Grabung auf dem Piepenkopf öffnet am 9. August

Internationales Forschungsteam gibt Einblicke in die Untersuchung der eisenzeitlichen Wallanlage

Dörentrup. Die Grabung auf dem Piepenkopf steht am Sonntag, 9. August 2026, von 10 bis 15 Uhr Besucherinnen und Besuchern offen. Das internationale Forschungsteam erläutert an diesem Tag die Grabungsfelder und die bisherigen Ergebnisse der archäologischen Untersuchungen an der eisenzeitlichen Wallanlage.

Übergabe des Transportfahrzeuges am Piepenkopf (v. l.): Dr. Elke Treude (Bodendenkmalpflegerin im Kreis Lippe und stellv. Leiterin des Lippischen Landesmuseums), Landrat Meinolf Haase, Archäologe Ian Dennis (Cardiff University), Verbandsvorsteher Jörg Düning-Gast und Dr. Michael Zelle (Leiter des Lippischen Landesmuseums).

Dr. Elke Treude, Meinolf Haase, Ian Dennis, Jörg Düning-Gast und Dr. Michael Zelle vor einem roten Fahrzeug bei der Grabung auf dem Piepenkopf © Foto: LLM

Seit 2017 untersuchen das Lippische Landesmuseum Detmold und die Cardiff University gemeinsam prähistorische Wallburgen in Lippe. Auch 2026 sind Archäologinnen und Archäologen sowie Studierende aus Wales und Norwegen an dem Projekt beteiligt. Sie haben ihr Quartier in der Burg Sternberg bezogen und arbeiten täglich an der Anlage auf dem Piepenkopf.

Die Grabung auf dem Piepenkopf soll weitere Erkenntnisse über den Aufbau, die Infrastruktur und die Bedeutung der Wallburgen für die eisenzeitlichen Menschen im heutigen Lippe liefern. Der Untersuchungszeitraum umfasst etwa das 3. bis 1. Jahrhundert v. Chr. Die Wallanlage auf dem Piepenkopf wird nach dem aktuellen Forschungsstand in das 3. Jahrhundert v. Chr. datiert und gehört zu den am besten erhaltenen Anlagen im Kreis Lippe.

Frühere Bauphase und Spuren eines Feuers

Bei den aktuellen Arbeiten legt das Team Strukturen unterhalb des steinernen Tores frei. Nach Angaben von Dr. Elke Treude, Bodendenkmalpflegerin im Kreis Lippe und stellvertretende Leiterin des Lippischen Landesmuseums, könnten sie zu einer früheren Bauphase gehören. Zudem werden Bereiche der Innenbebauung untersucht.

Keramikfunde geben Hinweise auf den eisenzeitlichen Alltag innerhalb der Wallanlage. Besondere Aufmerksamkeit gilt außerdem einer 25 bis 30 Zentimeter starken Schicht aus schwarzer Holzkohle. Nach Einschätzung des Archäologen Ian Dennis von der Cardiff University deutet sie darauf hin, dass die Wallburg vermutlich um 250 v. Chr. von einem größeren Schadensfeuer betroffen war. Dabei könnten Teile der Befestigung zerstört worden sein.

Bei früheren Grabungen wurden mehrere Dutzend Scherben und Spinnwirtel entdeckt. Die Spinnwirtel gelten als Hinweis auf Textilproduktion. Die Keramikscherben stammen unter anderem von Vorratsgefäßen und auffällig vielen fein gearbeiteten Trinkschalen. Ein Ziel der Untersuchungen ist es, die Fragen zu beantworten, wer auf dem Piepenkopf lebte und wie die Anlage genutzt wurde.

Internationale Zusammenarbeit seit 2016

Das Lippische Landesmuseum Detmold und die Cardiff University kooperieren seit 2016. Koordiniert wird die Zusammenarbeit von Dr. Michael Zelle und Dr. Elke Treude. Die Cardiff University nutzt das Projekt zugleich für die Ausbildung ihrer Studierenden, die vor Ort das archäologische Grabungshandwerk erlernen.

