Hitze in Bielefeld: HSBI gibt Tipps für gefährdete Gruppen

Pflegewissenschaftlerin Prof. Dr. Christa Büker erklärt, warum ältere Menschen, chronisch Kranke, Schwangere und Kinder bei Temperaturen über 30 Grad besonders geschützt werden müssen.

Der Klimawandel mit seinen zunehmenden Hitzeereignissen ist auch für die Pflegewissenschaft ein großes Thema. (Foto: K. Starodubskij/HSBI)

Der Klimawandel mit seinen zunehmenden Hitzeereignissen ist auch für die Pflegewissenschaft ein großes Thema. (Foto: K. Starodubskij/HSBI)

Bielefeld. Diese Woche wird nach Einschätzung der Hochschule Bielefeld (HSBI) die bislang heißeste Woche des Jahres. Temperaturen von mehr als 35 Grad werden unter anderem am Samstag in Bielefeld erwartet. Ein Tag mit mehr als 30 Grad gilt in der Meteorologie als „heißer Tag“. „Wir wissen aus der Forschung, dass an Hitzetagen die Häufigkeit, ins Krankenhaus eingewiesen zu werden, bei älteren und chronisch kranken Menschen zunimmt“, sagt Prof. Dr. Christa Büker, Professorin für Pflegewissenschaft am Fachbereich Gesundheit der Hochschule Bielefeld. „Deshalb ist der Klimawandel mit seinen zunehmenden Hitzeereignissen auch für uns Pflegewissenschaftler:innen ein großes Thema.“

Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts sterben in Deutschland jeden Sommer mehrere tausend Menschen an den Folgen von Hitze. Ab einem Alter von 65 Jahren nimmt das Risiko stark zu. Erschöpfung, Schwindel und Verwirrtheit sind Alarmsignale, die unbedingt ernst genommen werden müssen.

„Am besten ist es natürlich, sich gar nicht erst der Hitze auszusetzen und vor allem direkte Sonneneinstrahlung zu meiden“, rät die HSBI-Professorin. Wichtig sei außerdem, ausreichend zu trinken – auch in geschlossenen Räumen. Wer dennoch vor die Tür müsse, solle leichte, helle und locker sitzende Kleidungsstücke aus Naturmaterialien tragen. Helle Farben reflektieren Sonnenstrahlen, lockere Kleidung ermöglicht eine bessere Luftzirkulation und hält die Haut kühler.

Ein häufig unterschätzter Punkt betrifft Medikamente. „Besonders aufpassen müssen Personen, die Medikamente nehmen“, sagt Christa Büker. Manche Medikamente wirkten bei Hitze verstärkt, bei anderen könnten die erwünschten Wirkungen zu Problemen führen, etwa wenn bei entwässernd wirkenden Arzneien ein Flüssigkeitsmangel drohe. Bestimmte Medikamente könnten außerdem die Fähigkeit des Körpers beeinträchtigen, Hitze gut zu bewältigen, beispielsweise wenn sie das Schwitzen hemmen. Medikamente sollten bei Hitze grundsätzlich kühl, trocken und lichtgeschützt gelagert werden.

Die Pflegewissenschaftlerin weist darauf hin, dass nicht nur ältere, pflegebedürftige und chronisch kranke Menschen zu den besonders gefährdeten Gruppen gehören. Auch schwangere Frauen seien gefährdet, weil sie einen veränderten Stoffwechsel hätten. „An Hitzetagen gibt es nachweislich eine erhöhte Anzahl an Fehlgeburten“, so Büker. Auch Kinder seien im Freien einem erhöhten Risiko ausgesetzt, da ihr Temperaturhaushalt noch nicht so stabil sei wie bei Erwachsenen.

Eine breite Sensibilisierung der Bevölkerung ist aus Sicht der HSBI-Professorin ein zentraler Weg, um Menschen besser vor gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch sommerliche Hitze zu schützen. Die Stadt Bielefeld habe einen sehr guten Aktionsplan ausgearbeitet und informiere umfassend über ihr Hitze-Portal im Internet: www.bielefeld.de/hitzeportal. Außerdem empfiehlt Büker den „Hitzeknigge“ des Umweltbundesamtes, der als kostenloser Download erhältlich ist.

An der HSBI steht das Thema schon länger auf der Tagesordnung. Im Projekt „Planetary Health and Nursing“ sind zuletzt vier neue Lehreinheiten dazu entstanden. Außerdem wurde das Forschungsprojekt „Green Guide for Nursing“ jüngst abgeschlossen, das die Folgen des Klimawandels für die Profession in den Fokus nimmt – darunter auch das Phänomen extremer Hitzetage. Bereits 2015 bezeichnete die Lancet-Kommission den Klimawandel als größte Bedrohung für die menschliche Gesundheit.

Für besonders gefährdete Personengruppen empfiehlt Prof. Dr. Christa Büker folgende Maßnahmen:

  • Wer Medikamente einnimmt, die mit dem Wärme- und Flüssigkeitshaushalt des Körpers in Verbindung stehen, sollte die Hausärztin oder den Hausarzt kontaktieren.
  • Arzneimittel sollten möglichst schon im Frühling, spätestens aber vor einer Hitzewelle, ärztlich auf Hitzeverträglichkeit geprüft werden.
  • Der Alltag sollte bei Hitze angepasst werden, etwa durch Aufenthalt an kühlen Orten während der heißesten Stunden des Tages.
  • Körperliche Anstrengungen sollten möglichst vermieden werden.
  • Körperliche Aktivitäten und Erledigungen sollten in die kühleren Morgen- und späteren Abendstunden verlegt werden.
  • Wohnung und Körper sollten möglichst kühl gehalten werden.
  • Ausreichendes Trinken ist wichtig – am besten Wasser und ungesüßte Tees.
  • Direkte Sonneneinstrahlung sollte möglichst gemieden werden.
  • Angehörige, Freund:innen oder Nachbar:innen können an heißen Tagen um Hilfe gebeten werden.