Das Wohnprojekt in der HafenCity verbindet Architektur, Kreislaufwirtschaft und inklusives Wohnen – mit Aluminiumprofilen, die zuvor Teil einer Kunstinstallation waren.
Bielefeld. Das Wohnprojekt „Belle Harbour“ in der Hamburger HafenCity verbindet Architektur, Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung auf besondere Weise. Der filigrane Wohnturm mit klar gegliederter Fassade, vertikalen Einschnitten für Balkone und markanter Dachkrone mit Garten setzt einen Akzent im Stadtbild und steht zugleich für ressourcenschonendes Bauen und inklusives Wohnen.

Fotograf: Alex Bach Architekturfotografie // Nutzungsrecht: Schüco International KG
Der filigrane Wohnturm mit seiner klar gegliederten Fassade, den vertikalen Einschnitten für Balkone und der markanten Krone mit Dachgarten setzt einen markanten Akzent im Stadtbild.
Entwickelt wurde Belle Harbour vom Berliner Büro Winking Froh Architekten. Das Projekt umfasst siebzehn Wohnungen, Gemeinschaftsflächen und eine Dachterrasse, die als Ort des Miteinanders für Familien und sehbehinderte Menschen konzipiert sind. Skulpturale Einschnitte gliedern das Bauvolumen, eröffnen großzügige Balkone und verstärken die vertikale Wirkung des Gebäudes.
Die massive Dachkrone mit Garten und Gemeinschaftsterrasse bildet den Abschluss des Wohnturms. Hier verdichtet sich das Konzept eines inklusiven, gemeinschaftlich gedachten Wohnens: Menschen mit und ohne Sehbehinderung leben zusammen, unterstützt durch barrierefreie Planung, spezielle Orientierungshilfen sowie ein ergänzendes Mobilitäts- und Lernangebot.
Konsequent zirkulär geplant
Grundlage des Projekts ist die Umsetzung der Vorgaben des Umweltzeichens der HafenCity Hamburg in fünf Kategorien. Dabei werden unter anderem die Recyclingfähigkeit und die Umweltwirkung der Materialien betrachtet. „Wir nehmen die Anforderungen der HafenCity sehr ernst“, betont Dr. Stephanie Gamm, Gründerin und Projektleiterin von Belle Harbour. „Jedes Material wird bei uns im Lebenszyklus betrachtet – von der Herstellung bis zum möglichen Rückbau. Unser Ziel ist es, graue Energie zu vermeiden, CO₂ zu reduzieren und Baustoffe so auszuwählen, dass sie sich später trennen und wiederverwenden lassen. Damit entsteht ein Haus, das nicht nur effizient betrieben wird, sondern eines Tages selbst Teil des Materialkreislaufs sein kann.“
Aluminiumprofile mit besonderer Vorgeschichte
Ein bemerkenswerter Aspekt der Entstehungsgeschichte betrifft die Fensterprofile. Die rund 500 Aluminiumprofile, aus denen etwa 160 Fenster gefertigt wurden, hatten bereits ein erstes Leben – allerdings nicht als Bauelemente, sondern als Teil einer Kunstinstallation beim Hamburger Architektursommer 2023.
Damals errichtete das Künstlerkollektiv „umschichten“ auf den Magellan-Terrassen in unmittelbarer Nähe zur Elbphilharmonie einen Pavillon aus Aluminium und Holz. Die ursprünglich für Fenster vorgesehenen Profile wurden zu einer raumgreifenden Skulptur, die als Bühne, Treffpunkt und Denkraum diente.
„Unsere Projekte, die sich mit Zirkularität beschäftigen, sind geprägt von einem behutsamen Umgang mit dem Material – aber immer unter der Prämisse, dass man sie auch wieder sortenrein dekonstruieren kann, damit sie weiterwandern können. Das mündet letztendlich in einer Wertschätzung unserer Ressourcen“, beschreibt Künstler Lukasz Lendzinski die Botschaft der Installation.
Gebäude als Rohstofflager der Zukunft
Nach Ende des Architekturfestivals wurden die Aluminiumprofile sortenrein zurückgebaut, eingelagert, überprüft und neu beschichtet. Anschließend flossen sie in den Produktionsprozess zurück und wurden durch Geerds Metallbau zu Fensterrahmen weiterverarbeitet. Im Projekt Belle Harbour fanden sie schließlich ihren endgültigen Bestimmungsort.
