Mechatronics and Automation an der HSBI: Drei Studenten berichten

Praxisintegrierter englischsprachiger Studiengang verbindet den Campus Gütersloh mit der Arbeit bei CAE in Rheda-Wiedenbrück

Gütersloh. Mechatronics and Automation an der HSBI verbindet für Mulumba Moses Katende, Arafat Idris Hassan und Trevor Kiio das Studium am Campus Gütersloh mit Praxisphasen bei der CAE Software und Systems GmbH in Rheda-Wiedenbrück. Die drei Studenten stammen aus Uganda beziehungsweise Kenia und absolvieren den englischsprachigen Bachelorstudiengang praxisintegriert.

Drei Personen arbeiten in einem hellen Technikraum an einem Tisch mit Laptop und technischer Ausrüstung; die Szene ist durch eine Glasscheibe aufgenommen.

Mulumba Moses Katende, Arafat Idris Hassan und Trevor Kiio gehören zu den ersten internationalen Studenten, die in der praxisintegrierten Variante im englischsprachigen Bachelor Mechatronics and Automation am Campus Gütersloh studieren. © P.Pollmeier / HSBI

Dabei wechseln sich jeweils dreimonatige Theoriephasen an der Hochschule mit dreimonatigen Praxisphasen im Unternehmen ab. Seit 2024 bietet die Hochschule Bielefeld (HSBI) am Standort Gütersloh bereits den englischsprachigen Bachelorstudiengang „Industrial Engineering“ an. Mechatronics and Automation an der HSBI kam 2025 hinzu. Mit den englischsprachigen Angeboten will die Hochschule internationale Studierende gewinnen und zugleich den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt erleichtern.

Langjährige Zusammenarbeit zwischen HSBI und CAE

Mulumba Moses Katende aus Uganda sowie Arafat Idris Hassan und Trevor Kiio aus Kenia sind seit Beginn ihres Studiums bei der CAE Software und Systems GmbH beschäftigt. Das Unternehmen entwickelt und produziert akustische Kameras, mit denen Schallquellen sichtbar gemacht und Geräusche sowie Ultraschall analysiert werden können. Die Systeme kommen unter anderem im Maschinenbau, in der Automobilindustrie sowie in der Luft- und Raumfahrt zum Einsatz.

Die Verbindung zwischen CAE und der Hochschule besteht bereits seit vielen Jahren. Das Unternehmen ging aus der damaligen Fachhochschule Bielefeld hervor und kooperiert auch am Campus Gütersloh seit mehreren Jahren mit praxisintegrierten Studiengängen. Zudem wurden gemeinsame Forschungsprojekte umgesetzt und Abschlussarbeiten begleitet. CAE ist erst vor Kurzem von Gütersloh in ein neues Gebäude nach Rheda-Wiedenbrück gezogen.

Für CAE sind Moses, Arafat und Trevor die ersten Studierenden aus einem vollständig englischsprachigen Studiengang. Die drei waren unabhängig voneinander über ein Institut zur Vorbereitung auf ein Studium in Deutschland auf das Unternehmen aufmerksam geworden und hatten sich regulär um einen Praxisplatz beworben. Produktionsleiter Thomas Sattler, der die Studenten im Unternehmen betreut, berichtet, dass alle drei in den Vorstellungsgesprächen überzeugt hätten und deshalb jeweils eine Zusage erhielten.

Studium, Praxis und Deutschlernen

Für den 21-jährigen Arafat war der Praxisplatz bei CAE nach eigenen Angaben die einzige Zusage bei rund 50 Bewerbungen. Seine erste Praxisphase war von Neugier, eigenständigem Lernen und dem Aufbau neuer Kontakte geprägt. Auch in der anschließenden Theoriephase habe ihm die Unterstützung der Lehrenden dabei geholfen, Inhalte aus Hochschule und Unternehmen miteinander zu verbinden.

