In diesem Jahr feiert der Studienfonds OWL sein 20-jähriges Bestehen.

Oberbürgermeisterin Dr. Christiana Bauer mit HSBI-Präsidentin Prof. Dr. Ingeborg Schramm-Wölk, Vorstandsvorsitzende des Studienfonds OWL. (Foto: P. Pollmeier/HSBI)
Bielefeld (hsbi). Das Talentförderprogramm der fünf staatlichen Hochschulen der Region genießt bundesweit Anerkennung und hat in der Bielefelder Oberbürgermeisterin Dr. Christiana Bauer eine besonders prominente ehemalige Stipendiatin. Im Gespräch mit HSBI-Präsidentin Prof. Dr. Ingeborg Schramm-Wölk, Vorstandsvorsitzende des Studienfonds OWL, berichtet Bauer über die wichtige finanzielle und ideelle Förderung durch die Stiftung.
Sie hatte nicht unbedingt die besten Startbedingungen für eine akademische Ausbildung. Weder finanziell noch von der Inspiration durch das Elternhaus her war der Weg ins Studium für Dr. Christiana Bauer vorgezeichnet. Doch nach einer Lehre in der öffentlichen Verwaltung nutzte sie ihre Talente, um erfolgreich den sogenannten zweiten Bildungsweg zu beschreiten: Sie zog nach Bielefeld, holte das Abitur nach, begann ein Jurastudium an der Universität und bewarb sich erfolgreich für ein Deutschlandstipendium des Studienfonds OWL. „Zusammen mit meinem Lohn als studentische Hilfskraft kam ich ganz gut über die Runden und konnte mich voll und ganz auf das Jurastudium konzentrieren“, erinnert sich die heutige Bielefelder Oberbürgermeisterin an die Zeit ihrer Förderung zwischen 2011 und 2015.
Studienfonds OWL hat Pionierarbeit für ganz Deutschland geleistet
Anlass für die Rückschau der ehemaligen Stipendiatin ist das 20-jährige Jubiläum des Studienfonds OWL, das am 28. Mai feierlich im Heinz Nixdorf MuseumsForum Paderborn begangen wird. Im Vorwege der Veranstaltung kam es an der Hochschule Bielefeld (HSBI) zu einem Erfahrungsaustausch zwischen der Oberbürgermeisterin und der Vorstandsvorsitzenden des Studienfonds OWL, HSBI-Präsidentin Prof. Dr. Ingeborg Schramm-Wölk. „Der bisherige Lebensweg von Dr. Christiana Bauer zeigt den wunderbaren Einfluss, den die Arbeit des Studienfonds OWL auf die Persönlichkeitsentwicklung, das Studium und die spätere berufliche Karriere von jungen Menschen hat – eine Arbeit mit Pioniercharakter, die über Jahrzehnte aufgebaut wurde, bundesweit viele Nachahmer gefunden hat und bis heute große Anerkennung findet“, so Schramm-Wölk.
Ein übergeordnetes Ziel der Arbeit des Studienfonds ist es, das Selbstbewusstsein und die Selbstwirksamkeit von jungen Menschen zu steigern. „Neben der finanziellen Förderung war für mich auch die ideelle Förderung durch den Fonds enorm wichtig“, bestätigt Christiana Bauer. Sie erinnert sich an Kamingespräche mit herausragenden Persönlichkeiten, an Begegnungen mit Spender:innen, an Einblicke, die der Fonds seinen Stipendiat:innen ins Berufsleben ermöglichte. „Der Studienfonds OWL öffnet Türen, die einem ansonsten verschlossen bleiben“, so Bauer. Sie erlebte so bereits in jungen Jahren, wie wichtig ein weitgespanntes Netzwerk sein kann, um Erfahrungen zu sammeln und Kontakte zu knüpfen.
