Das LWL-Museum in der Kaiserpfalz zeigt Funde, Dioramen und Mitmachstationen zum Leben im römischen Marschlager.

Das Ausstellungsteam v.l.n.r.: Kuratorin Johanna Hersh, Museumsleiter Dr. Martin Kroker, Stadtarchäologin Dr. Sveva Gai und die wissenschaftlichen Volontäre Jakob Heymann und Christoph Lehnert.
Foto: LWL/ E. Daood
Paderborn. Die Sonderausstellung „Römer an Pader und Lippe“ im LWL-Museum in der Kaiserpfalz gibt ab Samstag, 20. Juni, einen neuen Einblick in die Präsenz der Römer in Westfalen-Lippe. Anlass ist unter anderem die Entdeckung eines römischen Marschlagers in Paderborn durch Archäolog:innen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) im Jahr 2022. Bis zum 1. November zeigt das Museum exklusive Funde aus der Zeit des ersten römischen Kaisers Augustus.
Mitmachstationen, Dioramen und Illustrationen des britischen Zeichners und Historikers Graham Sumner lassen das Leben im Lager anschaulich werden. Begleitet wird die Sonderausstellung von einem umfangreichen Programm für die ganze Familie.
Vor über 2.000 Jahren marschierten die Römer vom Rhein entlang der Lippe nach Osten. Museumsleiter Dr. Martin Kroker erklärt, dass sich bis zu drei Legionen – wie unter Varus im Jahr 9 n. Chr. – gemeinsam mit Hilfstruppen, Reiterei und einem umfangreichen Versorgungstross bewegten. Rund 15.000 Soldaten konnten dabei unterwegs sein. Jeder Legionär trug zwischen 20 und 30 Kilogramm Ausrüstung, Proviant und persönliche Gegenstände. Deshalb waren die Soldaten in ihrer Zeit auch als „Maultiere des Marius“ bekannt.
Ein Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf der Organisation der römischen Armee. Von der Vermessung des Lagerplatzes bis zum Bau von Spitzgraben, Wall, Brunnen und Feldbackofen folgte vieles einem präzisen Schema. Auch die Zeltgemeinschaften, die sogenannten „Contubernia“, waren standardisiert, während Kommandeure luxuriösere Unterkünfte erhielten.
Stadtarchäologin Dr. Sveva Gai verweist auf Funde wie Scherben von Weinamphoren sowie Reste von Feldbacköfen und Brunnen aus Paderborn. Sie belegen nicht nur die strategische Nutzung der Lager, sondern auch den weitreichenden Nachschub aus dem Mittelmeerraum.
Neben militärischer Präzision zeigt die Ausstellung auch das Alltagsleben der Legionäre. Kuratorin Johanna Hersh erläutert, dass die Römer ihr Getreide mahlten, Brot backten, „puls“ – einen Brei aus Weizen, Fleisch und Kräutern – kochten und importierte Spezialitäten wie Olivenöl, Wein oder Austern genossen. In ihrer Freizeit spielten sie Würfel- und Brettspiele oder reparierten ihre Ausrüstung.
Zu sehen sind Vergleichsfunde aus Römerlagern in Haltern und Anreppen, ergänzt durch Modelle, Miniaturszenen, zahlreiche Repliken und Mitmachstationen des Ausstellungsprojekts „Mules of Marius“.
Zu den besonderen Exponaten gehört das „Balsamarium“ aus dem Standlager Anreppen. Die Fläschchen wurden in Oberitalien gefertigt und enthielten Öle zur Körperpflege. Ebenfalls zu sehen sind Pionieräxte aus Haltern und Anreppen, die Axt und Hacke in einem Schaft kombinierten.
Die Ausstellung macht deutlich, dass die Römer nicht nur in den großen Lagern an Rhein und Lippe präsent waren, sondern entlang der Lippe auch bis an die Pader zogen. In Westfalen sind heute mehrere Orte bekannt, an denen Stand- und Marschlager archäologisch nachgewiesen wurden.
Für einen abwechslungsreichen Museumsbesuch sorgen lebensgroße Illustrationen von Graham Sumner sowie zahlreiche Mitmachstationen. Besucher:innen können unter anderem die Marschrüstung eines Legionärs tragen, sich in eine Toga oder eine farbenfrohe Stola kleiden oder mit einer Handmühle Getreide mahlen. Auch römische Spiele gehören zum Ausstellungserlebnis.
Die Ausstellung endet thematisch mit dem Aufbruch der Legionäre aus dem Lager. Nach einem festgelegten Ritual verstauten oder verbrannten die Römer Material, machten Brunnen unbrauchbar und setzten ihren Marsch fort. Die Funde der LWL-Archäologie zeigen, wie nahe Paderborn einst am Puls einer Weltmacht lag – zwischen Organisation, Alltag und militärischer Strategie.
Parallel zur Sonderausstellung wird auch die Dauerausstellung im LWL-Museum in der Kaiserpfalz wiedereröffnet. Karl der Große und Höhepunkte aus 35 Jahren Stadtarchäologie sind nach der Schließung für die große Westfalen-Ausstellung erneut zu sehen. Der Quellkeller als besonderer Ort des kürzlich verliehenen Europäischen Kulturerbe-Siegels ist ab Samstag, 20. Juni, ebenfalls wieder zugänglich.
Veranstaltungshöhepunkte im Begleitprogramm: Erwachsene, Jugendliche und Kinder können in verschiedenen Workshops römische Techniken kennenlernen. Am 19. Juli von 11 bis 13 Uhr geht es für Erwachsene und Jugendliche ab zwölf Jahren um Tinte nach antikem Rezept, Rohrfeder und Papyrus. Am 8. August von 15 bis 17 Uhr können Kinder und Jugendliche ab zehn Jahren römische Bundschuhe aus Leder fertigen. Am 26. September von 15 bis 17 Uhr steht ein Workshop zu Wachstafeln für Erwachsene und Kinder ab zehn Jahren auf dem Programm.
In der Libori-Woche von Samstag, 25. Juli, bis Sonntag, 2. August, finden täglich um 11 und 15 Uhr wechselnde Führungen durch die Sonder- und Dauerausstellung statt.
Am Samstag, 29. August, lädt die Paderborner Museumsnacht von 18 bis 23 Uhr zur „Römischen Nacht“ ein. Dann stehen Führungen und Mitmachprogramme zur Sonderausstellung im LWL-Museum in der Kaiserpfalz auf dem Programm. Der Eintritt ist an diesem Abend frei.
Zum Tag des offenen Denkmals am 13. September schlagen Abordnungen der Legio VII Patena und der Legio XXI Rapax ihre Zelte vor der Kaiserpfalz auf und geben Einblicke in das Alltagsleben von Legionären.
Im Herbstferienprogramm „Brot und Spiele“ entdecken junge Römer:innen und Nachwuchslegionär:innen von sechs bis zehn Jahren den Alltag im Römerlager. Die Teilnahme kostet 10 Euro pro Tag. Eine Anmeldung ist bis zum 9. Oktober möglich. Das Sommerferienprogramm ist bereits ausgebucht.
Weitere Informationen zum Begleitprogramm gibt es auf der Website des LWL-Museums in der Kaiserpfalz sowie auf Facebook und Instagram.





