirkung und Heilkraft der Kräuter und Pflanzen ebenfalls zunutze. Damit bieten das Kräuterdestillat „Arquebuse“ an, dessen Rezept sie seit 1857 streng geheim halten.

Im Streichelzoo freuen sich Schafe über Streicheleinheiten. Foto: LWL/Jolena Pillen

Im Streichelzoo freuen sich Schafe über Streicheleinheiten. Foto: LWL/Jolena Pillen

„Begegnungen zwischen Himmel und Erde“

Neben den Ständen bereichern die Ordensleute auch in diesem Jahr das Marktprogramm mit Beiträgen: Pater Gerhard von der Christ-Katholischen Communität St. Andreas lädt an beiden Tagen zu Kräuterführungen im Klostergarten ein (jeweils 11 und 13 Uhr). Neben Kaffee und Espresso gibt es beim CityKloster Bielefeld ein Gesprächsangebot. Beim Bücherflohmarkt des Deutschen Orthodoxen Dreifaltigkeitsklosters Buchhagen können die Besucherinnen und Besucher nach literarischen Raritäten stöbern.

„Nach der positiven Resonanz im vergangenen Jahr freuen wir uns, auch 2023 wieder einen Taizé-Gottesdienst auszurichten“, sagt Grabowsky. Die Augustiner-Chorfrauen vom Michaelskloster in Paderborn gestalten den Gottesdienst am Samstag um 17 Uhr. In der ehemaligen Dalheimer Klosterkirche stehen dann die gemeinsamen Gesänge im Fokus.

„Durch die sich wiederholenden Liedzeilen lädt diese besondere Form des Gebets alle Menschen ein, mitzumachen. Im vergangenen Jahr war das sehr bewegend“, so Grabowsky weiter. Ein Friedensgebet, gesprochen von Bruder Augustinus Diekmann OFM von den Franziskanern Dortmund, erweitert das spirituelle Angebot an beiden Markttagen in der Klosterkirche (jeweils 12 Uhr). Zusätzlich findet am Sonntag um 9 Uhr eine Heilige Messe in der Klosterkirche statt.

Großes Programm für die ganze Familie

Zum Rahmenprogramm gehören Vorführungen historischer Handwerkstechniken. Auf dem Marktgelände zeigen Experten Kindern und Erwachsenen das Grünholzdrechseln. Klostermühle, -brennerei, -schmiede und -weberei sind ebenfalls in Betrieb, am Sonntag außerdem die Stellmacherei. In der Schmiede können Kinder ab 10 Jahren und Erwachsene selbst Hand anlegen und Gartenstecker anfertigen (Materialkosten: 5 Euro).

Bei der Klostermarkt-Rallye lernen junge und erwachsene Marktgäste die Ordensleute und deren Produkte kennen. Ein mobiler Kneipp-Barfußpfad lädt dazu ein, sich „auf die Sohlen zu machen“, und Kinder begegnen im Streichelzoo Schafen, Hühnern und Ziegen. Auf dem Klosterspielplatz mit Seilbahn, Wippe und Holzkegelbahn können Kinder toben. Der Verein der Freunde des Klosters Dalheim e.V. lädt zum zweiten Mal zu einer Tombola ein, bei der tolle Klosterprodukte gewonnen werden können.

In der „Sinneswerkstatt“ gehen Kinder ihren eigenen fünf Sinnen nach und basteln eine Murmelharfe (Hören), stellen Pfefferminzbonbons und Seifen her (Schmecken und Riechen), formen Sonnenfänger (Sehen) und filzen Blütenschalen (Fühlen) (Materialkosten pro Kind: 4 Euro). Jugendliche und Erwachsene können die Indigo-Färbewerkstatt besuchen und Handtücher (Materialkosten 9 Euro) oder Bandanas (6 Euro) gestalten.

Am Sonntag um jeweils 13 Uhr und 15.30 Uhr lässt Uwe Natus seine Puppen tanzen: Kinder und Erwachsene sind zu einer Vorstellung des Puppentheaters eingeladen. Für musikalische Unterhaltung auf dem Marktgelände sorgt am Sonntag das Bläserensemble Feinblech.

Im Eintrittspreis zum Markt enthalten ist auch der Besuch des LWL-Landesmuseums für Klosterkultur sowie die Teilnahme an den Führungen durch die Klosteranlage und die Klostergärten. Erstmals laden Familienführungen Erwachsene und Kinder ab 6 Jahren dazu ein, das ehemalige Kloster Dalheim mit einer mittelalterlichen Reisetasche zu entdecken.

Eintrittspreise

Erwachsene 7 Euro, ermäßigt 4,50 Euro, Gruppen (ab 16 Personen) 5,80 Euro (je Person), Kinder / Jugendliche bis 17 Jahre und LWL-MuseumsCards/LVR-Museumskarte sowie Mitglieder vom Verein der Freunde: Eintritt frei.

Das Klosterwirtshaus ist geöffnet, aber anders als im regulären Museumsbetrieb während des Klostermarktes nicht frei zugänglich.

Hunde sind angeleint auf dem gesamten Klostergelände erlaubt – nicht erlaubt sind Hunde im LWL-Museum und in den Klostergärten.

Aufgrund einer Baustelle an der B68 in der Stadtmitte von Lichtenau wird Autofahrern aus Richtung Paderborn kommend eine weiträumige Umfahrung des Stadtkerns von Lichtenau empfohlen.

Alternativ können für die Anfahrt öffentliche Verkehrsmittel genutzt werden. Am Klostermarkt-Wochenende werden ab Paderborn Hauptbahnhof (Busbahnhof Steig 2) Sonderbusse eingesetzt. Zwischen 9.25 Uhr und 17.25 Uhr fährt alle zwei Stunden ein Bus über Paderborn, Dörenhagen und Lichtenau zur Haltestelle Dalheim-Mitte. Gleiches gilt für die Rückfahrten zwischen 10.15 Uhr und 18.15 Uhr. Der Busfahrplan ist unter https://www.fahr-mit.de und auf der Klostermarkt-Webseite abrufbar.

Das direkt an der Paderborner-Land-Route gelegene Kloster Dalheim erreichen Besucher:innen außerdem mit dem Fahrrad von Paderborn, Bad Lippspringe, Altenbeken, Lichtenau, Salzkotten, Büren und Bad Wünnenberg aus. Alternativ können je nach Startpunkt auch der Altenauradweg, der Almeradweg, die Mühlenroute und weitere Fahrradwege genutzt werden. Die Fahrradweg-Ausschilderungen nach „Lichtenau-Dalheim“ oder zum „LWL-Kloster Dalheim“ weisen den Weg. Gegenüber dem Museumseingang stehen Fahrradstellplätze zur Verfügung. Für E-Bikes gibt es dort auch sechs Ladestationen, die während des Klostermarktes kostenlos genutzt werden können.

Weitere Informationen unter Telefon 05292 9319-0 oder auf der Webseite https://www.dalheimer-klostermarkt.lwl.org