Ideelle Förderung wichtig für die Persönlichkeitsentwicklung
Immer wieder konnte der Studienfonds prominente Gastredner gewinnen, die mit den Stipendiat:innen ins Gespräch kamen, darunter Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der inzwischen verstorbene Bundesumweltminister Klaus Töpfer und Persönlichkeiten, die in der Wirtschaft, Wissenschaft und den staatlichen Institutionen Verantwortung tragen. Fest etabliert ist inzwischen das Format „Studienfonds Generale“, zu dem regelmäßig Keynote-Speaker zu gesellschaftspolitischen Themen eingeladen werden. Auch der regelmäßige Kontakt zu ehemaligen Stipendiat:innen, die sich in der Studienfonds Community zusammengeschlossen haben, gehört zum Gesamtpaket. „Der Studienfonds ist ein Ort des generationsübergreifenden Diskurses, der unverzichtbar ist für unsere Gesellschaft in dieser Zeit, in der wir immer wieder auch um Werte ringen“, unterstreicht Schramm-Wölk. „In OWL können wir stolz sein auf unseren Studienfonds. Er trägt zur Reputation der Region bei und ist ein Ausdruck für die sehr gute Zusammenarbeit von Wissenschaft, Wirtschaft und öffentlichen Institutionen in OWL.“
Gegründet wurde der Studienfonds OWL 2006 von den fünf Staatlichen Hochschulen der Region, Hochschule Bielefeld, Hochschule für Musik Detmold, Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe, Universität Bielefeld und Universität Paderborn. Es war die erste Kooperation dieser Art in Deutschland. Zunächst wirkte der Fonds als Verein, 2009 wurde er in eine Stiftung überführt. Die Arbeit des Studienfonds wurde einst von Johanna Wanka, der ehemaligen Bundesministerin für Bildung und Forschung, als „Blaupause für das Deutschlandstipendium“ bezeichnet. Bereits 2013 prämierten der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und das damalige Bundesministerium für Bildung und Forschung den Studienfonds OWL als „bestes ideelles Förderprogramm bundesweit“.
Ziel von 25 Millionen Euro Gesamtfördersumme im Blick – mehr Spenden willkommen!
Kein Förderprogramm ohne Förderer: Zahlreiche Unternehmen, Stiftungen und Privatpersonen engagierten sich seit der Gründung finanziell und inhaltlich, darunter die bekannten Namen aus der Region, aber auch viele weniger bekannte Spender. Seit der Gründung konnten so über 7.500 Stipendien vergeben werden. Zu der Zeit, als die heutige Bielefelder Oberbürgermeisterin gefördert wurde, musste sie sich jedes Jahr erneut bewerben. Das geschah in erster Linie durch Engagement und gute Leistungen, und die konnte Christiana Bauer vorweisen, sodass sie volle vier Jahre unterstützt wurde. Die heutige maximale Förderdauer beträgt drei Jahre, wobei zehn Prozent der Stipendien vorrangig nach sozialen Kriterien vergeben werden. Dazu zählt insbesondere finanzielle Bedürftigkeit. „Ich kann nur jedem empfehlen, sich um ein Stipendium zu bewerben“, sagt Dr. Christiana Bauer. „Ich habe enorm davon profitiert, finanziell und menschlich. Eine schnelle Auffassungsgabe, Offenheit und den Mut, die richtigen Fragen zu stellen – das konnte ich damals kultivieren und das hilft mir bis heute, wenn Entscheidungen innerhalb kurzer Zeit getroffen werden müssen, die die Lebensrealität vieler Menschen tagtäglich betreffen.“
Rund 2.000 Bewerbungen gehen pro Jahr beim Studienfonds OWL ein. Davon kann zurzeit ungefähr jeder vierte Antrag bewilligt werden. Diese Zahl würde der Fonds gern noch ein bisschen steigern. Denn: Die Fördersumme von 300 Euro pro Monat wird immer zur Hälfte vom Bund und zur anderen Hälfte vom Studienfonds OWL selbst getragen. Der Bund hat zurzeit Mittel bereitgestellt, die theoretisch für eine Vergabe von 850 Stipendien pro Jahr in OWL genügen würden. Da der Studienfonds aber zuletzt „nur“ Gelder für gut 500 Stipendien einsammeln konnte, bleibt die Anzahl der Geförderten unter den maximalen Möglichkeiten. Gemeinsam mit ihren Mitstreiterinnen von der vierköpfigen Geschäftsstelle des Studienfonds OWL und ihren Vorstandskolleg:innen hofft die Vorstandsvorsitzende deshalb, dass im Jubiläumsjahr weitere Spender:innen gewonnen werden. Dann würde der Studienfonds womöglich auch die magische Zahl von 25 Millionen Euro an eingeworbenen Spendengeldern seit der Gründung erreichen. Christiana Bauer: „Das wäre aus meiner Sicht ein schöner und überaus verdienter Erfolg!“





