Mindener Museum – Objekt im Fokus

Objekt im Fokus „Pickelhaube, 1914-1918″
 
Pickelhaube des letzten Adjutanten des in Minden stationierten Hannoverschen Pionier-Bataillons Nr. 10 aus der Sammlung des Mindener Museum.

Pickelhaube des letzten Adjutanten des in Minden stationierten Hannoverschen Pionier-Bataillons Nr. 10 aus der Sammlung des Mindener Museum.

Minden. In der Sammlung des Mindener Museums werden rund 60.000 Objekte bewahrt. Trotz Dauer- und Sonderausstellungen oder Leihgaben an andere Museen lagern 95% der Sammlung verborgen im Magazin. Die Vielfalt und die Geschichte der Sammlung und das Wissen über die Objekte stellt das Museumsteam regelmäßig in Kabinettausstellungen vor. Alle zwei Monate wird außerdem ein „Objekt im Fokus“ im Foyer des  Museums ausgestellt und dort seine Geschichte erzählt.

 
Das Objekt im Fokus in den Monaten Mai und Juni ist eine Pickelhaube, die der letzte Adjutant des in Minden stationierten Hannoverschen Pionier-Bataillons Nr. 10 zu Beginn des Ersten Weltkriegs trug. Das Objekt kam als Geschenk des Obersts a. D. Reiche im November 1955 in die Sammlung des Mindener Museums. Die Pickelhaube, dessen offizielle Bezeichnung „Lederhelm mit Spitze“ war, galt als ein nationales Symbol Preußens. Ihren Ursprung hatte sie in den Helmen mit Metallspitze, die der preußische König Friedrich Wilhelm IV. den Offizieren im Jahre 1843 verordnete. Später rüstete man auch Polizisten damit aus. Die Pickelhaube galt nach 1871 als ein identitätsstiftendes Sinnbild des Deutschen Reiches, wurde aber von vielen als Symbol des preußischen Militarismus wahrgenommen.
 
Die Helme wurden aus gefestigtem Leder mit Metallverstärkungen hergestellt. Sie verfügten über Belüftungslöcher im Fuß der Metallspitzen. Diese konnten seit 1895 abgeschraubt und bei Paraden gegen helles oder schwarzes Büffelhaar ausgetauscht werden. An der Ausführung der Pickelhaube konnte man den Dienstrang und Stand des Besitzers und dessen Zugehörigkeit zu Waffengattung und Regiment erkennen und zuordnen.
 Zwar waren die Helme ein wirksamer Schutz gegen Hiebe und Kolbenschläge, jedoch erschwerten die Spitzen die Tarnung der Soldaten. Sie waren eine Einladung für gegnerische Scharfschützen. Bereits während der Einigungskriege 1864/66 und 1870/71 veränderte sich daher die Trageweise: Die Soldaten zogen mit verkürzter Spitze in den Krieg. Seit 1892 trug man zusätzlich noch einen beigefarbenen Tarnüberzug zum Helm. Modelle ab 1895 besaßen eine abnehmbare Spitze. Im Ersten Weltkrieg erwies sich die Pickelhaube infolge der modernen Waffentechnik für den Krieg im Schützengraben als unbrauchbar. Die Lederhelme schützten nicht gegen Granatsplitter. Daher etablierte sich ab 1916 der Stahlhelm. Das Objekt im Fokus ist ein Offiziershelm aus schwarzem Lederkörper mit einer abnehmbaren silbernen Spitze, die durch Schrauben unterhalb der vier Goldsterne befestigt ist. Rechts und links ist das Helmband mit Kokarden verziert: Auf der rechten Seite werden die nationalen Farben in einem schwarz-weiß-rotem Emblem dargestellt, links die schwarz-weißen Farben Preußens. Auf der Vorderseite ist der preußische Adler zu erkennen. Die Inschrift „Mit Gott für König und Vaterland“ steht unter der
schwarzen Inschrift „Peninsula Waterloo“. Diese identitätsstiftende Inschrift sollte eine Tradition des Pionier-Bataillons aus den Befreiungskriegen begründen.
 
1803 entstand durch Anwerbung von überwiegend hannoverschen Offizieren und Soldaten die „Deutsche Legion“ im
Kampf gegen Napoleon. Von 1714 bis 1837 waren die Kurfürsten von Braunschweig-Lüneburg bzw. Könige von Hannover in Personalunion gleichzeitig Könige von Großbritannien. Die Legion erhielt darum für ihre Tapferkeit mehrere britische Auszeichnungen, darunter „Peninsula“ und „Waterloo“. Mit Peninsula War bezeichnen die Briten den Krieg gegen Napoleon auf der Spanischen Halbinsel (lateinisch: Peninsula) zwischen 1808 und 1814. In der Schlacht von Waterloo 1815 wurde Napoleon endgültig besiegt. Bei der Aufstellung des Bataillons 1853 übernahmen die Pioniere diese Tradition.
Die Pioniere waren in Minden im Fort B untergebracht. Anfang November 1918 sollten sie die beginnende Revolution in Hamburg-Harburg niederschlagen. Dies gelang aber nicht mehr. Bei ihrer Rückkehr nach Minden sollen die Pioniere vor Wut ihre Pickelhauben zerschlagen haben.
 
Foto: Mindener Museum
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