Objekt im Fokus

„Spielzeugfuhrwagen, Heinrich Bredemeier, Minden i. W.“

Minden. In der Sammlung des Mindener Museums werden rund 60.000 Objekte bewahrt. Trotz Dauer- und Sonderausstellungen oder Leihgaben an andere Museen lagern 95% der Sammlung verborgen im Magazin. Die Vielfalt und die Geschichte der Sammlung und das Wissen über die Objekte stellt das Museumsteam regelmäßig in Kabinettausstellungen vor. Alle zwei Monate wird außerdem ein „Objekt im Fokus“ im Foyer des Museums ausgestellt und dort seine Geschichte erzählt.

Objekt im Fokus Januar Februar 2019-2Das Objekt im Fokus in den Monaten Januar und Februar ist ein Spielzeugfuhrwagen aus Holz. Das Besondere an diesem schlichten Bretterwagen im Miniaturformat sind die Aufschriften „HB Papenmarkt N. II“ und „Heinrich Bredemeier, Minden i. W.“ – sie geben uns die Möglichkeit, mehr über die Geschichte des Objektes und seiner ehemaligen Besitzer herauszufinden.

Das Haus Papenmarkt 2 in Minden ist wahrscheinlich vielen Mindenern bekannt – es handelt sich um das sogenannte „Hansehaus“. Es wurde 1547 für den damaligen Bürgermeister Roleff Vogt errichtet. Das Haus gehörte ab 1818 bis in die 1960er Jahre einer Familie Bredemeyer bzw. Bredemeier. 1958 setzten sich das Mindener Museum, der Landesrestaurator und eine Bürgerinitiative für den Erhalt des Gebäudes ein. Im Zuge der Wiederherstellung errichtete man den renovierungsbedürftigen Giebel in Form eines mittelalterlichen Hansehauses neu und prägte so seinen heutigen Namen.

Recherchen im Kommunalarchiv ergaben, dass seit 1832 ein Fuhrmann Bredemeyer am Papenmarkt 2 nachweisbar ist. Ältere Baupläne zeigen, dass das Haus jedoch bereits seit 1818 Stallungen besaß. Ab 1850 wurde das Haus vermietet. Der Fuhrmann Bredemeyer nutzte den Stall für 4 Pferde aber weiterhin selbst. Seit den 1890er Jahren und mindestens bis 1908 ist Heinrich Bredemeyer Besitzer des Hauses. In den ​Überlieferungen aus dieser Zeit wird er als Ackerbürger und Landwirt bezeichnet.

Ackerbürger Heinrich Bredemeyer lässt 1892 an der Königstr. 78 eine Scheune errichten. Wie lange er dort wirtschaftete, ist nicht bekannt. Im Nebenhaus, Königstraße 76, hatte sein Bruder August 1877 ein Wohnhaus mit angeschlossener Schmiede und Stellmacherei errichten lassen. Die Schmiede wurde mindestens bis 1892 betrieben und spätestens 1919 aufgegeben. Noch 1963 gehört das Haus einem Landwirt Bredemeyer. Es existiert auch ein zum Wagen gehörendes, vermutlich nicht selbst angefertigtes Holzpferd auf Rädern. 1 Dieses gab vielleicht den Anstoß dazu, einen passenden Fuhrwagen in Heimarbeit zu bauen. Es könnte gut möglich sein, dass dieser in der Schmiede und Stellmacherei des August Bredemeyer angefertigt wurde. Darauf deutet auch die Aufschrift „Mattonis Gießhübler Sauerbrunnen“ hin. Die tschechische Mineralwassermarke existierte seit 1864 und gehörte 1880 zu den bekanntesten in Europa. Der europaweite Vertrieb brach erst mit dem Ersten Weltkrieg ein.

Auch wenn man heute nicht mehr sagen kann, wer genau mit dem Fuhrwagen gespielt hat, so transportiert er doch komplexe Informationen zur Geschichte der Familie Bredemeier: Erinnerungen an das Stammhaus der Familie am Papenmarkt und an den Beruf eines Vorfahren, der Fuhrmann war; an Heinrich Bredemeyer, der dort noch wohnte und wirtschaftete; und an August Bredemeyer, der als Stellmacher und Schmied arbeitete.

Foto: © Mindener Museum

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