Lesungen, Konzerte, Dialoge und Exkursionen stehen unter dem Motto „Tout Moun Se Moun“
Corvey. Das Via Nova Kunstfest Corvey 2026 findet vom 28. bis 30. August, 4. bis 6. September und 11. bis 13. September statt. Unter dem Motto „Tout Moun Se Moun“ („Jeder Mensch ist Mensch“) verbindet das Festival Lesungen, Konzerte, Dialoge und Exkursionen.
Nach Angaben der Veranstalter greift das Motto einen aufklärerischen und emanzipatorischen Leitspruch der haitianischen Revolution Ende des 18. Jahrhunderts auf. Im Mittelpunkt stehen Fragen danach, wie Menschen in Zeiten von Krieg und ungewisser Zukunft menschlich bleiben und wie Gesellschaften ein Leben in Würde für alle ermöglichen können.
Die künstlerische Leiterin Dr. Brigitte Labs-Ehlert verweist darauf, dass sich diese Fragen sowohl in der Gegenwart als auch in der Vergangenheit stellen und mit Freiheit, Aufbruch, grenzüberschreitendem Denken, Träumen, Phantasie und Staunen verbunden seien. „Jede Epoche findet dafür einen entsprechenden Ausdruck“, so Labs-Ehlert.
Neue Korrespondenzlesungen und Exkursionen
Zu den bisherigen Veranstaltungsformaten mit Monologen, Dialogen sowie szenischen Lese-Theaterabenden aus Briefen, Beschreibungen, Lyrik und Romanen kommen erstmals Korrespondenzlesungen und drei Exkursionen hinzu. Bei den Korrespondenzlesungen wird das Werk eines Autors der Literaturgeschichte aus zeitgenössischer Perspektive betrachtet. Die Veranstaltungen im Kloster Brunshausen, im Stift Fischbeck und im Kloster Hardehausen sind jeweils mit einer Führung verbunden.
Inhaltlich spannt das Kunstfest einen weiten zeitlichen Bogen. Er reicht bis ins 9. Jahrhundert zurück, als der Corveyer Mönch Agius in seiner Lebensgeschichte der ersten Äbtissin von Gandersheim, Hathumoda, deren Sanftmut und Bescheidenheit hervorhob. Weitere Programmpunkte beschäftigen sich mit Heloïse und Abaelard sowie mit Christine de Pizan und ihrer Vorstellung einer Frauenstadt, die von Gerechtigkeit, Vernunft und Rechtschaffenheit geprägt ist.
Auf dem Programm stehen außerdem Texte aus Anna Seghers’ „Die Hochzeit von Haiti“, Emily Brontës „Sturmhöhe“ und Toni Morrisons „Beloved“. Hinzu kommen der Monolog der Molly Bloom aus James Joyces „Ulysses“, philosophische Texte und Werke zeitgenössischer Lyrikerinnen.
Musik von Beethoven bis Pärt
Die korrespondierenden Konzerte umfassen Musik von Bartók, Beethoven, Hildegard von Bingen, Brahms, Desprez, Dvořak, Messiaen, Mozart, Palestrina, Pärt, Satie, Schumann und Weill. Erstmals beteiligt ist das südafrikanische Musik-Ensemble um Nhlanhla Mahlangu, der vielfach mit William Kentridge zusammengearbeitet hat. Geplant ist die Uraufführung „Beloved Concert 2026“.
Zu den angekündigten Schauspielerinnen und Schauspielern gehören Martina Gedeck, Katharina Thalbach, Marina Galic, Barbara Nüsse, Andrea Sawatzki, Johanna Wokalek, Jens Harzer, Martin Wuttke und Ulrich Noethen. Als Autorinnen und Autoren sind Anja Kampmann und Marcel Beyer dabei. Zum musikalischen Programm tragen unter anderem Alice Sara Ott, Michael Barenboim, Nils Mönkemeyer, Valer Sabadus, The Tallis Scholars, das Kronos Quartet und das Detmolder Kammerorchester bei.
Andrea Firmenich, Generalsekretärin der Kunststiftung NRW, bezeichnet das Kunstfest Via Nova als eines der wichtigen Ereignisse im kulturellen Leben in Ostwestfalen-Lippe und als „Laboratorium des forschenden Geistes“, in dem auch Unerwartetes und Widersprüche Platz hätten. Das Via Nova Kunstfest Corvey 2026 verbindet dabei das kulturelle Erbe Corveys mit Literatur und Musik aus unterschiedlichen Epochen und Weltgegenden.






