Verbraucherzentrale im Kreis Höxter half bei 1161 Anliegen

Jahresbericht 2025 zeigt wachsende Probleme durch digitale Verträge, Fakeshops, Zahlungsdienste und KI-Angebote

Landrat Michael Stickeln und Ute Delimat von der Verbraucherzentrale NRW präsentieren im Kreishaus den Jahresbericht 2025.

Starke Stimme für Ratsuchende: Ute Delimat (re.) präsentiert Landrat Michael Stickeln im Kreishaus den Jahresbericht 2025 der Verbraucherzentrale NRW im Kreis Höxter. Im Fokus standen im vergangenen Jahr erneut digitale Stolperfallen und wichtige Alltagsfragen der Bürger:innen.
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Höxter. Die Verbraucherzentrale im Kreis Höxter hat im Jahr 2025 bei 1161 Anliegen beraten und unterstützt. Der Jahresbericht zeigt, dass untergeschobene Verträge, missglückte Widerrufe und Probleme mit Zahlungsdienstleistern weiterhin zu den häufigen Gründen für eine Beratung gehörten.

Käufe, Buchungen und Vertragsabschlüsse finden zunehmend digital statt. Nach Angaben von Ute Delimat, Leiterin der mobilen & digitalen Verbraucherzentrale im Kreis Höxter, werden dadurch auch die Probleme komplexer. Viele Anbieter seien nur noch über KI-gesteuerte Chatbots oder Kontaktformulare erreichbar oder reagierten überhaupt nicht auf Beschwerden.

635 Rechtsberatungen und -vertretungen

Professionell gestaltete Fakeshops, kostenpflichtige Dokumenten-Dienstleister und Coaching-Angebote mit zweifelhaftem Nutzen führten 2025 bei zahlreichen Verbraucher:innen zu finanziellen Schäden. In insgesamt 635 Rechtsberatungen und -vertretungen setzte sich die Verbraucherzentrale nach eigenen Angaben überwiegend erfolgreich für die Ansprüche der Ratsuchenden ein.

Zu den typischen Fällen gehörten abgelehnte Reklamationen, falsche Lieferungen und strittige Retouren bei Online-Bestellungen. Beschwerden gab es außerdem über Abo-Fallen, aufdringlichen Vertrieb beim Glasfaserausbau sowie hohe Forderungen oder abgeschleppte Fahrzeuge auf Supermarktparkplätzen.

Besonders aufwendig war nach Angaben Delimats ein Fall rund um einen Glasfaseranschluss. Nach einem Haustürgeschäft geschah zunächst monatelang nichts. Erst nach rechtlichem Druck begann der Ausbau, bei dem die Hausfassade beschädigt wurde. Anschließend kam es zu Mahnungen, einer verzögerten Aktivierung und einer Netzstörung. Mittlerweile kann der Anschluss genutzt werden.

Käuferschutz bietet nicht immer ausreichenden Schutz

Ein zentrales Beratungsthema war der Käuferschutz bei Zahlungsdiensten wie PayPal, Klarna und Amazon Pay. Verbraucher:innen verließen sich auf die freiwilligen Schutzangebote der Unternehmen, erhielten im Streitfall jedoch nicht immer eine Erstattung. Rund um den Weltverbrauchertag im März 2025 informierte die Verbraucherzentrale darüber, dass gesetzliche Gewährleistungsrechte häufig weiter reichen als die freiwilligen Schutzversprechen der Zahlungsdienste.

Auch Künstliche Intelligenz beeinflusst die Beratungsarbeit. Falsche KI-Auslegungen rechtlicher Fragen können Erwartungen wecken, die sich nicht durchsetzen lassen. Zudem besteht die Gefahr, dass KI-generierte Inhalte Verbraucher:innen zu unseriösen Beratungsangeboten führen. Gleichzeitig prüft die Verbraucherzentrale NRW, wie eigene KI-Anwendungen die Beratung sinnvoll unterstützen können.

Dubiose Forderungen und gefährliche Pillen-Angebote

Erneut beschäftigten Forderungen im Zusammenhang mit dem Düsseldorfer Telekommunikationsanbieter 1N Telecom die Beratung. Ein Inkassodienstleister verlangte von vielen Betroffenen rund 420 Euro. Die Verbraucherzentrale unterstützte sie mit rechtlichen Einschätzungen, Musterbriefen und Hilfe bei der Durchsetzung ihrer Rechte.

Im März 2025 sorgte zudem eine Betrugsmasche mit Nahrungsergänzungsmitteln für Beschwerden. Über Telefonanrufe und dubiose Internetseiten wurden wirkungslose Produkte als angeblicher Ersatz für verschreibungspflichtige Diabetesmedikamente angeboten. Teilweise warben die Anbieter mit vermeintlichen Empfehlungen bekannter Fernsehärzte oder Prominenter.

Energie und Klimaanpassung

Hitze, Starkregen und die hohen Kosten fossiler Brennstoffe waren weitere Themen der Verbraucherarbeit. In Vorträgen, Online-Seminaren und Rundgängen informierte die Beratungsstelle über Begrünung, Dämmung, Steckersolargeräte und neue Heizungstechnik. Dabei ging es auch um Maßnahmen, die sich mit vergleichsweise geringem finanziellen Aufwand umsetzen lassen.

Der Klimaspaziergang ist ein gemeinsames Angebot der Verbraucherzentrale NRW und des örtlichen Klimaschutzmanagements. Bei den Rundgängen können Bürger:innen Folgen des Klimawandels vor Ort kennenlernen und Hinweise zur Anpassung des eigenen Zuhauses erhalten.

Kontakt und weitere Informationen

Nach Einschätzung Delimats verunsichern die Auswirkungen globaler Krisen wie des Irankriegs viele Menschen. Steigende Energie- und Lebenshaltungskosten belasteten insbesondere Haushalte mit geringem Einkommen. Die Beratung solle dabei helfen, finanzielle Schäden bei Alltagsproblemen abzuwenden.

Die Verbraucherzentrale im Kreis Höxter ist montags bis freitags von 9 Uhr bis 17 Uhr unter der Telefonnummer 0211 54 2222 11 sowie per E-Mail an service@verbraucherzentrale.nrw erreichbar. Ein Kontaktformular steht unter www.verbraucherzentrale.nrw/hoexter-kreis zur Verfügung. Der vollständige Jahresbericht ist unter www.verbraucherzentrale.nrw/hoexter-jahresbericht2025 abrufbar.