HSBI-Student konstruiert Stahlbau der neuen Schulsternwarte im Kreis Minden-Lübbecke

Mick Koch, praxisintegrierter Student der Hochschule Bielefeld (HSBI), war als Konstrukteur und Projektleiter maßgeblich am Bau der neuen Schulsternwarte beteiligt. Die Sternwarte bietet Schülerinnen und Schülern Einblicke in die MINT-Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Träger der Einrichtung ist der Verein Schulsternwarte e.V., das Mindener Unternehmen Minda förderte das Projekt, das am 12. August seine Tore öffnet.

Minden. Sternwarten gibt es viele in Deutschland, aber die neue Schulsternwarte in Hille bei Minden sticht als Rohbau in vielerlei Hinsicht heraus: Ein Stahlgerüst mitten in der Natur, daneben steht ein grüner Containerblock, obendrauf liegt ein weißes Dach – auf den ersten Blick ist nicht erkennbar, dass hier bald Sterne beobachtet werden. Das Dach des Stahlbaus besteht aus einer wärmeschutzweiß gefärbten handelsüblichen Poolabdeckung, wie sie auch auf manch einem Gartenpool zu finden ist. „Das Dach wird wie bei einem Cabrio zurückgefahren. Dadurch kann man fast den gesamten Himmel anschauen und ist nicht auf das schmale Sichtfeld beschränkt, das herkömmliche Kuppeln bieten“, erklärt Prof. Dr.-Ing. Oliver Wetter. Er lehrt am Campus Minden der HSBI Elektrotechnik/Automatisierung. Wetter ist auch im Verein Schulsternwarte Minden e.V. als zweiter Vorsitzender aktiv. „Es war klar, dass wir Spenden benötigen, um den Bau realisieren zu können. Im Gespräch mit der Firma Minda kam der Vorschlag, uns mit Studierenden als Projektpersonal zu unterstützen. So kam Mick Koch zu dem Projekt.“

ick Koch studiert Maschinenbau am Campus Minden. Professor Dr.-Ing. Oliver Wetter lehrt an der HSBI Elektrotechnik/Automatisierung. Das Projekt Schulsternwarte haben sie in Zusammenarbeit mit Mitarbeitenden der HSBI und Minda umgesetzt.

Mick Koch studiert Maschinenbau am Campus Minden. Professor Dr.-Ing. Oliver Wetter lehrt an der HSBI Elektrotechnik/Automatisierung. Das Projekt Schulsternwarte haben sie in Zusammenarbeit mit Mitarbeitenden der HSBI und Minda umgesetzt.
© P. Pollmeier/HSBI

Wann baut man schon mal eine Sternwarte?“

Mick studiert am Campus Minden Maschinenbau mit Schwerpunkt Konstruktion. In dem praxisintegrierten Studiengang wechseln sich Praxis- und Theoriephasen ab: Der Maschinenbau-Student lernt in den Theoriephasen zwölf Wochen am Campus Minden. Anschließend arbeitet er für elf Wochen im Kooperationsunternehmen Minda Industrieanlagen und wendet die theoretischen Inhalte praktisch im Betrieb an. „Im Dezember 2021 fragte mich mein Chef, ob ich den Verein Schulsternwarte im Rahmen meiner Arbeitszeit bei der Realisierung des Projekts unterstützen möchte. Ich fand die Idee spannend und dachte, das ist eine einmalige Gelegenheit“, erzählt der 23-Jährige. „Wann baut man schon mal eine Sternwarte?“ Der angehende Ingenieur erlernt während seines Studiums technische, betriebswirtschaftliche und fremdsprachliche Kenntnisse und sammelt fundiertes Wissen im Projekt- und Qualitätsmanagement: „Das Schöne am Studium ist, dass man die Theorie in praktischen Projekten umsetzen kann“, so Koch.

Praxisprojekte im Studiengang Maschinenbau

Im praxisintegrierten Maschinenbaustudium am Campus Minden sind insgesamt drei Unternehmensprojekte vorgesehen: im vierten, fünften und sechsten Semester. Im ersten Projekt entwickelte der Student die Konstruktion der Sternwarte, in der zweiten Phase war er für die Umsetzung des Projekts zuständig. Dabei erhielt er tatkräftige Unterstützung von der Hochschule, Minda und vielen Freiwilligen: „Zu Beginn der Konstruktionsphase war vor allem der Architekt Michael Behnisch von der HSBI involviert. Und mein Ausbildungsleiter Herr Altvater bei Minda war immer ansprechbar.“ Inmitten der Coronazeit entstand das erste Praxisprojekt so fast ausschließlich am PC – mit Hilfe von CAD, einem computerbasierten Konstruktionstool.

Das Modell der Sternwarte neben dem Hiller Badesee im Kreis Minden-Lübbecke. Der Neubau der Sternwarte neben dem Hiller Badesee ist zu zwei Dritteln mit EFRE-Geldern gefördert, also mit Landes- bzw. EU-Mitteln. Der Rest kam durch Spenden zusammen.