„Die Profile wurden wie Neumaterial verarbeitet“, berichtet Karl Geerds. „Weder in der Produktion noch bei der Montage haben wir Unterschiede gemerkt.“ Die zuvor von Schüco koordinierte Qualitätsprüfung und das Gutachten des Beschichters bestätigten, dass die wiedergewonnenen Profile uneingeschränkt verwendbar sind.
„Das Projekt war für uns ein echtes Pilotvorhaben“, ergänzt Geerds. „Es zeigt, dass Recycling im Aluminiumsektor technisch problemlos möglich ist – und zwar ohne Qualitätsverlust.“
Auch Jochen Strellmann, Leiter des Projektgeschäfts in Hamburg, sieht darin ein Beispiel für die Zukunft des Bauens: „Gebäude sind Rohstofflager. Alles, was wir hier verbauen, hat auch nach dem Ende der Lebenszeit des Gebäudes noch einen Wert.“ Durch moderne Trenn- und Sortierverfahren können Aluminiumfenster nahezu vollständig recycelt werden – bis zu 98 Prozent des Materials lassen sich wieder in den Kreislauf zurückführen.
„Diese Zwischennutzung der Profile zeigt, dass Gebäude Rohstofflager sind – und dass dieser Rohstoff zugleich ein Wertstoff ist, der am Ende seiner Nutzungsdauer weiterverwertet werden kann“, fasst Strellmann zusammen.
Belle Harbour setzt damit in mehrfacher Hinsicht Maßstäbe – architektonisch, gesellschaftlich und ökologisch. Die Geschichte der Aluminiumprofile, von der Kunstinstallation über den Rückbau bis zum Einbau, steht beispielhaft für einen neuen Umgang mit Ressourcen. Getreu dem Motto „Umschichten“ von Material, Architektur und Stadt aus dem Hamburger Architektursommer wurde aus einem temporären Kunstobjekt ein dauerhafter Baustein für nachhaltiges Wohnen.
Bautafel
Objekt: Belle Harbour
Standort: HafenCity Hamburg
Bauherr: Belle Harbour GbR
Architekturbüro: Winking Froh Architekten, Berlin
Verarbeiter: Geerds Metallbau GmbH
Fertigstellung: 2024
Schüco Systeme:
Fenstersysteme: Schüco AWS 90.SI+ (Aluminium Window System, 90 mm Bautiefe, Super Insulated), C2C Silber zertifiziert; Schüco AWS 75.SI+ (75 mm Bautiefe, Super Insulated), C2C Silber zertifiziert; Schüco AWS 70.HI (70 mm Bautiefe, High Insulated), C2C Silber zertifiziert; Schüco Verbundfenstersystem AWS 120 CC.SI (Composite Construction, Super Insulated) mit integriertem Sonnenschutzsystem CCB (Concealed Composite Blind), C2C Silber zertifiziert.
Türsystem: Schüco AD UP 90 (Aluminium Door, Universal Platform, 90 mm Bautiefe), C2C Silber zertifiziert.
Lüftungssysteme: Schüco VentoAir (mechanischer Lüfter für den Fensterfalz), Schüco Vento Frame (blendrahmenintegrierter selbstregulierender Fensterlüfter).
Gebäudeautomation: Magnetschalter.
Über Schüco
Die Schüco Gruppe mit Hauptsitz in Bielefeld entwickelt und vertreibt Systemlösungen für die Gebäudehülle aus Aluminium, Stahl und Kunststoff. Das Produktportfolio umfasst Fenster-, Tür-, Fassaden-, Lüftungs-, Sicherheits- und Sonnenschutzsysteme sowie intelligente und vernetzbare Lösungen für den Wohn- und Objektbau.
Darüber hinaus bietet Schüco Beratung und digitale Lösungen für alle Phasen eines Bauprojektes – von der initialen Idee über Planung, Fertigung und Montage bis hin zum After-Sales-Service mit Wartung und Instandhaltung. Ergänzt wird das Portfolio durch Maschinen zur Fertigung und kundennahen Service.
Als eines der führenden Unternehmen der Bauindustrie hat sich Schüco dem Ziel verschrieben, Vorreiter für ganzheitliche Nachhaltigkeit zu sein und mit seinen Produkten und Services einen aktiven Beitrag zur Verwirklichung von Klimaneutralität und Kreislaufwirtschaft im Bauwesen zu leisten. 1951 gegründet, ist Schüco heute in mehr als 80 Ländern aktiv und hat mit 6.850 Mitarbeitenden im Jahr 2024 einen Jahresumsatz von 2,05 Milliarden Euro erwirtschaftet.
Weitere Informationen gibt es unter www.schueco.de.





