Johannes Reinholz verbindet seine Berufserfahrung mit einem praxisnahen ingenieurwissenschaftlichen Bachelorstudium am RailCampus OWL.
Minden. Der Bachelorstudiengang Digitale Bahnsysteme in Minden verbindet ingenieurwissenschaftliche Grundlagen, bahntechnische Spezialisierungen und einen engen Praxisbezug. Der 28-jährige Johannes Reinholz bringt dafür bereits Berufserfahrung mit: Er ist ausgebildeter Lokführer und studiert am RailCampus OWL. Für den nächsten Jahrgang im Wintersemester sind Bewerbungen noch bis zum 31. August möglich.
Nach dem Abitur begann Reinholz zunächst ein Lehramtsstudium in den Fächern Sozialwissenschaften und Physik. Obwohl er den Abschluss noch machte, stellte er schnell fest, dass dieser Berufsweg nicht zu ihm passte. Über Social Media wurde er anschließend auf die Lokführerausbildung bei der Deutschen Bahn aufmerksam. Er bewarb sich bei DB Cargo in Hamburg und ließ sich dort zum Lokführer ausbilden.
Die Begeisterung für die Eisenbahn reicht bei Reinholz bis in seine Kindheit zurück. Bereits im Alter von neun Jahren fuhr er allein mit dem Zug von Bad Bentheim nach Berlin, wo ihn seine Tanten in Empfang nahmen. Später faszinierte ihn neben der Freiheit des Bahnfahrens vor allem die Technik.
Ingenieurwissen für moderne Bahntechnik
In seiner Berufspraxis wollte Reinholz zunehmend verstehen, welche Technologien hinter dem Bahnsystem stehen und wie technische Komponenten entwickelt werden. Über einen bahninternen Newsletter erfuhr er vom Bachelorstudiengang Digitale Bahnsysteme. Das Studienangebot wurde gemeinsam von der Hochschule Bielefeld, der Technischen Hochschule OWL, der Universität Bielefeld und der Universität Paderborn entwickelt.
Das Studium kombiniert Grundlagen aus Elektrotechnik, Maschinenbau und Informatik mit speziellen bahntechnischen Inhalten. An der Hochschule Bielefeld besuchen die Studierenden einen Teil der Lehrveranstaltungen gemeinsam mit Studierenden der klassischen ingenieurwissenschaftlichen Fächer. Die bahnspezifischen Module finden am RailCampus OWL in Minden statt.
Nach Angaben von Studiengangsleiter Prof. Dr. Rolf Naumann spielen Digitalisierung und Automatisierung eine zentrale Rolle bei der technologischen Weiterentwicklung der Bahn. Durch die breite ingenieurwissenschaftliche Ausbildung seien die Absolventinnen und Absolventen zugleich nicht ausschließlich auf Tätigkeiten im Eisenbahnbereich festgelegt.
Praxis am RailCampus OWL
Der RailCampus OWL befindet sich auf dem Gelände der DB Systemtechnik, einem bedeutenden Kompetenzzentrum für Bahntechnik. Dort arbeiten Hochschulen, Deutsche Bahn und regionale Unternehmen gemeinsam an neuen Konzepten und Technologien. Ein ausrangierter ICE der ersten Generation auf dem Gelände vermittelt zugleich einen Eindruck von der technischen Entwicklung der Bahn.
Auch in der Lehre spielt die Zusammenarbeit mit der Praxis eine wichtige Rolle. Fachleute der DB Systemtechnik übernehmen Unterricht in den bahntechnischen Modulen und geben Einblicke in aktuelle technische Anforderungen. Die Studierenden konnten unter anderem den Relais-Raum eines Stellwerks besichtigen. Unternehmensbesuche bei Wago und Harting zeigten zudem, welche besonderen Anforderungen selbst einzelne Steckverbindungen im Bahnbereich erfüllen müssen.
Vorwissen ist keine Voraussetzung
Reinholz kann bei einigen Themen auf seine Ausbildung und Berufserfahrung zurückgreifen, besonders wenn es um den Bahnbetrieb geht. Voraussetzung für das Studium ist entsprechendes Vorwissen jedoch nicht. Während in der Lokführerausbildung vor allem die betriebliche Bedeutung eines Bauteils behandelt wurde, beschäftigt sich das Studium beispielsweise mit dessen Konstruktion.
Die Stärke des Studiengangs Digitale Bahnsysteme in Minden sieht Reinholz in der Verbindung aus breiten Grundlagen, bahntechnischer Vertiefung und kleinen Lerngruppen. Der persönliche Kontakt zu den Lehrenden ermögliche es, Fragen individuell zu klären. Für Reinholz steht deshalb fest, dass er sich erneut für dieses Studium entscheiden würde.
Weitere Informationen zum Studiengang und zur Bewerbung gibt es auf der Website der Hochschule Bielefeld.








