Versorgungsprojekt Paderborn stärkt Hilfe für psychisch Erkrankte

LWL-Klinik Paderborn, Digitale Gesundheitsplattform OWL und Praxisnetz Paderborn vernetzen medizinische und soziale Versorgung enger.

Paderborn. Das neue Versorgungsprojekt Paderborn soll in Stadt und Kreis Paderborn die Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen verbessern. Im Mittelpunkt steht ein kontinuierlicher Informationsfluss ohne Medienbrüche zwischen Behandlerinnen und Behandlern sowie sozialen Akteuren. Durch eine strukturierte und sektorenübergreifende Zusammenarbeit sollen medizinische und soziale Hilfen besser ineinandergreifen.

Stellen das neue Versorgungsprojekt für psychisch erkrankte Menschen vor: (v.l.) Tatjana Paul-Nissen (LWL-Klinik Paderborn), Dr. Beate Joachimsmeier (LWL-Klinik Paderborn), Dr. Thomas Bandorski (Praxisnetz Paderborn), Michael Wiemers (LWL-Klinik Paderborn), PD Dr. Christine Norra (LWL-Klinik Paderborn), Thomas Gundlach (Digitale Gesundheitsplattform OWL GmbH) Jan Hendrik Unger (LWL-Klinik Paderborn) und Nils Brinkmeyer (Digitale Gesundheitsplattform OWL GmbH). Bild: LWL

Stellen das neue Versorgungsprojekt für psychisch erkrankte Menschen vor: (v.l.) Tatjana Paul-Nissen (LWL-Klinik Paderborn), Dr. Beate Joachimsmeier (LWL-Klinik Paderborn), Dr. Thomas Bandorski (Praxisnetz Paderborn), Michael Wiemers (LWL-Klinik Paderborn), PD Dr. Christine Norra (LWL-Klinik Paderborn), Thomas Gundlach (Digitale Gesundheitsplattform OWL GmbH) Jan Hendrik Unger (LWL-Klinik Paderborn) und Nils Brinkmeyer (Digitale Gesundheitsplattform OWL GmbH).
Bild: LWL

Das Projekt „Digital unterstützte intersektorale Patientenversorgung für Menschen mit psychischen Erkrankungen und Beeinträchtigungen“ wird von der LWL-Klinik Paderborn gemeinsam mit der Digitalen Gesundheitsplattform OWL (DGP OWL) und dem Praxisnetz Paderborn umgesetzt. Gefördert wird das Vorhaben durch die Sozialstiftung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe.

Das Modellprojekt baut auf einer bestehenden Struktur auf. Die DGP OWL ist in der Region etabliert und vernetzt die Krankenhäuser im Stadtgebiet Paderborn – die LWL-Klinik, die St. Vincenz Kliniken und das Christliche Klinikum Paderborn – mit den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten des Praxisnetzes Paderborn sowie dem Rettungsdienst von Stadt und Kreis Paderborn. Bereits heute ermöglicht die Plattform den strukturierten Austausch medizinischer Informationen. Das neue Vorhaben erweitert diese Struktur gezielt um weitere Akteure und Funktionen, insbesondere für die psychiatrische und soziale Versorgung.

„So lassen sich nun komplexe psychiatrische Behandlungsfälle und auch die dadurch möglicherweise entstehenden Herausforderungen im sozialen Umfeld der Patient:innen besser abbilden“, erklärt Thomas Gundlach aus der Geschäftsführung der Digitalen Gesundheitsplattform OWL GmbH.

Die Übermittlung von Daten an die DGP OWL erfolgt ausschließlich auf Grundlage der Einwilligung der Patientinnen und Patienten. Laut Nils Brinkmeyer behalten die Betroffenen jederzeit die Kontrolle über ihre Daten und können diese über das Patientenportal einsehen.

Nach der Einwilligung können über ein differenziertes Rollenmodell beispielsweise Ärztinnen und Ärzte, Therapeutinnen und Therapeuten, Sozialarbeitende oder Kolleginnen und Kollegen aus der Eingliederungshilfe auf entsprechende Informationen wie Arztbriefe oder einen Medikamentenplan zugreifen. „So können wir vor allem Übergängen direkt nach einem Klinikaufenthalt zu den niedergelassenen Kolleg:innen besser gestalten“, sagt Privatdozentin Dr. Christine Norra, Ärztliche Direktorin der LWL-Klinik Paderborn.

Eine zentrale Rolle übernehmen die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter der Paderborner LWL-Klinik als Patientenlotsinnen und Patientenlotsen. Sie begleiten Betroffene aktiv durch das Versorgungssystem, koordinieren Termine und tragen dazu bei, dass medizinische und soziale Leistungen ineinandergreifen. Zudem sollen die entsprechenden Daten auf der Plattform verfügbar sein.

„Wir sehen jeden Tag, dass gute medizinische Behandlung allein nicht ausreicht. Entscheidend ist, wie gut soziale Unterstützung in der digitalen Vernetzung für psychisch Erkrankte eingebunden ist. Dieses bisher nicht ausgeschöpfte Potenzial der DGP nutzen wir ab sofort“, führt Norra aus.

Neben der besseren Versorgung zielt das Projekt auch auf Entlastung. Abstimmungen, Rückfragen und doppelte Prozesse binden derzeit viel Zeit. Durch klarere Abläufe und bessere Koordination sollen Ressourcen gezielter eingesetzt werden, berichtet Nils Brinkmeyer aus Gesprächen mit den in der DGP OWL vernetzten Akteurinnen und Akteuren.

„Gerade in der täglichen Versorgung sehen wir, wie viel Zeit durch Abstimmungsaufwand verloren geht. Wenn Informationen schneller verfügbar sind und Prozesse besser ineinandergreifen, entlastet das sowohl die Praxen als auch die Patient:innen spürbar und schafft wieder mehr Raum für die eigentliche Behandlung“, erklärt Dr. Thomas Bandorski, Vorstand des Praxisnetzes Paderborn.

„Mit dem Projekt verzahnen wir medizinische und soziale Angebote enger und entwickeln dadurch die bestehende Infrastruktur konsequent weiter. Damit schaffen wir die Voraussetzungen für eine strukturierte und verlässliche Zusammenarbeit“, erklärt Jan Hendrik Unger, Kaufmännischer Direktor der LWL-Kliniken Paderborn und Gütersloh.

Das Versorgungsprojekt Paderborn ist auf drei Jahre angelegt und wird kontinuierlich ausgewertet. Ziel ist es nach Angaben von Brinkmeyer, die entwickelten Strukturen langfristig zu etablieren und auf andere Regionen zu übertragen.