Perfektionismus bei Kindern: Wenn Ehrgeiz zur Belastung wird

AOK erklärt, wann hohe Ansprüche motivieren – und wann sie die psychische Gesundheit belasten können.

Bielefeld. Perfektionismus bei Kindern kann durch hohe Erwartungen, Leistungsdruck und das Bedürfnis nach Anerkennung zur psychischen Belastung werden. Eltern, Schule und zunehmend auch digitale Medien können dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche das Gefühl entwickeln, besonders hohe Ansprüche erfüllen zu müssen.

Ein Mädchen sitzt an einem Tisch und zeichnet mit einem Stift in einem Heft.

Perfektionismus ist unproblematisch, wenn Ziele realistisch sind oder sie angepasst werden können. Das kann die Freude am Lernen sogar verstärken. © Foto: AOK/Colourbox/hfr.

Kindheit und Jugend gelten als wichtige Phasen für die Entwicklung von Perfektionismus. Dabei spielen nach Angaben der AOK auch die Eltern eine zentrale Rolle. „Menschen sind soziale Wesen und Anerkennung ist uns wichtig. Perfektionismus kann als Bedürfnis nach Anerkennung gedeutet werden –etwa als Folge mangelnder elterlicher Akzeptanz in Verbindung mit zu hohen Erwartungen und entsprechender Kritik, wenn Kinder diesen Erwartungen nicht gerecht werden“, sagt AOK-Serviceregionsleiter Matthias Wehmhöner.

Gesunder Ehrgeiz oder belastender Perfektionismus

Perfektionismus ist zunächst durch hohe Erwartungen an sich selbst und hohe Leistungsstandards gekennzeichnet – etwa in der Schule, beim Sport, im Beruf oder in Beziehungen. Problematisch muss das nicht sein. Können Fehler akzeptiert, Ziele angepasst und Erfahrungen zum Lernen genutzt werden, spricht die AOK von funktionalem Perfektionismus oder gesundem Ehrgeiz. Dieser kann die Freude am eigenen Tun sogar fördern.

Anders sieht es aus, wenn die eigenen Ziele dauerhaft unerreichbar bleiben. Wiederholtes Scheitern an zu hoch gesetzten Maßstäben kann Frustration, Minderwertigkeitsgefühle, Stress und Versagensangst auslösen. Dieser dysfunktionale Perfektionismus kann die psychische Gesundheit belasten.

Drei Formen des Perfektionismus

Die psychologische Forschung unterscheidet zwischen selbstbezogenem, sozialem und fremdorientiertem Perfektionismus. Beim selbstbezogenen Perfektionismus besteht der Anspruch, selbst perfekt sein zu müssen. Sozialer Perfektionismus entsteht aus der Wahrnehmung, dass andere Menschen Perfektion erwarten und Anerkennung davon abhängt. Beim fremdorientierten Perfektionismus werden dagegen unrealistisch hohe Maßstäbe an andere gestellt.

Diese Formen können sich gegenseitig beeinflussen. So können hohe Erwartungen anderer als sozialer Druck wahrgenommen werden und wiederum den eigenen Anspruch verstärken, keine Fehler machen zu dürfen.

Eltern und Erziehung als Einflussfaktoren

Ein Mann zeigt einem Jungen im Freien das Spielen einer Akustikgitarre.

Freiräume zum Ausprobieren zu gewähren, fördert das Vertrauen und die Eigenverantwortung der Kinder und unterstützt damit auch die Bindung zueinander. © Foto: AOK/Colourbox/hfr.

Eine besonders hohe Erwartungshaltung der Eltern kann Kindern vermitteln, dass Erfolg und Perfektion entscheidend für Anerkennung und Zuneigung sind. Werden Fehler vor allem kritisiert und fehlt Verständnis für das Scheitern, kann dies den Druck zusätzlich erhöhen. Sind Eltern selbst perfektionistisch, können Kinder diese Verhaltensweisen zudem beobachten und übernehmen.

Als weitere mögliche Einflussfaktoren nennt die AOK Bindungsstile, starke elterliche Kontrolle und bestimmte Erziehungsstile. Freiräume zum Ausprobieren und ein angemessener Umgang mit Fehlern können dagegen Vertrauen und Eigenverantwortung fördern. Weitere Informationen zum Thema Perfektionismus bei Kindern gibt es unter aok.de/pk/magazin/koerper-psyche.