Die Untersuchungen sollen auch archäologische Informationen sichern, bevor Fundstellen durch Umwelteinflüsse oder Raubgräberei undokumentiert beschädigt werden. Für das Lippische Landesmuseum ist das Projekt Teil seines Forschungsschwerpunktes zur vorrömischen Eisenzeit.

Der Landesverband Lippe stellt dem Team aus Cardiff die Unterburg der Burg Sternberg kostenfrei als Quartier zur Verfügung. Der Kreis Lippe unterstützt die Kampagne 2026 zudem mit einem Fahrzeug für den Transport der Studierenden. Landrat Meinolf Haase und Verbandsvorsteher Jörg Düning-Gast übergaben das Fahrzeug zu Beginn der Arbeiten und informierten sich über den Stand der Ausgrabung.

Tag der offenen Grabung

Beim Tag der offenen Grabung am Sonntag, 9. August 2026, steht das gesamte Forschungsteam von 10 bis 15 Uhr für Fragen bereit und stellt die Grabungsfelder sowie die bisherigen Ergebnisse vor. Ein Shuttle-Service kann auf Nachfrage ab der Einfahrt zur Maibolte angeboten werden. Anmeldungen sind unter den Telefonnummern 0171-3072580 und 0175-6181014 möglich. Weitere Informationen gibt es unter www.landesverband-lippe.de.

Hintergrundinformation

 Projekt

Seit  2016  kooperieren  das  Lippische  Landesmuseum  Detmold  und  die  Cardiff  University  (Wales).  Koordiniert  wird  die  Zusammenarbeit  von  Dr.  Michael  Zelle  und  Dr.  Elke  Treude,  beide  Lippisches  Landesmuseum  Detmold.  Seit  2017  führen  die  beiden  Partner  das  gemeinsame  Projekt  zur  Erforschung  der  lippischen  Wallburgen/Wallanlagen  aus  der  Eisenzeit  durch.  Bisherige  Grabungen:

  • 2016: Falkenburg  (Mittelalterliche  Dynastenburg)
  • 2017:   Grotenburg  und  Piepenkopf ( Eisenzeitliche  Ringwallanlagen)
  • 2018: Grotenburg  und  Piepenkopf  (Eisenzeitliche  Ringwallanlagen)
  • 2019: Wallanlage  Piepenkopf
  • 2022:   Wallanlage  Piepenkopf
  • 2023: Wallanlage  Piepenkopf
  • 2024: Wallanlage  Piepenkopf
  • 2025: Wallanlage  Piepenkopf
  • 2026: Wallanlage  Piepenkopf

 Kampagne  2026

Grabungsdauer:  17.07.26  bis  14.08.26

 Wallanlage  Piepenkopf  (Gemeinde  Dörentrup-Hillentrup)

Der  Piepenkopf  ist  eine  der  am  besten  erhaltenen  Wallanlagen/Wallburgen  im  Kreis  Lippe.  Datiert  wird  sie  nach  aktuellem  Forschungs-  stand  ins  3.  Jahrhundert  vor  Christus.  Projektziel  für  den  Piepenkopf  ist  eine  Funktionsanalyse  „Wer  lebte  hier  Wann  und  Wie?“

Bis  2017  gab  es  hier  nur  kleinere  Grabungen,  vorwiegend  im  Bereich  des  Walles,  aber  keinerlei  Untersuchungen  der  inneren  Siedlungsfläche.  Durch  die  bisherigen  Grabungen  konnten  mehrere  Dutzend  Scherben  und  Spinnwirtel  (Hinweis  auf  Textilproduktion)  gefunden  werden;  die  Scherben  gehörten  zu  Vorratsgefäßen  und  auffällig  vielen  Trinkschalen  (fein  gearbeitet).