Recyclingpapier in Küche und Bad schont Ressourcen

Verbraucherzentrale NRW erklärt Vorteile, verlässliche Siegel und Alternativen zu Einweg-Hygienepapier

Minden. Recyclingpapier in Küche und Bad schont Ressourcen und ist aus ökologischer Sicht die bessere Wahl gegenüber Hygienepapieren aus Primärfasern. Bis zu 19 Kilogramm Hygienepapier werden in Deutschland pro Kopf und Jahr verbraucht. Insgesamt landen damit jährlich rund 1,5 Millionen Tonnen Papierservietten, Taschen- und Kosmetiktücher, Küchenkrepp und Toilettenpapier im Abfall oder in der Kanalisation.

Werden diese Produkte aus Primärfasern hergestellt, wird dafür Holz als Faserrohstoff benötigt. Cornelia Franke-Röthemeyer, Umweltberaterin bei der Verbraucherzentrale NRW in Minden, empfiehlt deshalb Recyclingprodukte. Beim Einkauf sollten Verbraucher:innen allerdings nicht allein auf Natur- oder Tiermotive auf den Verpackungen achten, sondern auf verlässliche Siegel.

Gestapelte Rollen weißen Toilettenpapiers mit geprägten Mustern.

Quelle: Nature-Pix / Pixabay © Foto: verbraucherzentrale.nrw

Recyclingpapier spart Wasser und Energie

Nach Angaben des Umweltbundesamtes stammen 57 Prozent des in Deutschland verbrauchten Papiers, Kartons und der Pappe sowie mehr als 75 Prozent des für die deutsche Papierindustrie eingesetzten Zellstoffs aus dem Ausland. Ein zunehmender Anteil kommt aus Plantagen in Entwicklungs- und Schwellenländern. Dort können für den Anbau schnell wachsender Bäume natürliche Ökosysteme zerstört oder Flächen für den Lebensmittelanbau umgenutzt werden.

Die Herstellung von Recyclingpapier benötigt im Durchschnitt 78 Prozent weniger Wasser und 68 Prozent weniger Energie als die Produktion von Frischfaserpapier. Zudem fallen 15 Prozent weniger CO2-Emissionen an. Je nach Marke, Lagenzahl und Weißegrad können Recyclingprodukte außerdem günstiger sein. Recyclingpapier in Küche und Bad kann damit dazu beitragen, Rohstoffe sowie weitere Ressourcen einzusparen.

Blauer Engel bietet Orientierung

Bei Hygienepapieren mit dem Blauen Engel wird zu 100 Prozent Altpapier verwendet. Weniger eindeutig ist das FSC-Siegel des Forest Stewardship Council: FSC-gekennzeichnete Papiere können aus zertifiziertem Holz oder aus Altpapier bestehen. Wer gezielt Produkte aus 100 Prozent Recyclingpapier kaufen möchte, muss deshalb genauer auf die Angaben achten. Kriterien wie Energie- und Wasserverbrauch oder der Einsatz von Chemikalien bei der Herstellung werden beim FSC-Siegel nicht berücksichtigt. Auch das EU-Ecolabel für Hygienepapiere garantiert keinen Einsatz von Altpapier.

Naturmotive oder Abbildungen exotischer Tiere auf Verpackungen sind ebenfalls kein verlässlicher Hinweis auf Recyclingpapier. Auch die Bezeichnung „chlorfrei gebleicht“ sagt laut Umweltbundesamt lediglich aus, welche Chemikalien bei der Bleichung eingesetzt wurden. Ob Altpapier verwendet wurde oder wie das eingesetzte Holz gewonnen wurde, lässt sich daraus nicht ableiten.

Recycling-Hygienepapier gesundheitlich unbedenklich

Für Hygienepapiere mit dem Blauen Engel gelten zudem Vorgaben zu den eingesetzten Stoffen. Farbmittel mit Schwermetallen wie Quecksilber, Blei, Cadmium oder Chrom-VI sind ebenso verboten wie Stoffe, die als krebserzeugend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend eingestuft sind. Gemüse mit Recycling-Küchenpapier abzutrocknen oder Fleisch kurz damit abzutupfen, ist daher nach Angaben der Verbraucherzentrale unproblematisch. Auch für die Haut seien Produkte aus Altpapier unbedenklich.

Mehrweg statt Einweg

Auch Recyclingpapier wird meist nur einmal verwendet. Wer zusätzlich Abfall vermeiden und Papier sparen möchte, kann in Küche und Bad häufiger auf wiederverwendbare Alternativen setzen. Waschbare Lappen und Putztücher eignen sich zum Aufnehmen verschütteter Flüssigkeiten und zum Reinigen von Flächen. Bei 60 Grad können sie in der Waschmaschine hygienisch gereinigt werden.

Obst und Gemüse lassen sich mit sauberen Handtüchern trocknen. Stoffservietten, waschbare Abschminkpads oder Mulltücher können weitere Einwegprodukte ersetzen. Auch Stofftaschentücher tragen dazu bei, den Verbrauch von Hygienepapier zu reduzieren.

Gestapelte Rollen weißen Toilettenpapiers mit geprägten Mustern.