Strom sparen im Herbst: Sechs verbreitete Irrtümer im Check

Die Verbraucherzentrale NRW erklärt, welche Stromspartipps tatsächlich helfen und wie Haushalte unnötige Energiekosten vermeiden können.

Bielefeld. Wenn im Herbst die Tage kürzer werden, steigt in vielen Haushalten der Stromverbrauch. Lampen brennen häufiger, elektrische Geräte werden intensiver genutzt und viele Menschen verbringen mehr Zeit in den eigenen vier Wänden. Um die Stromkosten zu senken, greifen Verbraucherinnen und Verbraucher auf unterschiedliche Spartipps zurück. Doch nicht alle vermeintlich bewährten Methoden sind tatsächlich sinnvoll. Die Verbraucherzentrale NRW klärt über sechs verbreitete Irrtümer beim Stromsparen auf.

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„Wichtig ist, sich zu informieren, das eigene Verhalten kritisch zu hinterfragen und Schritt für Schritt passende Stromsparroutinen für den Alltag zu entwickeln und umzusetzen“, erklärt Ingrid Deutmeyer von der Beratungsstelle Bielefeld.

Irrtum 1: Häufiges Ein- und Ausschalten von Licht verbraucht mehr Strom

Die Annahme, dass das häufige Ein- und Ausschalten einer Lampe mehr Energie benötigt, als sie dauerhaft brennen zu lassen, ist falsch. Das gilt sowohl für moderne LED-Lampen als auch für Halogenlampen. Eine ausgeschaltete Lampe verbraucht weniger Strom als eine eingeschaltete.

Wer beim Verlassen eines Raumes das Licht ausschaltet, kann deshalb Energie und Geld sparen. Der Irrtum stammt aus der Zeit der Kompaktleuchtstofflampen, die häufig als Energiesparlampen bezeichnet wurden. Bei diesen konnte häufiges Schalten den Stromverbrauch erhöhen und die Lebensdauer verkürzen.

Irrtum 2: Ladegeräte verbrauchen ohne angeschlossenes Gerät keinen Strom

Auch Ladegeräte für Smartphones und Tablets können Strom verbrauchen, wenn gerade kein Gerät geladen wird. Zwar ist der Energiebedarf moderner Netzteile im Leerlauf meist sehr gering, vollständig ausgeschlossen ist ein Verbrauch jedoch nicht.

Wer mehrere Ladegeräte verwendet, kann die Netzteile nach Gebrauch aus der Steckdose ziehen. Eine praktische Alternative sind abschaltbare Steckdosenleisten, mit denen sich mehrere Geräte gleichzeitig vom Stromnetz trennen lassen.

Irrtum 3: Geräte im Standby-Modus verursachen keine Stromkosten

Fernseher, Musikanlagen, Spielkonsolen und andere Elektrogeräte benötigen auch im Bereitschaftsmodus Energie. Obwohl sie scheinbar ausgeschaltet sind, bleiben bestimmte Funktionen aktiv und verursachen weiterhin Stromkosten.

Eine abschaltbare Steckdosenleiste kann helfen, diesen Verbrauch zu vermeiden. Bei Geräten, die dauerhaft mit dem Stromnetz verbunden bleiben sollen, lohnt sich ein Blick in die Einstellungen.

So lässt sich beispielsweise bei vielen Internet-Routern ein Stromsparmodus aktivieren. Je nach Gerät kann auch eine zeitgesteuerte Reduzierung bestimmter Funktionen während der Nacht sinnvoll sein, sofern diese nicht benötigt werden. Router können über das Jahr betrachtet einen erheblichen Stromverbrauch verursachen.

Irrtum 4: Der Backofen muss grundsätzlich vorgeheizt werden

In zahlreichen Rezepten und auf Verpackungen von Fertiggerichten wird empfohlen, den Backofen vorzuheizen. In vielen Fällen ist das jedoch nicht notwendig.

Viele Speisen gelingen auch dann, wenn sie bereits während der Aufheizphase in den Ofen gestellt werden. Dadurch lässt sich unnötiger Energieverbrauch vermeiden. Ausnahmen gibt es beispielsweise bei Blätterteig und anderen Backwaren, die von Beginn an eine hohe Temperatur benötigen.

Die Verbraucherzentrale empfiehlt, die Bedienungsanleitung des Backofens zu beachten. Dort finden sich häufig Hinweise zu geeigneten Temperaturen, Garzeiten und energiesparenden Zubereitungsmethoden.

Irrtum 5: Eco-Programme dauern zu lange und sparen deshalb keinen Strom

Viele Verbraucherinnen und Verbraucher verzichten auf die Eco-Programme ihrer Waschmaschinen und Geschirrspüler, weil diese häufig deutlich länger laufen als normale Programme. Die längere Laufzeit bedeutet jedoch nicht automatisch einen höheren Energieverbrauch.

Bei Waschmaschinen wird die Wäsche im Eco-Modus länger eingeweicht und durch die Bewegung der Trommel gereinigt. Dadurch muss das Wasser weniger stark erhitzt werden. Da das Aufheizen des Wassers besonders viel Energie benötigt, lässt sich auf diese Weise Strom sparen.

Ein ähnliches Prinzip gilt für Geschirrspüler. Auch hier wird durch längere Reinigungsphasen und die Bewegung der Sprüharme weniger Energie für die Erwärmung des Wassers benötigt.

Irrtum 6: Je kälter die Tiefkühltruhe eingestellt ist, desto besser

Eine besonders niedrige Temperatur im Gefrierschrank verbessert die Haltbarkeit tiefgekühlter Lebensmittel nicht automatisch. Nach Angaben der Verbraucherzentrale sind minus 18 Grad Celsius für die langfristige Lagerung tiefgekühlter Lebensmittel ausreichend. Eine Einstellung auf minus 20 Grad führt dagegen zu einem unnötig höheren Stromverbrauch.

Wichtig ist außerdem, die Türen von Gefrierschränken und Tiefkühltruhen möglichst kurz geöffnet zu halten. So gelangt weniger warme Luft in das Gerät und die Kühltemperatur bleibt möglichst konstant.

Bildet sich im Gefrierfach eine stärkere Eisschicht, sollte das Gerät abgetaut werden. Auch dadurch lässt sich der Energieverbrauch reduzieren.

Mit einfachen Gewohnheiten den Stromverbrauch senken

Die sechs Beispiele zeigen, dass sich der Stromverbrauch im Haushalt häufig bereits durch kleine Veränderungen beeinflussen lässt. Dazu gehören das konsequente Ausschalten nicht benötigter Beleuchtung, das Trennen ungenutzter Elektrogeräte vom Stromnetz und die bewusste Nutzung energiesparender Geräteeinstellungen.

Entscheidend ist nach Einschätzung der Verbraucherzentrale NRW, bestehende Gewohnheiten zu überprüfen und passende Maßnahmen dauerhaft in den Alltag zu integrieren.

Weitere Informationen und praktische Hinweise bietet die Verbraucherzentrale NRW unter Strom sparen im Haushalt.

Eine Übersicht über aktuelle Informationsveranstaltungen rund um das Thema Energie ist unter www.verbraucherzentrale.nrw/e-veranstaltungen abrufbar.