Das Modell der Sternwarte neben dem Hiller Badesee im Kreis Minden-Lübbecke. Der Neubau der Sternwarte neben dem Hiller Badesee ist zu zwei Dritteln mit EFRE-Geldern gefördert, also mit Landes- bzw. EU-Mitteln. Der Rest kam durch Spenden zusammen.
© P. Pollmeier/HSBI

Mit Beginn des Ukrainekriegs stand die Weiterführung des Projekts vor ganz neuen Herausforderungen. „Unsere Kalkulationen waren angesichts der gestiegenen Preise hinfällig und wir mussten erneut Spenden sammeln“, erklärt Professor Wetter. „Die Sternwarte ist zu zwei Dritteln mit EFRE-Geldern gefördert, also mit Landes- bzw. EU-Mitteln. Insgesamt belaufen sich die Kosten auf ca. 220.000 Euro“, so Wetter weiter.

Im Sommer 2022 war dann klar, dass es weitergeht. „In der Umsetzungsphase war die Hilfe von unserem Statiker und Bauleiter bei Minda unablässig, da ich viele Aufgaben zum ersten Mal übernommen habe“, so Koch. Das rund 500 Quadratmeter große Gelände im naturberuhigten Gebiet muss besonders behandelt werden und unterliegt strengen Vorgaben. „Deshalb ist der Container für den Klassenraum zum Beispiel auch grün und nicht pink“, erklärt Koch.

Besondere Zusammenarbeit: HSBI, Minda, Verein Schulsternwarte und Freiwillige

Das Gelände der Sternwarte neben dem Hiller Badesee bietet einige Vorteile: „Hier gibt es kaum Lichtverschmutzung, also ideal um Sterne, Galaxien und auch Sonne und Mond zu beobachten. Das geht mit besonderen Filtern im Teleskop sogar tagsüber“, erklärt Wetter. Der Teil, auf dem das Teleskop montiert ist, musste schwingungsfrei gebaut werden. „Eine Betonsäule steht frei im Turm und ist nicht mit dem Rest der Gebäude verbunden. So können sich Menschen auf der Sternwarte bewegen, ohne dass sich die Schritte über den Boden auf das Teleskop übertragen“, erklärt Koch.

Gründung der PI-Studiengänge bringt Bewegung

Astronomie für Kinder und Jugendliche erlebbar gestalten und projektbezogenes Denken schärfen, das ist die Idee des Vereins Schulsternwarte e.V. Engagierte Eltern und Lehrer der Mindener Gymnasien brachten die Idee schon in den 1980er Jahren ins Gespräch. Damals wurde auf den Turm der alten Strothmannbrauerei in Minden eine Kuppel für Himmelsbeobachtungen gebaut. Nach jahrelanger Nutzung schlief das Projekt ein und sowohl an der Technik als auch an dem Gewölbe nagte der Zahn der Zeit. Die Gründung der praxisintegrierten Studiengänge am Campus Minden 2009 brachte etwas Bewegung hinein, erklärt Prof. Wetter: „Wir haben damals mit Studierenden die Mechanik der Kuppel in Gang gebracht. Es gab nur einen Motor für die Kuppel, dabei sind zwei Motoren nötig. Ein Motor drückt, einer zieht.“

Als Sternwarte konnte die renovierte Kuppel trotzdem nicht wieder in Betrieb gehen, denn bei der Stadt Minden wurde nie eine Nutzung eingetragen. Hinzu kamen gesetzliche Änderungen im Brandschutz des mittlerweile unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes. „Finanziell wäre es für uns als Verein nicht möglich gewesen, alle rechtlichen Auflagen umzusetzen. Und selbst wenn, dann hätten nur Kleingruppen mit fünf Personen die Sternwarte betreten dürfen. Unser Ziel war aber, ganzen Schulklassen die Möglichkeiten zu geben, die Sterne zu entdecken“, erklärt Wetter. Einige Mindener Schulen entwickelten schon vor Jahren ein Curriculum für die Kinder, das sie nun endlich im Unterricht einsetzen können.

Die neue Schulsternwarte wird am 12. August eröffnet. Künftig soll jedes Jahr Mitte August die Hiller Sternennacht statfinden. Um die Zeit sind die Perseiden besonders gut sichtbar.

Die neue Schulsternwarte wird am 12. August eröffnet. Künftig soll jedes Jahr Mitte August die Hiller Sternennacht statfinden. Um die Zeit sind die Perseiden besonders gut sichtbar.
© P. Pollmeier/HSBI

Eingeweiht wird die Sternwarte am 12. August bei der ersten Hiller Sternennacht. Die Veranstaltung soll künftig jedes Jahr Mitte August stattfinden, da dann Sternschnuppen besonders gut sichtbar sind.