Ausgrabungen am Lohagenweg liefern Spuren einer Siedlung von vor über 2.500 Jahren – datiert in die Zeit 800–600 v. Chr.
Hüllhorst (lwl) Eine Eisenzeit-Siedlung in Hüllhorst ist bei archäologischen Untersuchungen im Kreis Minden-Lübbecke entdeckt worden. Ein vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) begleitetes Grabungsteam konnte Spuren einer Siedlung aus der vorrömischen Eisenzeit nachweisen – und damit einen in Ostwestfalen seltenen Fund.

Luftaufnahme der Grabungsfläche für den Neubau des Feuerwehrgerätehauses am Lohagenweg in Hüllhorst. Der Baumbewuchs markiert den Verlauf des Quellbaches, der die Grundlage für die Errichtung der einstigen Hofstelle bildete.
Foto: LWL-AfW / A. Koch
Hintergrund ist der Neubau eines Feuerwehrgerätehauses am Lohagenweg. Bevor die Löschgruppe dort einzieht, wurde das Areal in den vergangenen Wochen archäologisch untersucht. Ausschlaggebend war die siedlungsgünstige Lage am Rand des Wöhrsiek, einer bis heute aktiven Quelle – in deren Umfeld sich nach Angaben der LWL-Archäologie für Westfalen häufig urgeschichtliche Siedlungsplätze finden.
Bereits im Sommer 2025 wurde der Oberboden zunächst in vier schmalen Streifen abgetragen, um das Gelände zu sondieren. Danach zeigte sich schnell: Hier wurde offenbar schon vor mehr als 2.500 Jahren gebaut. Im Boden fanden die Fachleute vor allem Verfärbungen, die auf ehemalige Vorrats- und Abfallgruben hindeuten.
Besonders aufschlussreich sind jedoch kleine Verfärbungen, die als Spuren ehemaliger Holzpfosten gelten und sich mit etwas Glück zu Gebäudegrundrissen zusammensetzen lassen. „Wir haben neben zwei kleineren Gebäuden auch die Reste eines großen Wohnhauses entdeckt“, erklärt Grabungsleiter Hisham Nabo. Auffällig: Das Haus wurde bewusst in Nordost–Südwest-Richtung gebaut – offenbar, um die Angriffsfläche für den Wind zu verringern.
Keramikfunde aus den umliegenden Gruben helfen bei der Datierung der Eisenzeit-Siedlung in Hüllhorst. Bruchstücke von Henkeltassen (sogenannte Terrinen) sowie rauwandigen Töpfen mit Fingertupfrändern weisen in einen frühen Abschnitt der vorrömischen Eisenzeit, also in die Zeit zwischen 800 und 600 v. Chr.
„Für uns ist das ein wirklicher Glücksfall, denn bisher kannten wir in Ostwestfalen nur aus Werther und Minden Hausgrundrisse dieser Zeit“, sagt Sebastian Düvel von der LWL-Archäologie für Westfalen. Um den Hausgrundriss noch genauer einzuordnen, sollen Holzkohlestückchen aus den Pfostengruben per Radiokarbonmethode datiert werden – auch, weil an solchen Standorten häufig Spuren unterschiedlicher Epochen auftreten.
Nach bisherigen Erkenntnissen setzt sich der Siedlungsplatz weiter Richtung Norden fort. Für den Bau des Feuerwehrhauses ergibt sich daraus jedoch kein Stopp: Sobald Bodendenkmäler dokumentiert und ausgegraben sind, steht einer Bebauung nichts entgegen. Um möglichst viele Befunde zu erhalten, wurde zunächst nur dort gegraben, wo der Neubau sie tatsächlich betroffen hätte. Durch frühe Abstimmungen zwischen Gemeinde, Grabungsfirma und LWL konnten die Maßnahmen vor Baubeginn abgeschlossen werden – das Feuerwehrgerätehaus am Lohagenweg kann somit wie geplant errichtet werden.
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