Über 2.000 Jahre alter Hof in Bielefeld-Stieghorst entdeckt

Archäologen legen Siedlung aus der späten Eisenzeit frei. Die Funde geben Einblicke in den damaligen Hausbau und das Leben in Ostwestfalen.

Bielefeld. Bei Bauarbeiten an der Grünberger Straße in Bielefeld-Stieghorst haben Archäologen einen Teil eines mehr als 2.000 Jahre alten Hofes entdeckt. Auf dem Gelände soll ein neues Mehrfamilienhaus entstehen. Wegen der Lage auf einer kleinen Anhöhe am Rand des Baderbachs begleiteten Fachleute des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) die Erdarbeiten archäologisch.

Foto: Archäologie am Hellweg e.G./Angelina Friedrich

Drohnenaufnahme der Grabungsfläche mit den ausgegrabenen archäologischen Befunden. Die Siedlung setzt sich nach bisherigen Erkenntnissen außerhalb des Baufeldes weiter fort. Foto: Archäologie am Hellweg e.G./Angelina Friedrich

Ein Bodendenkmal am Bachlauf

Eine archäologische Fachfirma unter der Leitung von Angelina Friedrich legte die Fundstelle in Begleitung der LWL-Archäologie für Westfalen frei und dokumentierte die Befunde. Ausschlaggebend für die Untersuchung war die Lage des Baugrundstücks.

„Die Lage des Bauplatzes war ausschlaggebend für die archäologische Begleitung der Erdarbeiten“, sagt Dr. Sven Spiong, Leiter der Außenstelle Bielefeld der LWL-Archäologie für Westfalen. An Bachläufen und Quellen tauchten immer wieder Fundstellen auf. Die Wasserverfügbarkeit und die fruchtbaren Lössböden hätten über viele Jahrtausende die Wahl von Siedlungsstandorten geprägt und günstige Bedingungen für den Ackerbau geschaffen.

Am nördlichen Rand des Teutoburger Waldes ist die Dichte archäologischer Fundstellen besonders hoch. „An jedem Bach, der hier herunterfließt, liegen mit hoher Wahrscheinlichkeit mehrere Siedlungen aus verschiedenen Epochen“, erklärt Sebastian Düvel, wissenschaftlicher Referent beim LWL. Als Beispiel nennt er eine germanische Siedlung in Bielefeld-Sieker, die nur 1,2 Kilometer westlich der aktuellen Fundstelle liegt.

Hausbau aus der späten Eisenzeit

Der nun entdeckte Hof ist rund 300 Jahre älter als die germanische Siedlung in Bielefeld-Sieker. Er stammt aus dem 3. bis 1. Jahrhundert vor Christus. Neben typischen Keramikscherben fanden sich Spuren von mindestens vier kleineren Nebengebäuden.

Für die zeitliche Einordnung ist vor allem die Bauweise des Haupthauses von Bedeutung. Es weist die für Häuser der späten Eisenzeit typischen Doppelpfosten in einer Linie unter dem Dachfirst auf. Zwei gegenüberliegende Eingänge in der Gebäudemitte führten in einen Flur, der das Haus in einen Ost- und einen Westteil gliederte.

Nach bisherigen Erkenntnissen setzte sich diese Bauform zu Beginn der späten Eisenzeit in Westfalen durch. Sie gilt als Vorläufer der germanischen Langhäuser, die in der näheren Umgebung entdeckt wurden. Das einstige Holzgebäude war rund 20 Meter lang und sieben Meter breit. Heute sind seine Pfostenstandorte noch an Verfärbungen im Boden erkennbar.

Spuren der Eilshausener Gruppe

In Ostwestfalen und Teilen des angrenzenden Niedersachsens lebten in den Jahrhunderten vor Christus Menschen, die in der archäologischen Forschung als „Eilshausener Gruppe“ bezeichnet werden. Der Name geht auf eine Fundstelle in Hiddenhausen-Eilshausen zurück. Kennzeichnend für diese Gruppe sind bestimmte Brandbestattungen und Grabbeigaben, anhand derer sie archäologisch von anderen Gruppen unterschieden werden kann.

Die Menschen lebten jedoch keineswegs isoliert. Bereits in den vorausgegangenen Jahrhunderten bestanden intensive Verbindungen nach Nordosten zur sogenannten Jastorf-Kultur. Ab dem 3. Jahrhundert vor Christus gab es zudem Kontakte in die keltische Welt.

Die Ausgrabung in Bielefeld-Stieghorst liefert ein weiteres Puzzleteil für das Verständnis des Lebens vor rund 2.000 Jahren. Dass Menschen den Ort schon deutlich früher aufsuchten, zeigt eine fein gearbeitete Pfeilspitze aus Feuerstein, die auf eine Nutzung vor etwa 4.000 Jahren hinweist.