„Planeite“: Was das plattdeutsche Wort mit dem Kopf zu tun hat

Der LWL erklärt zum Wort des Monats Oktober, warum ein Begriff aus der Astronomie im Plattdeutschen überraschende Bedeutungen hat.

Westfalen-Lippe. Das plattdeutsche Wort „Planeite“ erinnert zunächst an den hochdeutschen Begriff „Planet“. Tatsächlich haben beide Wörter denselben sprachlichen Ursprung. Doch im Plattdeutschen wird „Planeite“ nicht nur für einen Himmelskörper verwendet. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) stellt den Begriff als Wort des Monats Oktober vor und erläutert seine unterschiedlichen Bedeutungen.

Foto: LWL-Medienzentrum für Westfalen

Im LWL-Planetarium in Münster wird regelmäßig über Planeten gesprochen, allerdings auf Hochdeutsch.
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Das Wort geht auf das lateinische „planeta“ zurück und wird meist als Femininum verwendet. Im Gegensatz zum hochdeutschen „Planet“ hat sich in der plattdeutschen Form „Planeite“ eine zusätzliche Silbe erhalten.

Allerdings bezeichnet das Wort im alltäglichen Sprachgebrauch nicht ausschließlich astronomische Objekte wie Mars oder Saturn. Vielmehr hat es auch Bedeutungen, die mit dem Wetter und dem menschlichen Körper zusammenhängen.

Von der Astronomie zum Wetter

Eine Verwendung des Begriffs bezieht sich auf die Wetterlage. Die plattdeutsche Frage „Wat maket de Planeiten?“ lässt sich sinngemäß mit „Wie wird das Wetter?“ übersetzen. Damit zeigt sich, dass das ursprünglich astronomische Wort im regionalen Sprachgebrauch eine weitere Bedeutung entwickelt hat.

Besonders verbreitet ist jedoch eine andere Verwendung: „Planeite“ kann im Plattdeutschen auch den menschlichen Kopf bezeichnen.

„Am häufigsten ist aber eine ganz andere Bedeutung, und zwar ‚Kopf’“, erklärt Dr. Markus Denkler, Geschäftsführer der Kommission für Mundart- und Namenforschung beim LWL. „Darauf muss man erst mal kommen! Vielleicht hat hier die Ähnlichkeit zum Wort ‚Plate‘, das auch ‚Kopf‘ bedeutet, eine Rolle gespielt.“

Plattdeutsche Redewendungen aus Lichtenau

Wie das Wort im Alltag verwendet wurde, verdeutlichen zwei sprachliche Belege aus Lichtenau im Kreis Paderborn.

Der Satz „De Planeite däüt mei sau weih!“ bedeutet auf Hochdeutsch ungefähr „Der Kopf tut mir so weh.“

Auch in der Redensart „Dat will mei ni in de Planeite“ kommt der Begriff vor. Gemeint ist damit „Das begreife ich nicht.“

Die Beispiele zeigen, wie sich die Bedeutung eines ursprünglich aus der Astronomie stammenden Wortes im Laufe der sprachlichen Entwicklung verändern kann.

LWL stellt seit 2019 plattdeutsche Wörter vor

Mit seiner Reihe „Wort des Monats“ macht der Landschaftsverband Westfalen-Lippe seit 2019 auf Besonderheiten des plattdeutschen Wortschatzes aufmerksam.

Manche plattdeutschen Begriffe lassen sich vergleichsweise einfach aus dem Hochdeutschen erschließen. Dazu gehören beispielsweise „Knieptange“ für „Kneifzange“, „Kinnergaoren“ für „Kindergarten“ und „Maihdiärschker“ für „Mähdrescher“. Diese Wörter weisen deutliche lautliche Gemeinsamkeiten mit ihren hochdeutschen Entsprechungen auf.

Andere Begriffe haben dagegen im Laufe der Jahrhunderte eigenständige Bedeutungen entwickelt, die sich nicht unmittelbar aus dem Hochdeutschen ableiten lassen. Das Wort „Planeite“ ist ein Beispiel dafür.

Die Kommission für Mundart- und Namenforschung beim LWL beschäftigt sich mit solchen sprachlichen Besonderheiten und stellt regelmäßig ausgewählte Begriffe vor.

Eine Übersicht aller bisher veröffentlichten Wörter des Monats bietet der LWL unter www.mundart-kommission.lwl.org.