Moses beschreibt seinen Studienbeginn als „eine Achterbahnfahrt“ mit vielen neuen Eindrücken sowie viel Lern- und Lesestoff. Mit der Zeit sei er jedoch sicherer geworden. Die Theoriephasen erinnerten ihn teilweise an die Schule, verlangten aber deutlich mehr Selbstständigkeit. Der 19-jährige Trevor berichtet ebenfalls von anfänglicher Unsicherheit im Unternehmen, zugleich aber von der Unterstützung durch Kolleginnen und Kollegen.

Parallel zum Studium arbeiten die drei Studenten kontinuierlich an ihren Deutschkenntnissen. Unterstützt werden sie dabei durch Sprachkurse der HSBI und den regelmäßigen Kontakt mit den Mitarbeitenden im Unternehmen.

Nach Angaben von Thomas Sattler übernehmen die Studierenden schrittweise anspruchsvollere Aufgaben. Zu Beginn stehen praxisnahe Tätigkeiten im Mittelpunkt, damit sie Produkte, Prozesse und betriebliche Abläufe kennenlernen. Dazu gehören Montage- und Fertigungsaufgaben sowie Prüfungen, Kalibrierungen und Endkontrollen. Darüber hinaus werden sie beispielsweise in die Elektronikentwicklung, CAD-Konstruktion und die Entwicklung interner Hilfsmittel zur Prozessoptimierung eingebunden.

CAE legt nach Angaben des Produktionsleiters Wert darauf, dass die Studenten Probleme zunächst selbstständig analysieren und Lösungswege entwickeln. Der Grad an Verantwortung soll von Semester zu Semester steigen. Später sollen auch eigene Projektaufgaben hinzukommen, die gemeinsam vom Unternehmen und Professoren der HSBI betreut werden. Aktuell befinden sich die drei Studenten in ihrer zweiten Praxisphase. Im Oktober beginnt die dritte Theoriephase an der HSBI.

Internationalisierung bringt neue Herausforderungen

Die englischsprachigen Studiengänge sind Teil der Strategie Internationales der Hochschule Bielefeld. Judith Peltz, Vizepräsidentin Internationales an der HSBI, sieht international nachgefragte Studienangebote als wichtigen Baustein für die weitere Entwicklung der Hochschule. Der Campus Gütersloh ergänzt damit seine praxisintegrierten Ingenieurstudiengänge sowie berufsbegleitenden und forschungsorientierten Masterstudiengänge um eine internationale Komponente.

Eine Herausforderung ist nach Angaben der Hochschule die Wohnsituation. Moses, Arafat und Trevor leben wie zahlreiche weitere internationale Studierende in Bielefeld, teilweise in Studierendenwohnheimen und teilweise in privaten Wohngemeinschaften. Gerade für Menschen mit geringen Deutschkenntnissen und ohne lokales Netzwerk sei die Wohnungssuche schwierig.

Unterstützt werden internationale Studierende durch Mitarbeitende des International Office der HSBI sowie internationale studentische Hilfskräfte am Campus Gütersloh. Dr. Maria Kobert koordiniert die Betreuung als Ansprechperson für Internationales am Fachbereich. Nach ihrer Einschätzung ist es in Bielefeld unter anderem wegen der Studierendenwohnheime, zahlreicher Wohngemeinschaften und einer größeren internationalen Studierenden-Community etwas einfacher, eine Unterkunft zu finden.

Die Unterstützung umfasst außerdem die Welcome Weeks, Freizeitangebote, Hilfe bei Behördengängen und Beratungsangebote während des gesamten Studiums. Die drei Studenten bewerten die Betreuung am Campus Gütersloh grundsätzlich positiv, nennen aber auch Verbesserungsvorschläge. Arafat wünscht sich Unterstützung bei den Kosten für Materialien in Elektronikprojekten, Trevor zusätzlichen fachlichen Support bei komplexen technischen Fächern. Maria Kobert kündigte an, für die Materialien der Elektronikprojekte eine pragmatische Lösung finden zu wollen.