Hohe Temperaturen erhöhen den Pflegeaufwand – Fachleute setzen auf gezieltes Gießen und standortgerechte Bepflanzung
Nordrhein-Westfalen. Grabpflege im Sommer wird bei anhaltender Trockenheit deutlich aufwendiger. Seit Wochen fällt vielerorts wenig Regen, gleichzeitig sorgen hohe Temperaturen dafür, dass Friedhofsgärtner Pflanzen häufiger kontrollieren und bewässern müssen.

Ein Mitarbeiter eines friedhofsgärtnerischen Betriebs bewässert Gräber auf dem Friedhof. Die anhaltende Trockenheit erhöht derzeit den Arbeitsaufwand bei der Grabpflege deutlich.
„An vielen Tagen kommen unsere Friedhofsgärtnerinnen und Friedhofsgärtner mit dem Gießen kaum hinterher. Das bindet gerade sehr viel Arbeitszeit“, sagt Martin Asbeck, stellvertretender Vorsitzender des Fachverbands Friedhofsgärtner im Landesverband Gartenbau Nordrhein-Westfalen. Zugleich zeige die aktuelle Situation, wie wichtig gärtnerisches Fachwissen für die Grabpflege sei.
Nach Angaben des Fachverbands wurde die Bepflanzung, insbesondere die Wechselbepflanzung der Beete, bereits an veränderte klimatische Bedingungen angepasst. Beim Bewässern gehe es dabei nicht darum, möglichst viel Wasser einzusetzen. Stattdessen werde gezielt in den Morgen- und Abendstunden gegossen, damit möglichst wenig Wasser ungenutzt verdunstet.
Pflanzenwahl wird wichtiger
Vor allem an sonnigen und trockenen Standorten können Pflanzen eingesetzt werden, die zeitweise mit weniger Wasser auskommen. Dazu zählen je nach Standort beispielsweise Sedum, Lavendel sowie verschiedene Stauden und Gräser. Bodendecker können zudem offene Bodenflächen bedecken und dazu beitragen, dass diese weniger schnell austrocknen.
Welche Pflanzen geeignet sind, hängt jedoch von den jeweiligen Bedingungen am Grab ab. Friedhofsgärtner berücksichtigen deshalb Lichtverhältnisse, Boden und Pflegebedarf bereits bei der Gestaltung. Die Bepflanzung kann außerdem im Laufe der Jahre an veränderte Bedingungen angepasst werden.
„Wir werden unsere Gräber auch in Zukunft bepflanzen und gestalten können“, sagt Asbeck. Entscheidend sei jedoch stärker als bisher, welche Pflanzen am jeweiligen Standort funktionieren. Das Fachwissen der Friedhofsgärtner helfe dabei, die Bedürfnisse der Pflanzen mit den Bedingungen vor Ort zusammenzubringen.
Wasser gezielt einsetzen
Die anhaltende Trockenheit rückt auch die Verfügbarkeit von Wasser stärker in den Mittelpunkt. In mehreren Regionen Deutschlands gelten Einschränkungen bei der Wasserentnahme. Auch in Nordrhein-Westfalen haben Kreise und Kommunen die Entnahme aus Flüssen und Bächen teilweise beschränkt.
Standortgerechte Pflanzen, fachgerechte Bodenpflege und gezieltes Bewässern können nach Angaben der Friedhofsgärtner dazu beitragen, den Wasserbedarf zu begrenzen. Dennoch benötigen auch trockenheitsverträgliche Pflanzen Wasser, insbesondere nach dem Pflanzen und während längerer Hitzephasen. Die Grabpflege im Sommer bedeutet für die Betriebe deshalb derzeit vor allem regelmäßige Kontrollen und bedarfsgerechtes Gießen.
Lila Gießkannen für Angehörige
Seit mehreren Jahren unterstützen die Treuhandstellen der Friedhofsgärtner im Rheinland und in Westfalen-Lippe Friedhofsträger mit lilafarbenen Gießkannen. Auf teilnehmenden Friedhöfen können Besucherinnen und Besucher diese kostenlos für die Grabpflege nutzen.
Die Zehn-Liter-Gießkannen sind bewusst in einem Lilaton gehalten, der regulär nicht im Handel erhältlich ist. Dadurch sollen sie eindeutig dem jeweiligen Friedhof zugeordnet werden können und dort verbleiben. Friedhofsträger können das Angebot der Treuhandstellen kostenlos nutzen. Die Aktion steht unter dem Motto „Es lebe der Friedhof!“.





