Paderborner Tag der IT-Sicherheit: KI verändert Cybersicherheit

Fachleute diskutieren am 1. und 2. September über sichere Softwareentwicklung, NIS-2, den Cyber Resilience Act und digitale Souveränität

Paderborn. Der Paderborner Tag der IT-Sicherheit findet am 1. und 2. September statt und beschäftigt sich mit der Frage, wie sich Cybersicherheit verändert, wenn künstliche Intelligenz nicht mehr nur unterstützt, sondern zunehmend selbstständig Code entwickelt, auf Systeme zugreift und Entscheidungen trifft. Der Kompetenzbereich „Digital Security“ des SICP – Software Innovation Campus Paderborn lädt zur mittlerweile 20. Ausgabe der kostenfreien Veranstaltung der Universität Paderborn ein.

Publikum bei einer SICP-Veranstaltung vor einer Präsentation mit Logos von Mitgliedsunternehmen.

Bildquelle: SICP – Software Innovation Campus Paderborn

Expert*innen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik diskutieren in der Zukunftsmeile 2 über aktuelle Ansätze für sichere Softwareentwicklung, die Umsetzung der zweiten EU-Richtlinie zur Netzwerk- und Informationssicherheit (NIS-2), den Cyber Resilience Act (CRA) sowie Europas digitale Souveränität. Das vollständige Programm und die Anmeldung sind unter go.upb.de/Tag-der-IT-Sicherheit-2026 zu finden.

Agentische KI und sichere Softwareentwicklung

Den wissenschaftlichen Auftakt bildet die englischsprachige Keynote „Agentic Software Development and Security: The Paradigm Shift“ von Marcel Böhme vom Max-Planck-Institut für Sicherheit und Privatsphäre. Er zeigt, wie Large Language Models und Coding Agents die Geschwindigkeit der Softwareentwicklung verändern und welche neuen Fragen sich daraus für Analyse, Vertrauenswürdigkeit und Sicherheit automatisch erzeugten Codes ergeben.

Weitere Vorträge befassen sich mit neuen Verfahren zur automatisierten Analyse von Software, der kontextabhängigen Erkennung sensibler Daten sowie dem sicheren Einsatz autonomer KI-Agenten. Zum Abschluss des ersten Tages geht es insbesondere um messbare Qualitäts- und Sicherheitsprüfungen, Berechtigungssteuerung, „Zero Trust“, menschliche Kontrollpunkte und digitale Souveränität.

Dr. Simon Oberthür, Manager des Kompetenzbereichs „Digital Security“ im SICP, erklärt: „KI-Systeme entwickeln sich gerade sehr schnell von unterstützenden Werkzeugen zu Systemen, die selbstständig Code erzeugen, auf Anwendungen zugreifen und Entscheidungen vorbereiten oder ausführen. Dadurch entstehen nicht nur neue Chancen, sondern auch neue Anforderungen an Qualitätssicherung, Berechtigungen, Verantwortung und digitale Souveränität.“

Cybersicherheit als politische und unternehmerische Aufgabe

Beim Paderborner Tag der IT-Sicherheit wird Cybersicherheit auch als politische, rechtliche und organisatorische Aufgabe betrachtet. Beiträge beschäftigen sich mit klaren Zuständigkeiten, Cybersicherheit als Leitungsaufgabe, möglichen Bußgeld- und Strafbarkeitsrisiken sowie praktischen Erfahrungen bei der Umsetzung von NIS-2 und Cyber Resilience Act.

Digitale Souveränität und praktische Umsetzung

Den zweiten Veranstaltungstag eröffnet Matthias Muhlert, Group Chief Information Security Officer der Oetker-Gruppe, mit der englischsprachigen Keynote „Rethinking Cybersecurity – A Blueprint for Europe’s Digital Future“. Im Mittelpunkt stehen eine menschenzentrierte Sicherheitsstrategie, gemeinsame Verantwortung sowie die Frage, wie Europa digitale Souveränität, Innovation und Cybersicherheit stärker miteinander verbinden kann.

In fünf interaktiven Workshops beschäftigen sich die Teilnehmenden außerdem mit IT-Sicherheitskultur im Kontext von NIS-2, der CRA-Risikobeurteilung nach DIN EN 40000, der praktischen Analyse von TLS-Verbindungen, einem Vorgehensmodell für NIS-2-Umsetzungsprojekte sowie der schrittweisen Erstellung eines IT-Notfallplans zur Vorbereitung auf Cyberangriffe und technische Störungen.

Unterstützt wird die Veranstaltung durch InnoZent OWL e.V., den Kreis Paderborn, die Regionalgruppe OWL/Lippe der Gesellschaft für Informatik e. V. und die heise academy.