Das „Objekt im Fokus“ erinnert im Juli und August 2026 an die Geschichte der Mindener Straßenbahn.
Minden. Das Mindener Museum zeigt in den Monaten Juli und August 2026 als „Objekt im Fokus“ ein historisches Schild mit der Aufschrift „Strassenbahn – Minden G. m. b. H.“. Das Objekt stammt aus der Zeit um 1914 und wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt in die Sammlung des Museums gegeben.
In der Sammlung des Mindener Museums werden rund 60.000 Objekte bewahrt. Obwohl Dauer- und Sonderausstellungen sowie Leihgaben regelmäßig Einblicke ermöglichen, lagern etwa 95 Prozent der Sammlung verborgen im Magazin. Mit Kabinettausstellungen und dem alle zwei Monate präsentierten „Objekt im Fokus“ stellt das Museumsteam die Vielfalt der Sammlung, ihre Geschichte und das Wissen über einzelne Objekte vor.
Das rechteckige Schild besteht aus schwarzem, poliertem Marmor. Der Naturstein setzt sich aus den Mineralien Calcit und Dolomit sowie Kalkstein zusammen. Rückstände von Erdöl, Bitumen, Graphit oder Mangan verleihen dem Stein seine schwarze Farbe.
Der Schriftzug „Strassenbahn – Minden G. m. b. H.“ wurde vermutlich von Hand mit Hammer und Meißel in den Stein eingehauen. Anschließend wurde wahrscheinlich Lack in die Vertiefungen aufgetragen und mit Blattgold belegt. Die Großbuchstaben „S“ und „M“ sind mit feinen geometrischen Linien verziert. An den Ecken befinden sich Löcher, die vermutlich zur Befestigung an einer Wand dienten.
Material und Gestaltung weisen darauf hin, dass das Schild im Jugendstil angefertigt wurde. Diese Kunstepoche, die etwa von 1890 bis 1914 reicht, verwendete neben stark von der Natur inspirierten, fließenden Linien auch geometrische Formen. Die hochwertige Ausgestaltung lässt vermuten, dass das Schild für einen repräsentativen Ort bestimmt war. Möglicherweise hing es am Eingang des Verwaltungsgebäudes der Mindener Straßenbahn. Dieses Gebäude befand sich zusammen mit dem Betriebshof an der Portastraße 21 in Minden.
Eine Dampfstraßenbahn fuhr bereits 1893 zwischen der Mindener Innenstadt und dem Hotel Kaiserhof in Porta Westfalica. Sie war vor allem für Ausflüge zum 1896 eingeweihten Kaiser-Wilhelm-Denkmal gedacht. Im Jahr 1914 wurde die „Straßenbahn Minden GmbH“ von der Stadt Minden, der Provinz Westfalen und dem Elektrizitätswerk Minden-Ravensberg gegründet. Das Elektrizitätswerk war für den Betrieb zuständig und übernahm 1928 die Anteile der anderen Gesellschafter. Das Werk beschäftigte etwa 50 Mitarbeiter*innen.
Mit der Fertigstellung einer neuen Weserbrücke im Jahr 1915 konnte eine elektrische Straßenbahn vom Markt zum Bahnhof gebaut werden. Die 1920 eröffnete Strecke führte über die ehemalige Hohnstraße, heute Scharn, und die Bäckerstraße. Im selben Jahr wurde auch die Strecke nach Porta elektrifiziert. Das Streckennetz wurde im Laufe der Jahre weiter ausgebaut und beeinflusste auch den Siedlungsbau. Zusammen mit der Linie zum Nordfriedhof entstanden viele Gebäude an der Marienstraße.
Im Zweiten Weltkrieg wurden Teile der Gleise zerstört. Beim Wiederaufbau der Stadt diente die Straßenbahn als „Trümmer-Express“ zum Abtransport von Schutt. In den 1950er Jahren sanken die Fahrgastzahlen, zugleich wurde die Bahn zunehmend als Hindernis für Autos wahrgenommen. Die Linien wurden nach und nach eingestellt. Am 29. Dezember 1959 fuhr die letzte Straßenbahn durch Minden. Die Gleise wurden 1960 abgebaut, der Betriebshof an der Portastraße 1977 abgerissen. Lediglich die Wartehalle blieb erhalten. Fast alle Fahrzeuge wurden verschrottet.
Heute sind nur noch wenige Spuren der Mindener Straßenbahn zu finden. Ein erhaltener Beiwagen ist im Kleinbahnmuseum Enger zu sehen. Das im Mindener Museum präsentierte Marmorschild erinnert damit an ein wichtiges Kapitel der lokalen Verkehrsgeschichte.






