Forschungsprojekt der Hochschule Bielefeld vernetzt Wissenschaft und künstlerische Praxis rund um generative Bildverfahren
Bielefeld. Postfotografische Bilder an der HSBI stehen im Mittelpunkt eines Forschungsprojekts, das sich mit Künstlicher Intelligenz, generativen Bildgebungsverfahren und der Zukunft gestalterischer Arbeit beschäftigt. Prof. Dr. Kirsten Wagner und Prof. Adrian Sauer wollen mit Tagungen, Ausstellungen, Workshops und Publikationen wissenschaftliche und künstlerische Perspektiven in Bielefeld zusammenführen.

Teil des Forschungsprojektes sind Ausstellungen wie „Pre, Present and Post Photographic Images“: Gezeigt wurden Arbeiten von Graduierten und Promovierenden, die sich künstlerisch-forschend mit Fragestellungen zu generativen Bildpraktiken und post-fotografischen Prozessen auseinandersetzen.
Das transdisziplinäre Projekt „Postfotografische Bilder. Generative Bildgebungsverfahren“ untersucht Formen der Bildproduktion, die auf Regeln und Algorithmen beruhen. Neben aktuellen Entwicklungen rund um KI spielt dabei auch die historische Einordnung eine zentrale Rolle.
Historische Wurzeln in Bielefeld
Ein wichtiger Bezugspunkt ist der Fotograf Gottfried Jäger. Er kam 1960 als Technischer Lehrer für Fotografie an die Werkkunstschule Bielefeld und führte 1968 mit einer Ausstellung im Bielefelder Kunsthaus den Begriff der „Generativen Fotografie“ ein. Dabei entstehen Bilder nach festgelegten Programmen oder systematisch-mathematischen Prinzipien, ohne eine fotografische Realität wiederzugeben.
Jäger war von 1972 bis 2002 Professor in Bielefeld und später unter anderem Dekan und Hochschulratsmitglied. Für Kirsten Wagner und Adrian Sauer bildet seine Arbeit deshalb einen historischen Ausgangspunkt für die heutige Auseinandersetzung mit generativen Bildsystemen.
Tagungen verbinden Forschung und Studium
Im November 2025 veranstaltete das Projekt die dreitägige Konferenz „Post-Photographic Images“. Zu den internationalen Gästen gehörten unter anderem Joanna Zylinska vom King’s College in London und Yanai Toister von der Tampere University. Eine weitere Tagung unter dem Titel „Bildlichkeit und KI. Ethische und soziale Dimensionen“ brachte Künstler:innen, Expert:innen, Professor:innen und Studierende am Fachbereich Gestaltung der HSBI zusammen.
Nach Angaben von Kirsten Wagner wirkten sich Erkenntnisse aus den Veranstaltungen unmittelbar auf Abschlussarbeiten von Studierenden aus. Adrian Sauer sieht zugleich eine wichtige Aufgabe darin, Fragen zur Rolle des Menschen im kreativen Prozess und zu den Auswirkungen von KI auf gestalterische Berufe zu diskutieren.
Zum Projektteam gehören neben Wagner und Sauer auch die Masterstudentin Jana Sehnert und der Künstler Darius Bange. Bange arbeitete für seine Abschlussarbeit „Latent Topologies“ mit dem KI-Cluster der HSBI zusammen und trainierte eine KI mit 220.000 Landschaftsaufnahmen. Die daraus entstandene Rauminstallation macht den verwendeten Datensatz künstlerisch sichtbar.
Ausstellungen und internationales Netzwerk
Mit Ausstellungen im „HSBI-Satellit“ in der Bielefelder Wissenswerkstadt, im Gebäude des Fachbereichs Gestaltung und im Stadtraum sollen Arbeiten von Studierenden öffentlich präsentiert werden. Ergänzt wird das Projekt durch Workshops mit internationalen Künstler:innen. Gleichzeitig entsteht nach Angaben der Beteiligten ein Netzwerk von Akteur:innen, die sich mit generativer Bildproduktion und ihren theoretischen Grundlagen beschäftigen.
Postfotografische Bilder an der HSBI sollen auch in den kommenden Jahren Gegenstand weiterer Projekte bleiben. Im Open-Access-Journal „Dialoge über Gestaltung“ sollen im Herbst Ergebnisse der Tagung von November 2025 veröffentlicht werden. Für den Sommer 2027 ist gemeinsam mit der Kunsthalle Bielefeld eine Ausstellung geplant, die historische Positionen der Generativen Fotografie mit aktuellen Arbeiten von HSBI-Studierenden verbindet.
Im Herbst 2027 soll eine weitere große Tagung zu Entwurfspraktiken und KI folgen. Der hochschulinterne Fonds für Künstlerische Forschung unterstützt das Projekt mit weiteren 20.000 Euro. Damit ist seine Laufzeit nach Angaben der HSBI bis Ende 2028 gesichert. Zum Abschluss ist eine umfassende Publikation vorgesehen.





