Prognose des WIdO erwartet rund 6.900 Betroffene im Jahr 2060 – Prävention kann viele Neuerkrankungen vermeiden.
Bielefeld. Die Zahl der Menschen mit Demenz in Bielefeld wird in den kommenden Jahrzehnten deutlich steigen. Nach aktuellen Prognosen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) in Kooperation mit den Universitäten Trier, Rostock und Köln erhöht sich die Zahl der Betroffenen bei weiter steigender Lebenserwartung von derzeit rund 5.000 auf etwa 6.900 im Jahr 2060.
Damit wären im Vergleich zu heute mit 1,5 Prozent der Bevölkerung im Jahr 2060 etwa 2,2 Prozent der Bevölkerung an einer Demenz erkrankt. Grundlage der Berechnungen ist ein kleinräumiges Prognoseverfahren, das regionale Unterschiede sichtbar macht. „Die zunehmenden Demenzerkrankungen stellen nicht nur für die Betroffenen und deren Angehörige, sondern auch für die Gesellschaft sowie das Gesundheits- und Pflegesystem eine große Herausforderung dar. Da es bisher keine Heilung für Demenzen gibt, könnte eine gute Prävention jedoch die Effekte der Alterung der Gesellschaft auf die Häufigkeit von Demenzen kompensieren“, sagt AOK-Serviceregionsleiter Matthias Wehmhöner.

Nach heutigem Stand der Wissenschaft kann eine Verbesserung vieler verschiedener oft miteinander im Zusammenhang stehender Faktoren, wie zum Beispiel ein gesunder Lebensstil mit einer ausgewogenen Ernährung und der Verzicht auf Alkohol und Rauchen, dazu beitragen, dass fast die Hälfte der Demenz-Neuerkrankungen vermieden werden kann. Foto: AOK/Colourbox/hfr.
Prävention kann Demenz-Neuerkrankungen verringern
Nach internationalen Studien tragen abhängig von Alter und Geschlecht soziale, lebensstilbedingte und gesundheitsbezogene Faktoren sowie andere Erkrankungen zum Demenzrisiko bei. „Nach heutigem Stand der Wissenschaft kann eine Verbesserung vieler verschiedener, oft miteinander im Zusammenhang stehender Faktoren dazu beitragen, dass fast die Hälfte der Demenz-Neuerkrankungen vermieden werden kann“, sagt Wehmhöner.
Dazu gehört ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, ausreichend Bewegung sowie der Verzicht auf Alkohol und Rauchen. Außerdem können eine gute Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Hörstörungen sowie die Vermeidung sozialer Isolation einer Demenzentwicklung wirkungsvoll vorbeugen.
Die AOK NordWest bietet ihren Versicherten dazu unterschiedliche Angebote an. Dazu zählen individuelle Gesundheitskurse in Präsenz oder online, Chronikerprogramme, Präventionsangebote in Lebenswelten wie Schulen, Kitas und Betrieben sowie spezielle Vorsorgeangebote wie Gesundheits-Check-ups.
Weniger Personen im erwerbsfähigen Alter pro Demenzfall
Mit steigender Lebenserwartung zeigen die Prognosen für Bielefeld nicht nur eine deutliche Zunahme der Demenzfälle, sondern auch einen Rückgang der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter. Der steigenden Zahl an Demenzfällen steht damit künftig eine geringere Zahl an Personen zwischen 20 und 65 Jahren gegenüber, die Versorgung leisten können.
Im Jahr 2020 lag das Verhältnis von Personen mit Demenz bei 2,4 je 100 Personen im erwerbsfähigen Alter. Rechnerisch standen damit einem Demenzfall 42 Personen im erwerbsfähigen Alter gegenüber. Bis zum Jahr 2060 steigt diese Kennzahl laut Prognose auf 3,7. Dann kämen auf einen Demenzfall nur noch 27 Personen im erwerbsfähigen Alter. Es werden also deutlich mehr Demenzfälle von weniger Menschen zu versorgen sein.
Innovative Wohnformen und unterstützende Netzwerke
Ergänzend zur therapeutischen und pflegerischen Versorgung von Menschen mit Demenz haben sich inzwischen in vielen Regionen demenzsensible und demenzsensibilisierende Angebote entwickelt. Für eine gute Versorgung von Pflegebedürftigen mit Demenz spielen unter anderem innovative Wohnformen sowie der gezielte und flächendeckende Aufbau zuverlässig unterstützender Netzwerke eine besondere Rolle.
Diese Netzwerke bestehen aus An- und Zugehörigen, Ehrenamtlichen sowie Akteuren der Gesundheits- und Pflegeversorgung einschließlich der Pflegeeinrichtungen. Sie können das Wohlbefinden von Demenzpatientinnen und -patienten erhöhen, indem sie Teilhabe und Autonomie erhalten. Häufig handelt es sich dabei um regionale oder temporäre gesellschaftliche Strukturen mit hohem Alltagsbezug. In Westfalen-Lippe fördert die AOK NordWest, wie auch andere Krankenkassen, zahlreiche Demenz-Netzwerke vor Ort.
Quelle: AOK NordWest





