Ostwestfalen-Lippe seit den 1950er-Jahren: LWL veröffentlicht Sammelband

15 Beiträge untersuchen den Wandel der Region und beleuchten ihre politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung.

Münster/Ostwestfalen-Lippe. Wie hat sich Ostwestfalen-Lippe seit den 1950er-Jahren verändert? Welche Entwicklungen haben die Region geprägt, und welche Rolle spielt ihre geografische Lage abseits großer Zentren? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der neue Sammelband „Peripherie als Perspektive. Ostwestfalen-Lippe seit den 1950er Jahren“, den der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) veröffentlicht hat. Insgesamt 15 Beiträge beleuchten die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Geschichte der Region während der vergangenen rund 70 Jahre.

Foto: Hans Hild, LWL-Medienzentrum für Westfalen

Mehrfamilienhaussiedlung der 1950er Jahre. Sennestadt/Bielefeld 1960. Foto: Hans Hild, LWL-Medienzentrum für Westfalen

Herausgegeben wurde das Buch von Dr. Matthias Frese und Dr. Christoph Lorke vom LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte sowie Prof. Dr. Peter Fäßler von der Universität Paderborn. Gemeinsam haben sie wissenschaftliche Beiträge zusammengestellt, die neue Perspektiven auf die jüngere Geschichte Ostwestfalen-Lippes eröffnen.

Vom Randgebiet zur eigenständigen regionalen Marke

Ostwestfalen-Lippe wird häufig mit historischen Persönlichkeiten, Denkmälern und kulturellen Traditionen verbunden. Der Sammelband richtet den Blick dagegen auf die Entwicklungen seit der Mitte des 20. Jahrhunderts und untersucht, wie sich die Wahrnehmung der Region verändert hat.

„OWL hat es im Zeitraum unserer Untersuchung geschafft, sich selbst als Marke zu entwickeln: von einer sehr defizitären Erzählung als randständig, also quasi als Durchfahrtsregion, hin zu einer wirtschaftlich erfolgreichen, touristisch attraktiven Gegend“, erklärt Mitherausgeber Matthias Frese.

Die Wissenschaftler betrachten Ostwestfalen-Lippe dabei nicht ausschließlich anhand bekannter Erzählungen von wirtschaftlichem Aufschwung oder Niedergang. Vielmehr dient die Region als Untersuchungsfeld für das Verhältnis zwischen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Zentren und vermeintlich peripheren Räumen.

Die Herausgeber hinterfragen die Vorstellung, dass Regionen abseits großer Zentren zwangsläufig benachteiligt seien oder lediglich deren Entwicklungen nachvollziehen würden. Stattdessen untersuchen sie, welche eigenen Strukturen, Ressourcen, Anpassungsfähigkeiten und Herausforderungen solche Regionen kennzeichnen.

Foto: LWL-Medienzentrum für Westfalen

Neusiedler-Haus mit Kuhweide in Hohenhausen, Kalletal, ca. 1970. Foto: LWL-Medienzentrum für Westfalen

Politik, Wirtschaft und Infrastruktur im Wandel

Die 15 Beiträge behandeln unterschiedliche Aspekte der Regionalgeschichte. Im Bereich der politischen Entwicklung beschäftigen sich die Autorinnen und Autoren unter anderem mit politischem Personal, Regionalförderung und der kommunalen Gebietsreform. Auch die Geschichte des „Collegium Humanum“ in Vlotho wird untersucht.

Weitere Beiträge widmen sich wirtschaftlichen und infrastrukturellen Veränderungen. Dazu gehören Untersuchungen zu Nixdorf als Informatiker und zur Nixdorf AG als Medizindienstleister sowie zur Entwicklung des Tourismus und der Abwasserbeseitigung.

Damit zeigt der Band, wie unterschiedliche politische Entscheidungen, wirtschaftliche Entwicklungen und infrastrukturelle Veränderungen die Region seit den 1950er-Jahren beeinflusst haben.

Migration und gesellschaftliche Veränderungen

Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Migrationsgeschichte Ostwestfalen-Lippes. Die Beiträge untersuchen unter anderem die Wohnsituation zugewanderter Menschen und ihre politische Beteiligung.

Einzelstudien befassen sich mit der Geschichte der sogenannten „Boat People“ in Paderborn sowie mit der Migration in Bielefeld. Sie ergänzen die Betrachtung der regionalen Entwicklung um gesellschaftliche und soziale Perspektiven.

Drei weitere Beiträge beschäftigen sich unter dem Themenkomplex „Auf- und Umbrüche“ mit Veränderungen aus religiöser, stadtplanerischer und wirtschaftlicher Sicht.

Insgesamt verfolgt der Sammelband das Ziel, die jüngere Geschichte Ostwestfalen-Lippes nicht nur aus der Perspektive übergeordneter Entwicklungen zu betrachten, sondern auch die besonderen regionalen Voraussetzungen und Handlungsmöglichkeiten herauszuarbeiten.

Buchinformationen und Bezugsmöglichkeiten

Der Sammelband „Peripherie als Perspektive. Ostwestfalen-Lippe seit den 1950er Jahren“ wurde von Matthias Frese, Christoph Lorke und Peter Fäßler herausgegeben.

Das Buch kostet 69 Euro und ist über den Buchhandel erhältlich.

ISBN der gedruckten Ausgabe: 978-3-506-70564-8.

ISBN der elektronischen Ausgabe (eBook): 978-3-657-70564-1.