Smartphone-Hygiene: Paderborner Psychologe warnt vor Ablenkung

In der neuen Folge von „Wissen2Wirtschaft …und zurück“ erklärt Prof. Dr. Sven Lindberg von der Universität Paderborn, warum klare Smartphone-Regeln wirksamer sein können als Verbote.

Paderborn. Schon ein ausgeschaltetes Smartphone auf dem Schreibtisch kann die Konzentration deutlich senken. Eine Studie von Prof. Dr. Sven Lindberg von der Universität Paderborn zeigt: Liegt das Gerät in Sichtweite, sinkt die Konzentrationsleistung um 12 bis 15 Prozent. In der neuen Folge von „Wissen2Wirtschaft …und zurück“ erklärt der Psychologe, warum Verbote aus seiner Sicht zu kurz greifen und welche Regeln im Alltag helfen können.

Foto (WFG/Tobias Vorwerk) Prof. Dr. Sven Lindberg von der Universität Paderborn bei der Aufnahme der neuen Folge von "Wissen2Wirtschaft …und zurück"

Foto (WFG/Tobias Vorwerk) Prof. Dr. Sven Lindberg von der Universität Paderborn bei der Aufnahme der neuen Folge von „Wissen2Wirtschaft …und zurück“

Lindberg ist Professor für klinische Entwicklungspsychologie an der Universität Paderborn. Gemeinsam mit Doktorandin Jeanette Skowronek hat er untersucht, wie Smartphones unsere Aufmerksamkeit beeinflussen. Das Ergebnis: Auch wenn das Gerät ausgeschaltet ist, wirkt sich seine bloße Anwesenheit negativ auf die Konzentration aus. Die Studie wurde unter anderem von der New York Times zitiert. Im Podcast der Universität Paderborn und der Wirtschaftsförderung Paderborn spricht Lindberg mit Moderatorin Selina Hare über die Folgen für Schule, Familie und Arbeitswelt.

Smartphone-Hygiene statt Verbot

In Australien gilt seit Dezember 2025 ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 Jahren. Auch in Deutschland wird über solche Maßnahmen diskutiert. Lindberg hält reine Verbote jedoch für zu kurz gedacht. Stattdessen plädiert er für klare Regeln im Alltag – in Schulen, Familien und Unternehmen.

Dafür verwendet er den Begriff „Smartphone-Hygiene“. Gemeint sind feste Zeiten und Orte ohne Gerät, etwa beim Essen, vor dem Schlafengehen oder während konzentrierter Lernphasen.

Warum Reels keine echte Erholung sind

Ein häufiger Reflex im Arbeitsalltag ist es, kurz das Smartphone zur Hand zu nehmen, durch Reels zu scrollen und vermeintlich den Kopf freizubekommen. Genau das sei laut Lindberg der falsche Weg. Für echte Erholung brauche das Gehirn den sogenannten Default-Mode, also einen Ruhemodus ohne neue Reize.

„Wenn du dein Gehirn lüften möchtest, also einfach mal Gedanken schweifen lassen, dann machst du da tatsächlich genau das Falsche, weil die Reize, die durch die einzelnen Reels kommen, immer wieder diesen Aufmerksamkeitsmodus anschmeißen“, sagt Lindberg im Podcast. Sein Tipp: Handy aus, kurz spazieren gehen, Bäume anschauen oder einen Hund streicheln.

Auch Unternehmen profitieren von klaren Regeln

Was für Schule und Familie gilt, betrifft auch Büros und Werkstätten. Wer konzentriert arbeiten will, braucht Phasen ohne Bildschirmreize. Klare Regeln zum Smartphone-Umgang in Meetings, Fokuszeiten ohne Push-Nachrichten oder bewusst gerätefreie Pausen können die Produktivität spürbar erhöhen. Lindbergs Forschung liefert dafür eine wissenschaftliche Grundlage.

Paderborn als Positivbeispiel

Beim Blick auf die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen sieht Lindberg Paderborn gut aufgestellt. Die ausgeprägte Vereinskultur und ein funktionierender ÖPNV bieten Alternativen zum Bildschirm. Bewegung, soziale Kontakte und eigenständige Mobilität seien wichtige Gegengewichte zum digitalen Konsum.

„Wissen2Wirtschaft …und zurück“ ist der gemeinsame Podcast der Universität Paderborn und der Wirtschaftsförderung Paderborn. Die zweite Staffel erscheint alle zwei Wochen donnerstags. Alle Folgen sind auf wissen2wirtschaft.de und überall dort verfügbar, wo es Podcasts gibt.